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Der Januar in Michigan fühlt sich selten wie ein lauter Neubeginn an. Eher wie ein leiser Übergang, bei dem die Welt kurz innehält, bevor sie sich wieder bewegt. Der Himmel hängt tief über verschneiten Straßen, der Wind ist klar und kompromisslos und die Kälte sorgt nicht nur für rote Nasen, sondern auch für überraschend klare Gedanken. Selbst Geräusche wirken gedämpfter, als hätten sie beschlossen, sich dem Tempo dieses Monats anzupassen. Ein Anfang ohne Feuerwerk Wenn ich morgens die Haustür öffne, trifft mich zuerst diese eine Sekunde eisiger Kälte, die gleichzeitig wach macht und daran erinnert, dass man hier nicht unvorbereitet rausgeht. Schnee knirscht unter den Schuhen, Autos fahren langsamer – oder sollten es zumindest – und irgendwo in dieser entschleunigten Bewegung liegt eine Ruhe, die mich jedes Jahr aufs Neue einfängt. Vielleicht mag ich den Januar aber auch deshalb so sehr, weil ich weiß, dass er nicht bleibt. Dass das Jahr wieder Fahrt aufnehmen wird, die Tage länger, die Jacken leichter und die Gedanken luftiger. Und genau diese Gewissheit macht die Stille erträglich – und schön. Der Januar in Michigan ist kein Feuerwerk. Er ist ein Anfang. Ein Anfang, der nicht drängt, sondern Raum lässt. Ein Anfang, bei dem ich immer wieder bei mir ankomme. Und bei meinen Geschichten. Mehr als eine Adresse Vor ein paar Tagen bin ich aus Deutschland zurückgekommen. Zum ersten Mal seit wir nach Michigan gezogen sind, habe ich die Feiertage wieder dort verbracht. Und vielleicht war genau das der Grund, warum sich dieser Januar nicht wie ein klassischer Neustart anfühlt, sondern wie ein bewusstes Weitergehen. Diese Woche in Deutschland war nichts Spektakuläres. Sie war einfach … Leben. Gespräche ohne Zeitdruck, Stimmen, die vertraut waren, ohne sich erklären zu müssen, gemeinsames Lachen, Erinnerungen, die nicht nach Aufmerksamkeit gefragt haben. Zeit mit Familie und Freunden, die nicht geplant werden musste, um wertvoll zu sein. Was von diesen Tagen geblieben ist, war vor allem ein stilles Gefühl von Dankbarkeit – für Nähe ohne Aufwand und für Verbindungen, die auch über Entfernungen hinweg bestehen. Und eigentlich stehe ich gar nicht zwischen zwei Orten, sondern bin in beiden zu Hause. Und vielleicht ist genau das der Moment, in dem man aufhört zu suchen, wo man hingehört, sondern einfach weiß, dass Zugehörigkeit mehr als eine Adresse haben darf. Genau mit diesem Gefühl bin ich in diesen Januar gestartet. Kein Druck, keine Listen, keine Vorsätze Jedes Jahr scheint die Welt im Januar kollektiv zu beschließen, dass man sich neu erfinden muss. Besser. Schneller. Klarer. Produktiver. Ich habe mich in diesem Jahr bewusst dagegen entschieden. Nicht, weil ich keine Ziele habe. Nicht, weil mir meine Arbeit egal wäre. Sondern weil ich gemerkt habe, dass mir Druck selten hilft, das zu schreiben, was mir wirklich wichtig ist. Er sorgt vielleicht für Tempo, aber nicht für Tiefe, und für Struktur, aber nicht für unbedingt für Stimmigkeit. Ich habe mir keine Wortzahlen versprochen, keine Deadlines formuliert … Dieses Jahr erlaube ich mir nur eines: meinem Schreiben zu vertrauen - darauf, dass es fließt, wenn ich es nicht zwinge. Dass es ehrlicher ist, wenn es nicht ständig bewertet werden muss. Deshalb ... 2026 ist für mich deshalb das Jahr, in dem ich mich bewusst als reine Self Publisherin sehe – aus Überzeugung, nicht aus Notwendigkeit. Ich möchte schreiben, was mir wichtig ist. So, wie es mir wichtig ist. Ohne Vorgaben. Ohne Schubladen. Ohne den Umweg über Erwartungen, die nicht meine sind. Geplant sind mindestens zwei Veröffentlichungen: die ersten beiden Bände einer neuen Urban-Fantasy-Trilogie, die mir sehr nah ist. Band eins erscheint Mitte 2026. Mehr dazu … bald! Versprochen. 2026 wird definitiv kein leises (Autor*innen)Jahr. Aber es wird ein Jahr ohne Druck. Ein Jahr mit Tiefe, mit Mut und echter schreibender Freiheit. Gleichzeitig möchte ich mir mehr Raum für das echte Leben lassen. Für Freunde. Für Familie. Für Gespräche ohne Zeitlimit. Für Lachen ohne Agenda. Für all die kleinen Dinge, die einfach da sein dürfen. Vielleicht ist genau das meine neue Definition von Erfolg: Geschichten zu erzählen, die mir gehören, und ein Leben zu führen, das sich nicht ständig nach „mehr“ anfühlt, sondern nach „stimmig“. Nicht komplizierter, sondern klarer Und vielleicht ist genau deshalb dieser Winter gerade der richtige. Michigan im Januar ist keine Kulisse für große Gesten, sondern ein Ort für Gedanken. Gefrorene Seen, Straßen, die schmaler wirken, weil der Schnee sie einrahmt, Luft, die so klar ist, dass jeder Atemzug bewusster wird. Alles wirkt ein wenig reduzierter, ein wenig leiser, als hätte die Welt beschlossen, sich für einen Moment nicht allzu wichtig zu nehmen. Wenn ich draußen unterwegs bin, wird mein Kopf nicht leer, sondern klar. Gedanken ordnen sich fast von selbst, Figuren bekommen mehr Ecken und Kanten, Szenen Konturen, und ich weiß ziemlich genau, wohin meine Geschichte will - ohne mir dabei die Freiheit zu nehmen, unterwegs zu improvisieren. Überhaupt fühlt sich Schreiben gerade an diesen Tagen nicht wie Arbeit an, sondern wie ein Raum, in dem ich ausprobieren darf, ohne sofort festlegen zu müssen, was bleibt und was geht. Und ja, ich erlaube mir dann auch schon mal Seiten, die vielleicht nie veröffentlicht werden. Nicht weil sie falsch sind, sondern weil sie ihren Zweck schon erfüllt haben. Weil sie mir gezeigt haben, was eine Geschichte nicht braucht. Irgendwie mach der Jahresbeginn Dinge nicht komplizierter, sondern klarer. Und vielleicht ist es genau das, was wir gerade alle brauchen. Nicht mehr und nicht weniger Und dann ist da noch die Sache mit der Kreativität. Wir tun immer so, als müsste sie spektakulär sein. Sichtbar. Laut. Als müsste man sie bemerken, damit sie zählt. Doch meine Kreativität im Januar glimmt. Sie ist kein Sturm. Kein Funkenregen. Sie ist einfach da. Still, verlässlich, ohne großes Aufheben. Sie drängt sich nicht auf, sie wartet. Und genau deshalb kann ich mit ihr arbeiten. Schreiben im Januar ist kein Wettkampf und kein Leistungsnachweis Es ist eher ein Zustand, in den ich zurückfinde, wenn ich mir erlaube, nicht schneller sein zu wollen als meine eigenen Gedanken. Wenn ich abends den Laptop zuklappe, spüre ich nicht unbedingt Euphorie. Aber ich spüre Ruhe. Und diese Ruhe fühlt sich an wie ein Versprechen, dass meine Geschichten noch da sind. Auch ohne Druck. Auch ohne Tempo. Schreiben im Januar ist für mich kein Losstürmen. Es ist ein Zur-Ruhe-kommen. Ein Ankommen. Bei meiner Art zu erzählen. Bei meinen Figuren. Bei der Stimme, die sich dann am ehrlichsten anfühlt, wenn ich sie nicht antreibe. Und jetzt? Ich habe beschlossen, 2026 wird mein Jahr des Muts. Nicht laut im Sinne von Lärm. Sondern laut im Sinne von Ehrlichkeit. Ein Jahr, in dem ich mich nicht kleiner mache, als ich bin. In dem ich mir erlaube, ganz ich zu sein. Mit Geschichten, die Tiefe haben dürfen. Mit Emotionen, die Raum brauchen. Mit einem Weg, der nicht immer gerade sein muss, um richtig zu sein. Vielleicht beginnt genau hier mein neues Schreiben. Nicht mit einer neuen Struktur. Nicht mit einer neuen Strategie. Sondern mit einer Entscheidung: mich selbst ernst zu nehmen. Wenn ich aus dem Fenster schaue, ist der Schnee gerade komplett verschwunden. Einfach so. Für ein paar Tage tut Michigan so, als wäre es schon März. Natürlich weiß ich, dass der nächste Schneefall schon angekündigt ist – aber für diesen kurzen Moment nehme ich das Geschenk dankbar an. Und genau in diesem Moment merke ich, wie sehr ich mich auf den Frühling freue. Nicht nur wegen der Wärme, sondern wegen dieses Gefühls von Aufbruch, das irgendwann ganz selbstverständlich zurückkommt. So wie neue Geschichten dazukommen. So wie etwas, das nie weg, sondern nur kurz leiser war. Und jetzt: Hallo 2026 – here I come. Mit Dankbarkeit, mit Winterluft in den Lungen und mit Geschichten, die geschrieben werden wollen. Und genau darauf freue ich mich.
2 Kommentare
Bevor wir ins neue Jahr wechseln, möchte ich diesen Moment für einen persönlichen Rückblick nutzen. Einen Rückblick aus der Perspektive der Autorin, die ich bin - und in diesem Jahr geworden bin. Mit allem, was dazugehört: Freude, Frust, Stolz, Zweifel. Und natürlich Geschichten. Ein geheimes Projekt und neue Wege 2025 stand ganz klar im Zeichen eines Projekts, über das ich bisher nur sehr wenig gesagt habe. Seit Monaten arbeite ich an einer ganz besonderen Trilogie gearbeitet. Teil 1 ist fertig, Teil 2 … läuft. Dieses Projekt ist anders als alles, was ich zuvor gemacht habe. Die Geschichte ist nämlich nicht allein auf meinem Mist gewachsen, sondern entsteht gemeinsam mit einem Co-Autor ( ja, tatsächlich ein Er ) und genau deshalb wird sie auch unter einem offenen Pseudonym erscheinen. Heute nur so viel: Ich bleibe dem Fantasy-Genre natürlich treu, dieses Mal endlich wieder echte Urban Fantasy. Ein Setting, das ich nicht nur recherchiert habe, sondern lebe. Orte, Atmosphären, Alltagsdetails – all das fließt direkt in die Geschichte ein. Und ja, es ist gut möglich, dass auch die Outer Banks ihren Weg in dieses Projekt gefunden haben. Diese Reise war eines der stillen Highlights des Jahres. Wind, Weite, das Meer im Kopf – und ganz viel Raum für neue Ideen. Willow und der Mut zur zweiten Version Ein weiterer großer Meilenstein: Willow. Ein Buch, das früher ein Verlagsbuch war und dessen Geschichte ein ziemlich radikales Makeover bekommen hat. Das war keine kleine Überarbeitung, sondern fast eine ganz neue Version. Rückblickend war diese Überarbeitung mehr als Arbeit am Text. Sie war Arbeit an meiner Haltung als Autorin: genauer hinschauen, mutiger streichen, Entscheidungen treffen. Mit Willow bin ich außerdem im Self Publishing einen Schritt weitergegangen – dieses Mal nicht nur inhaltlich, sondern auch im Vertrieb: Willow ist mein erstes SP-Buch, das ganz regulär im stationären Buchhandel erhältlich ist. Nach und nach werden alle weiteren Bücher folgen. Ein Weg, der sich sehr richtig anfühlt. Funfact zum Schluss: Den Buchsatz habe ich zum ersten Mal mit Vellum gemacht – und was soll ich sagen: Ich liebe es. Inzwischen habe ich sogar den Satz für eine befreundete Autorin übernommen. Falls ihr euch dafür interessiert, meldet euch gern. Ein weiterer Ort für meine Worte Ein persönliches Highlight dieses Jahres war das hier: mein Blog. Seit Mai gibt es „Plot Twists & Peanut Butter“ – einen Ort für alles, was zwischen Schreiben, Lesen, Leben in Michigan und dem Blick über den Atlantik passiert. Der Blog ist mein Raum für Gedanken, die nicht in ein Buchkapitel passen. Für Einblicke hinter die Kulissen. Für Recherche, Alltag, Frust, Freude und genau die kleinen Umwege, aus denen am Ende meist die besten Ideen entstehen. Gleichzeitig war das Bloggen für mich ein überraschend schöner Ausgleich zum Romanschreiben: Andere Texte, anderer Rhythmus, null Plotdruck und genau deshalb richtig viel Spaß. Und ja: Ich sehe euch lesen, klicken, kommentieren. Danke! Zwischen Hallen, Gesprächen und Geschichten Im März durfte ich außerdem meine allererste Messe in Deutschland erleben – und dann gleich die Leipziger Buchmesse. Es war ein einziges Wirbelwind-Wochenende voller Begegnungen, Gespräche, Inspiration – und sooo vieler Menschen! Ich habe es geliebt, mich mit anderen Autor*innen, Leser*innen, Bloggenden und wundervollen Hörbuchsprecher*innen auszutauschen. Ich habe gelacht, gestaunt, gequatscht – und ganz nebenbei auch gelernt, wie anstrengend so ein Messe-Marathon sein kann. Und, puh, war das voll. Trotzdem - genau diese geballte Energie, diese Begeisterung für Geschichten, Worte und Bücher war etwas ganz Besonderes. Leipzig hat Eindruck hinterlassen – im besten Sinne. Ausgerechnet Sci-Fi - mein Lesejahr
Buchmarkt, Frust & klare Entscheidungen 2025 brachte einiges an Buchmarktfrust mit sich. Und ich war ganz offensichtlich nicht die Einzige, die das so empfunden hat. Amazon hat es tatsächlich geschafft, die Veröffentlichung von Willow so richtig zu torpedieren. Rezensionen werden bis heute einfach nicht freigeschaltet, Kommunikation und Prozesse bleiben frustrierend intransparent. Deshalb habe ich eine klare Entscheidung getroffen: Sobald die Kindle-Unlimited-Fristen meiner Bücher ausgelaufen sind, werden meine E-Books nicht mehr exklusiv bei Amazon erscheinen. Ich werde sie nach und nach auch auf anderen Plattformen anbieten. Weniger Abhängigkeit, mehr Kontrolle. Überhaupt scheint der Druck auf Autor*innen generell enorm gewachsen zu sein. Algorithmen, Trends, Sichtbarkeit … das alles strengt an. Sehr. Besonders bedenklich finde ich auch die Entwicklung im deutschen Buchmarkt: Farbschnitt-Zwang (für Selfpublisherinnen kaum zu stemmen), der ständige Ruf nach Extras und Buchboxen. In den USA nimmt das längst nicht diese Dimensionen an. Bücher dürfen hier immer noch oft einfach Bücher sein. Meine Geschichten, mein Weg 2025 war auch das Jahr, in dem ich eine Entscheidung getroffen habe, die sich lange angebahnt hatte: Ich werde meine Geschichten nicht mehr über Verlage platzieren. Ich möchte selbst bestimmen, wann ich schreibe, woran ich arbeite und in welchem Tempo Geschichten entstehen dürfen. Das geheime Projekt hatte ich noch Agenturen und Verlagen gezeigt. Es gab positives Feedback, echtes Interesse, angeforderte Manuskripte. Und trotzdem blieb am Ende nichts, das sich richtig angefühlt hätte. Deshalb werde ich meinen Weg ab jetzt konsequent im Self Publishing weitergehen. Ehrlich gesagt weiß ich inzwischen genau, was mir wichtig ist – und was nicht. Ich weiß, dass diese Geschichte trägt. Und ich weiß, dass sie ihre Leser*innen finden wird. Dafür brauche ich weder perfekt getaktete Programme noch fremde Erwartungshaltungen – sondern Vertrauen in meinen eigenen Weg. Was bleibt Michigan macht zum Jahresende, was es am besten kann: Winter. Mehr Schnee, mehr Kälte, mehr Dauer, als ich es aus Deutschland kenne. Im Dezember hat all das noch etwas Magisches – diese frische, helle Stille, die sich über alles legt. Aber spätestens im Februar wird das Weiß zu viel, zu dicht, zu endlos. Trotzdem gehe ich jeden Tag raus. Mit Sunny. Egal, wie tief der Schnee liegt oder wie sehr der Wind beißt. Er braucht seine Runde – und ich brauche sie auch. Ein bisschen Normalität, klare Luft und ein Kopf, der danach wieder sortierter ist. Und als wäre das nicht schon genug Wintergefühl, werde ich dieses Jahr zum ersten Mal seit über 25 Jahren wieder Weihnachten in Deutschland feiern. Es fühlt sich an wie ein Kreis, der sich schließt - wohl wissend, dass ich mich danach auch wieder auf mein Zuhause hier in Michigan freue. Was bleibt, ist der Austausch. Mit anderen Autor*innen, Leser*innen, Bloggenden – all den Menschen, die Bücher genauso lieben wie ich. Und besonders der tägliche Austausch mit einer Autorin (nein, nicht meine Co-Autorin) gehört inzwischen einfach dazu. Privat war dieses Jahr turbulent, vieles davon gehört nicht hierher, aber es war da. Und vielleicht ist genau deshalb so spürbar, wie viel diese kleinen Verbindungen bedeuten. Was bleibt, sind die Menschen, die Worte – und die Wege, auf denen beides zusammenfindet. Bonus: ein erster Blick ins geheime ProjektWeil Plot Twists & Peanut Butter ohne Überraschung nur halb so schön ist, gibt es zum Abschluss einen kleinen Bonus: den Anfang des ersten Kapitels meines geheimen Projekts. Nicht den Prolog – der würde zu viel verraten. Nur ein kleiner Einblick, ich weiß, aber genau richtig für das Ende dieses Rückblicks. „Sehe ich aus, als würde ich Witze machen?“ Mehr verrate ich heute nicht. Der Rest bleibt noch ein bisschen länger Geheimprojekt und wächst hinter den Kulissen weiter. Und jetzt ... Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch in ein entspanntes 2026. Genießt die ruhigen Tage, so gut es eben geht. Vielleicht mit einem guten Buch, vielleicht mit etwas Abstand vom Bildschirm. Wir lesen uns. Auf Instagram, auf Facebook, auf WhatsApp, oder hier im Blog.
Ich bin gerade zurück aus dem Urlaub! Ziel: die Outer Banks in North Carolina. Ergebnis: Wind im Gesicht, Meeresrauschen in den Ohren und ein Kopf voller Szenen, die unbedingt aufgeschrieben werden wollen. Und diese Reise hat wirklich alles gegeben: Spätoktoberhitze, kurz danach Stürme, die das Motorhome durchgeschüttelt haben, überflutete Straßen, gesperrte Brücken, die uns für zwei Tage vom Festland abgeschnitten haben – und ein Hirsch, der plötzlich auf den Dünen auftauchte … Das alles ist Recherche. Nicht in Tabellenform, sondern spürbar, hörbar, echt. Schon die Fahrt von Michigan nach North Carolina war eine kleine Feldstudie: Wälder, die in allen Herbstfarben leuchteten, Highways, die einfach kein Ende nehmen wollten, und Tankstellen, die ihre ganz eigenen Geschichten erzählen. Zum Beispiel die, an der sich eine freundliche Frau vorstellte, Carlo die Hand schüttelte und dann sehr ernsthaft anbot, für unseren kaputten Generator zu beten. Noch bevor wir etwas sagen konnten, hatte sie bereits die Handfläche auf das Gerät gelegt – auf den Generator, nicht auf Carlo – und ein fünfminütiges Gebet hingelegt, als hinge das Schicksal der Stromversorgung persönlich von ihr ab. Ergebnis: Der Generator blieb stumm, aber ich hatte dafür eine Szene, die garantiert in einem Roman landet. Wenn Google Earth an seine Grenzen stößt Klar, heute kann man mit wenigen Klicks jeden Ort der Welt bereisen. Google Earth zeigt die Straßen, YouTube liefert Videos, Blogs und Reiseführer erzählen Details. Ich nutze all das regelmäßig – aber es ersetzt nicht, einen Ort wirklich erlebt zu haben. Wenn man barfuß im warmen Sand steht, das Salz auf den Lippen schmeckt, den Wind hört, der durch Dünengras rauscht – dann begreift man eine Landschaft anders. Kein Bildschirm der Welt kann das ersetzen. Wir standen mit dem Motorhome direkt hinter den Dünen. Nachts, wenn der Sturm das Fahrzeug wackeln ließ, habe ich mir vorgestellt, wie eine meiner Figuren das erleben würde: der Himmel voller Sterne, das Rauschen des Atlantiks, die Unsicherheit, ob die Brücke am nächsten Tag wieder geöffnet ist. Und ja – genau das wird ziemlich sicher in meinem aktuellen Projekt landen. Solche Erfahrungen sind Gold wert, weil sie nicht nur die Landschaft, sondern auch Emotionen transportieren. Natürlich kann ich nicht immer jeden Schauplatz persönlich besuchen. Manche Orte existieren schlicht nicht – vor allem, wenn man Fantasy schreibt. Und selbst wenn, wäre es kaum möglich (oder bezahlbar), für jede Szene einmal quer über den Globus zu reisen. Dann heißt es eben: Laptop aufklappen, Bücherstapel durchforsten und hoffen, dass Google Maps irgendwann Gerüche überträgt. „Du schreibst Fantasy, da brauchst du doch keine Recherche.“ Oh doch. Und zwar jede Menge. Fantasy funktioniert nur, wenn sie in sich glaubwürdig bleibt. Jede erfundene Welt braucht Regeln, Kultur, Geschichte – und diese Regeln müssen konsistent sein. Das ist keine reine Erfindung, das ist Handwerk. Wie funktioniert Magie? Welche Tiere gibt es, welche Pflanzen, welche Jahreszeiten? Wie klingt Musik dort? Welche Rituale begleiten Geburt oder Tod? Ich recherchiere politische Systeme, topografische Eigenheiten, Materialkunde – und ja, manchmal sogar Physik. Für mein aktuelles Projekt habe ich mich tagelang mit dem Thema Flugverhalten beschäftigt – von Fledermäusen bis zu allem, was irgendwie flattert oder gleitet. Wie bewegen sich ihre Flügel? Welche Muskeln sind beteiligt? Wie fühlt sich die Membran an, wie viel Kraft braucht es, um abzuheben? Diese Details sieht man vielleicht nur zwischen den Zeilen, aber sie verleihen der Szene Glaubwürdigkeit. Zwischen Schwert und Screenshot – Kampfrecherche ohne blaue Flecken Ein anderes Thema, das mich regelmäßig beschäftigt, ist das Schreiben von Kampfszenen. Leider habe ich selbst keine Schwertkampfausbildung – auch wenn ich immer wieder mit dem Gedanken spiele, einen Kurs zu belegen (vielleicht irgendwann, rein beruflich natürlich …). Bis dahin helfen YouTube, Fachartikel und meine Beobachtungsgabe. Ich schaue Turniermitschnitte, Tutorials, lese über Haltung, Balance, Atemtechnik. Ich stoppe Videos, mache Screenshots, notiere Bewegungsabfolgen – vom Drehmoment bis zur Gewichtsverlagerung. Ein kleiner Vorteil: Meine Tochter hat früher Karate gemacht. Ich erinnere mich an ihre Haltung, die Ruhe, die Präzision – an dieses kurze Innehalten vor der Bewegung. Wenn ich Kampfszenen schreibe, denke ich oft daran. Und natürlich ist es ausgesprochen praktisch, gute Freundinnen zu haben, die mit Pfeil und Bogen umgehen können. Denn egal, ob jemand eine Waffe führt oder nur seine Kraft einsetzt – der Moment davor ist immer derselbe: pure Kontrolle. Zeitreisen im Kopf – wenn Epochen lebendig werden Nicht alle Geschichten spielen in der Gegenwart. Manche führen in vergangene Zeiten, und dann beginnt die vielleicht intensivste Form der Recherche. Ich habe einen Heidenrespekt vor Autor*innen, die historische Romane schreiben – allein schon wegen der Genauigkeit, dem Quellenstudium, der sprachlichen Feinabstimmung. Jede kleine Abweichung kann den Leser aus der Zeit reißen, und genau das erfordert ein Maß an Geduld und Detailtreue, das ich nur bewundern kann. Ganz entziehen kann aber auch ich mich dieser Art Recherche nicht. Für den ersten Teil meiner Silvanubis-Trilogie habe ich monatelang alles über die Nachkriegszeit im Ruhrgebiet gelesen – Bücher, Dokumentationen, Zeitungsarchive. Ich habe mit Zeitzeug*innen gesprochen, ihre Erinnerungen aufgeschrieben und versucht, mir vorzustellen, wie sich der Alltag damals angefühlt hat: der Geruch von Kohle, das Knirschen von Schutt unter Schuhen, der Klang von Stimmen in engen Hinterhöfen. Ja, diese Arbeit war manchmal bedrückend, aber sie war notwendig und sie hat sich tatsächlich angefühlt wie ein kleiner Zeitsprung. Eine Herausforderung, aber eine, die mir am Ende doch ungeheuer viel Spaß gemacht hat. Solche Recherchen schützen letztendlich davor, Klischees zu reproduzieren oder historische Realitäten zu verzerren. Und ganz ehrlich: Sie hat mir das Schreiben erst ermöglicht. Ohne dieses Fundament wäre die Geschichte leer geblieben. Wenn der Magen mitschreibt – kulinarische Recherche Essen ist in meinen Büchern nie nur Nebensache (und auch sonst nicht). Es ist Atmosphäre, Erinnerung, manchmal Trost. Nicht nur für meine Weihnachtsromane probiere ich jedes Rezept selbst aus. Recherche, die man riechen und schmecken kann. Von Zimtsternen bis Pumpkin Pie, von Empanadas bis Brownies: Erst was in meiner Küche geduftet hat, darf ins Buch. Aber auch in historischen Romanen spielt Essen eine Rolle. Für Das Singen des Feuervogels habe ich recherchiert, was Menschen in der Nachkriegszeit kochten, wenn kaum etwas da war. Besonders berührt hat mich der Gegensatz zwischen dem Hunger der Nachkriegsjahre und der üppigen Fülle in der Welt von Silvanubis. Dort gibt es Essen im Überfluss – saftige Früchte, dampfende Brote, aromatische Kräuter. Und genau das hat mich gereizt: diesen Überfluss dem Hunger von damals gegenüberzustellen. Für meine Protagonist*innen bedeutete das mehr als nur Staunen – sie fühlten sich schuldig, weil sie plötzlich so viel hatten, während sie aus einer Welt kamen, in der jedes Stück Brot zählte. Und dann sind da die Fantasywelten – da darf man endlich alles, auch kulinarisch. Ich überlege, welche Früchte dort wachsen könnten, welche Gewürze die Luft erfüllen und was wohl auf den Tisch kommt, wenn gefeiert wird. Am meisten Spaß macht mir, Gerichte zu erfinden, die fast vertraut schmecken – aber eben nur fast. Von Kräutern, Heilpflanzen und anderen grünen Wundern Ein weiteres Thema, das mich seit Silvanubis 1 begleitet, ist die Heilpflanzenrecherche. Ich wollte wissen, welche Pflanzen in welchen Regionen wachsen, wie man sie verwendet und wie sie riechen. Das hat mich von alten Kräuterbüchern bis zu modernen Studien geführt – und schließlich in meinen eigenen Garten. Heute wachsen dort unter anderem Thymian, Salbei, Estragon, Lavendel, Zitronenmelisse – nicht nur, weil sie hübsch aussehen, sondern weil ich sie anfassen, riechen und beschreiben kann. Wenn ich also über eine Figur schreibe, die eine Salbe anrührt, habe ich den Duft von Kräuterdampf sofort wieder in der Nase. Figurenrecherche – vom Namen bis zum Lebenslauf Auch Charaktere wollen recherchiert werden. Bevor ich schreibe, überlege ich: Woher kommt diese Figur? Welche Sprache spricht sie? Was bedeutet ihr Name? Wie sieht ihr Alltag aus? Ich lese Interviews, schaue Dokus, spreche mit Menschen, die ähnliche Berufe haben. Ich möchte wissen, wie eine Hackerin denkt, wie eine Polizistin redet, wie ein Barista in Detroit den Tag beginnt. Selbst wenn am Ende nur ein Nebensatz übrig bleibt – die Recherche sorgt dafür, dass Figuren Ecken, Kanten und Glaubwürdigkeit bekommen. Schreiben heißt fragen – und nochmal nachfragen Bei mir beginnt Recherche oft lange, bevor das eigentliche Schreiben anfängt. Manchmal sammle ich schon Material, während ich ein anderes Projekt beende – Zeitungsartikel, Karten, Fotos, Gesprächsfetzen. Mindestens vier bis sechs Wochen investiere ich in die intensive Vorbereitung, oft mehr. Und selbst mitten im Manuskript tauchen neue Fragen auf: Wie riecht Ozon nach einem Gewitter wirklich? Wie lange fliegt man mit 100 km/h von Detroit nach Copper Harbor? Welche Farbe hat der Himmel kurz vor einem Sturm? Recherche endet nie. Sie ist der unsichtbare Atem hinter jeder Szene. Und dann ist da noch der Blick von außen Ich schreibe meine Bücher auf Deutsch – aber fast alle spielen in den USA. Das liegt nicht daran, dass ich amerikanische Schauplätze „trendiger“ finde, sondern schlicht daran, dass ich hier lebe. Seit vielen Jahren ist Michigan mein Zuhause. Ich kenne die Seen, das Licht, die Stille im Wald, das Sirren der Zikaden im Sommer, den Geruch nach Schnee im Januar. Ich schreibe gern über Orte, die ich kenne, weil ich ihre Atmosphäre fühlen kann. Ob es eine verlassene Straße in Detroit ist, eine Küstenstadt in North Carolina oder ein Diner irgendwo zwischen beidem – ich mag es, wenn die Kulisse mehr ist als nur Dekoration. Nur eine Ausnahme gibt es: die Silvanubis-Trilogie. Sie beginnt im Ruhrgebiet – meiner alten Heimat – und führt später in eine fantastische Parallelwelt. Zufall? Eher nicht. Das Ruhrgebiet ist schließlich der Ort, an dem ich gelernt habe, hinter grauen Fassaden Geschichten zu entdecken. Dieser Spagat – deutschsprachige Autorin im Ausland zu sein – prägt meine Arbeit sehr. Ich denke auf Deutsch, träume manchmal auf Englisch – und irgendwo dazwischen entstehen meine Geschichten. Fazit: Recherche ist kein Umweg – sie ist der Weg Ob in den Dünen von North Carolina, in den Straßen von Detroits Corktown, in einer kleinen Stadt am Rande des Ruhrgebiets oder zwischen Thymian und Lavendel im eigenen Garten: Recherche bedeutet, die Welt zu verstehen, bevor man sie neu erschafft. Sie ist das unsichtbare Fundament unter jeder Geschichte. Ohne sie wären meine Welten blass, meine Figuren leer, meine Dialoge hohl. Und das Schönste daran: Jede Recherche öffnet Türen – zu Orten, Menschen, Zeiten und neuen Ideen. Am Ende ist sie vielleicht genau das: der Moment, in dem Wirklichkeit zu Geschichte wird.
Zwischen Deadlines, Plotlöchern, Marketingplänen, Familienmanagement, dem stinknormalen Alltag, Vereinsarbeit und dieser einen nagenden Frage, ob ich TikTok wirklich weitermachen soll, gerät manchmal das Wichtigste aus dem Blick: Warum ich eigentlich schreibe. Wenn der Kopf voll ist mit To-do-Listen, Excel-Tabellen und Social-Media-Strategien, kann es passieren, dass das eigentliche Herzstück meines Autorinnenlebens leise in die zweite Reihe rutscht – das Erzählen selbst. Und genau deshalb nehme ich mir hin und wieder ganz bewusst ein paar Minuten, um mir selbst auf die Schulter zu tippen und zu fragen: Warum mache ich das hier eigentlich alles? Also: Vorhang auf für meinen kleinen monatlichen Erinnerungsmoment, den ich heute hier mit euch teilen möchte. Weil Geschichten mein Zuhause sind Schon als Kind habe ich Bücher verschlungen – und ja, ich war die mit der Taschenlampe unter der Bettdecke. Während sich andere um Mitternacht vor Monstern fürchteten, war ich längst auf Drachenjagd oder im verbotenen Schlossflügel unterwegs. Geschichten waren schon immer Rückzugsort, Abenteuerspielplatz, Trostspender und Türöffner zu Welten, die größer waren als mein eigenes Zimmer. Irgendwann kam der Punkt, an dem Lesen allein nicht mehr gereicht hat. Die Figuren in meinem Kopf wurden lauter, wollten ihre eigenen Geschichten erzählen. Und ich? Ich wurde zu ihrer Übersetzerin. Weil Figuren zu Freunden werdenManchmal habe ich das Gefühl, ich verbringe mehr Zeit mit meinen Protagonist*innen als mit echten Menschen. (Meine Familie kann davon ein Lied singen, glaubt mir …) Diese Figuren schleichen sich aber auch jedes Mal einfach so in mein Herz. Ich weine mit ihnen, lache über sie, fluche wegen ihnen – und beim Schreiben entstehen plötzlich echte Beziehungen: zu Anna und Alex, zu Aaron, Laura, Cat und Sam. Zu Lilly und Jonah. Aber auch zu all den stilleren, noch nicht ganz fertigen Figuren, die irgendwo in meinem Notizbuch darauf warten, dass ich endlich Zeit für sie habe. Und wenn eine Geschichte endet, ist das oft wie ein kleiner Abschied. Oder ein großer. Je nachdem, wie sehr sie sich vorher in mein Leben gedrängelt haben. Weil Geschichten Brücken bauen Ich lebe seit vielen Jahren in den USA, schreibe aber auf Deutsch für den deutschen Buchmarkt. Das allein ist schon ein Abenteuer. Aber genau darin liegt auch eine meiner größten Motivationen: Geschichten kennen keine Grenzen. Keine Zeitzonen. Keine Barrieren. Sie überbrücken Entfernungen, Sprachen und kulturelle Eigenheiten. Wenn eine Leserin mir schreibt, dass sie sich in einer Figur wiedergefunden hat, obwohl unsere Leben völlig unterschiedlich sind – dann weiß ich, dafür mache ich das. Worte können Verbindungen schaffen, wo im echten Leben manchmal ganze Ozeane dazwischenliegen. Geschichten sind Brücken. Und mal ehrlich: Davon können wir gerade heute ein paar mehr brauchen. Weil Schreiben mich verändert Jede Geschichte, die ich schreibe, verändert auch mich. Sie zwingt mich, mich mit Themen auseinanderzusetzen, die ich vielleicht sonst vermieden hätte. Sie bringt mich an meine Grenzen, lässt mich mutiger werden, verletzlicher, ehrlicher. Und manchmal schenkt sie mir Antworten auf Fragen, die ich mir noch gar nicht bewusst gestellt hatte. Schreiben ist für mich kein Monolog. Es ist ein lebendiges Gespräch – zwischen mir und der Geschichte, zwischen mir und meinen Figuren, zwischen mir und den Menschen, die diese Geschichten irgendwann lesen werden. Wenn Schreiben zur Magie wird Es gibt diese magischen Momente, in denen plötzlich alles klickt. Die Finger fliegen über die Tastatur, die Szene läuft wie ein Film vor meinem inneren Auge, und ich bin mittendrin. Kein Scrollen, kein Grübeln, kein Zweifeln – nur Worte, die fließen. (Okay, außer das Telefon klingelt. Oder Sunny beschließt, dass jetzt der perfekte Moment für einen Spaziergang ist.) Dieser Flow ist für mich wie eine Mischung aus Magie und Meditation. Und auch wenn er nicht jeden Tag da ist (manchmal kommt er erst nach drei Tassen Kaffee und fünf Stunden Plotbastelei), ist es genau dieses Gefühl, das mich immer wieder zurück an den Schreibtisch holt. Weil ich gar nicht anders kann Vielleicht ist das die ehrlichste Antwort auf die Frage „Warum ich schreibe“: Weil ich es nicht lassen kann. Selbst in Phasen, in denen alles schwerfällt, in denen ich mit mir und meinen Geschichten ringe – das Bedürfnis, zu erzählen, bleibt. Es ist wie ein innerer Kompass, der immer wieder Richtung Tastatur zeigt. Schreiben ist nicht einfach ein Job. Es ist ein Teil meines Lebensrhythmus. Und wenn ich mal ein paar Wochen (oder Tage!) nicht schreibe, wird es unruhig in mir. Sehr. Warum ich das alles aufschreibe Weil ich glaube, dass wir als Autor*innen manchmal so sehr im Hamsterrad des Alltags stecken, dass wir vergessen, warum wir angefangen haben. Und weil es unglaublich gut tut, sich selbst daran zu erinnern. Also hier ist meine Erinnerung – an mich, an dich, an uns: Wir schreiben, weil Geschichten wichtig sind. Weil sie Brücken bauen. Weil sie uns verändern. Weil sie uns verbinden. Weil sie uns lebendig fühlen lassen. Und meistens einfach, weil wir gar nicht anders können. Manchmal frage ich mich, wie viel Frust, Selbstzweifel und Nerven ich mir hätte sparen können, wenn mir jemand rechtzeitig ein paar Dinge übers Schreiben gesagt hätte. Nicht nur übers Schreiben selbst, sondern über das Ganze drumherum: Verlagswelt, Selfpublishing, Social Media, kreative Routinen – und wie sich das alles anfühlt, wenn man 7.000 Kilometer vom eigentlichen Buchmarkt entfernt lebt. Hier sind 10 Dinge, die ich heute weiß – und die meinem früheren Ich einiges an Kopfzerbrechen, Grübeln und Koffein erspart hätten. 1. Schreiben ist kein einsamer Job – es sei denn, du machst ihn dazu In meinem Kopf war Schreiben immer ein Soloakt – du, die Tastatur und sonst nichts. Heute weiß ich: Der Austausch mit anderen Schreibenden ist nicht Luxus, sondern Überlebensstrategie – besonders, wenn man wie ich in Michigan sitzt, während die eigentliche Buchwelt in Leipzig, Hamburg oder München tobt. Ich bin inzwischen Mitglied bei zwei wunderbaren Autor*innenvereinigungen – DELIA (Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautorinnen und -autoren) und dem Selfpublisher Verband – und möchte beides nicht mehr missen. Dazu kommen einige wenige enge Kontakte zu befreundeten Autor*innen, mit denen ich brainstorme, jammere, jubiliere und ganz nebenbei den schönsten Beruf der Welt ein bisschen weniger frustrierend mache. Natürlich begegnet man unterwegs auch Neid, Missgunst oder Ellenbogenmentalität – das bleibt leider nicht aus. Aber das Schöne ist: Man kann sich aussuchen, mit wem man sich umgibt. Und wenn man die richtigen Menschen gefunden hat, fühlt sich Schreiben plötzlich gar nicht mehr so einsam an – sondern wie Teil einer ziemlich schrägen Schreibfamilie. 2. Ohne Social Media geht gar nichts – vor allem nicht für den deutschen Markt Ich geb’s zu: Ich habe Social Media lange als lästige Pflicht betrachtet. Muss ich wirklich ein Reel drehen, wenn ich doch eigentlich nur ein Buch schreiben will? Die Antwort ist: Jein. Schreiben und Marketing sind zwei Paar Schuhe – aber wenn du willst, dass dein Buch Leser*innen erreicht, musst du beide anziehen. Gerade auf dem deutschsprachigen Markt läuft viel über sichtbare Präsenz, persönliche Nähe und Community. Instagram ist oft dein Schaufenster, dein Messestand und dein Wohnzimmer in einem. Für jemanden wie mich, die 7.000 Kilometer entfernt lebt, ist Social Media deshalb mehr als Marketing – es ist meine Verbindung zur Buchwelt, meine Bühne und mein Kaffeetisch mit Leser*innen zugleich. Und wisst ihr was? Inzwischen macht es mir sogar Spaß. Echt jetzt. (Also meistens. Also… sagen wir, oft genug, um es überzeugend zu behaupten. Fake it till you make it, oder?) Tipp am Rande: Such dir ein kleines, feines Team aus Buchblogger*innen, bei denen die Chemie stimmt – Menschen, die zu dir und deinen Geschichten passen. Gemeinsam wird die Reise nicht nur leichter, sondern auch schöner. Denn was gibt es Besseres, als die Buchwelt nicht allein zu erkunden, sondern mit Menschen, die deine Worte lieben? Und wer weiß – vielleicht entsteht daraus mehr als nur Reichweite. Vielleicht sogar echte Freundschaft. 3. Lektorate tun weh – und genau deshalb sind sie Gold wertIch erinnere mich noch an mein erstes professionelles Lektorat. Es fühlte sich an wie ein Seelenstriptease mit Rotstift. Heute weiß ich: Eine gute Lektorin sieht nicht nur, was du schreibst, sondern was du eigentlich sagen willst – und hilft dir dabei, genau dorthin zu kommen. Manchmal tut es weh, aber in 99 % der Fälle wird das Manuskript danach so viel besser, dass man sich fragt, warum man überhaupt an der Rohfassung hing. 4. Deine Schreibstimme entwickelt sich. Und das ist kein Makel, sondern MagieMein erstes Buch klingt anders als mein drittes. Und das wiederum anders als mein jetziges. Ich dachte lange, ich müsse „meine Stimme“ finden und dann auf ewig beibehalten. Heute weiß ich: Stimme ist ein lebendiger Prozess. Sie wächst mit jedem Text, mit jeder Lebensphase, mit jeder Erfahrung. Wenn sich mein Stil verändert, dann, weil ich wachse – nicht weil ich mich verliere. 5. „Nur was sich verkauft, wird verlegt“ – klingt hart, stimmt aber oft Ich hätte gerne früher gewusst, wie viel Marktorientierung auch in kreativen Entscheidungen steckt. Gerade im klassischen Verlagswesen. Wenn dein Buch nicht ins Programm passt – sei es wegen Thema, Genre oder Timing – (oder du nicht zum Genre ... ja, gibt's leider auch) dann wird es trotz toller Idee vielleicht abgelehnt. Nicht, weil es schlecht ist. Sondern weil es sich (vermutlich) nicht verkauft. Das gilt besonders für Verlagsautor*innen, wo Verkaufszahlen, Zielgruppenlogik und Genregrenzen eine große Rolle spielen. Als Selfpublisher*in hast du da deutlich mehr Freiheiten – niemand redet dir rein, niemand zwingt dich in ein Coverkonzept oder einen Trend. Aber: Wenn du auch nur ein bisschen Geld damit verdienen willst (und nicht nur für die eigene Schublade schreibst), hilft es trotzdem, den Markt zu kennen. Zu wissen, was Leser*innen gerade anspricht. Und dann zu entscheiden, was davon zu dir passt – und was nicht. 6. Nicht jedes Buch wird ein Bestseller – und das ist völlig okay Eines der Dinge, die ich wirklich gerne früher gewusst hätte: Erwarte nicht zu viel auf einmal. Nicht jeder Roman zündet sofort. Nicht jede Veröffentlichung bringt den großen Durchbruch. Und das bedeutet nicht, dass du gescheitert bist. Im Gegenteil – je realistischer die Erwartungen, desto leichter kannst du kleine Erfolge überhaupt als solche wahrnehmen. Ein gutes erstes Feedback. Ein Leser, der sich meldet. Ein Verkaufsrang, der sich kurz hebt. All das ist mehr wert, wenn du es nicht permanent mit einer idealisierten Erfolgsversion vergleichst. Und wenn etwas wirklich nicht funktioniert? Dann ist ein radikaler Neuanfang kein Makel, sondern eine bewusste Entscheidung. Ob du ein Buch überarbeitest, ein neues Pseudonym wählst oder dich mit einem kompletten Rebranding neu erfindest – es ist kein Rückschritt, sondern ein neuer Schritt nach vorn.Erfolg ist nicht linear – und schon gar nicht endgültig. Du darfst loslassen. Und nochmal anfangen. So oft wie nötig. 7. Nicht alles, was du schreibst, muss veröffentlicht werdenManche Texte sind einfach für dich. Für deine Entwicklung, deine Verarbeitung, deine Neugier. Ich habe halbe Romane in der Schublade, die nie jemand lesen wird – und das ist gut so. Sie haben mich dahin gebracht, wo ich heute bin. Nicht jedes Projekt muss „raus“. Manche sind einfach Übung. Und genau das macht sie wertvoll. 8. Selfpublishing ist kein Plan B – sondern eine bewusste EntscheidungFrüher klang Selfpublishing für mich nach „nicht gut genug für einen Verlag“. Heute weiß ich: Es ist unternehmerisch, kreativ frei und verdammt viel Arbeit – aber auch eine der besten Entscheidungen, die ich treffen konnte. Vor allem, wenn man auf zwei Kontinenten lebt. Du entscheidest über Cover, Marketing, Veröffentlichungstermin – und ja, auch über die Verantwortung, dass alles wirklich gut ist. Das ist herausfordernd, aber auch unglaublich befriedigend. 9. Es wird nie „fertig“ seinMan lernt nie aus. Jeder Roman, jedes Projekt bringt neue Herausforderungen - aber je drahtseiliger deine Nerven werden, desto gelassener nimmst du all das hin. Denn Schreiben ist kein Ziel. Schreiben ist eine Beziehung – und wie jede gute Beziehung darf sie sich verändern, wachsen, manchmal auch nerven. Aber genau das macht sie lebendig 10. Du darfst dabei du selbst seinOb du im Pyjama schreibst oder in der Sonne auf der Terrasse, ob du deutsch träumst oder auf Englisch fluchst, ob du Fantasy, Romcom oder Gedichte liebst – du darfst deinen eigenen Weg gehen. Es gibt kein „richtig“ oder "falsch", nur das, was sich für dich echt anfühlt.Und je authentischer du bist, desto mehr wird das auch in deinen Texten spürbar. Fazit: Wenn ich meinem früheren Ich heute etwas mitgeben könnte, dann vielleicht das: Erwarte weniger – und bleib trotzdem mutig. Schraub die Erwartungen nicht zu hoch. Nicht an dich, nicht an dein erstes Buch, nicht an die Reaktionen da draußen. Denn je höher die Latte liegt, desto leichter fühlt sich ein Erfolg wie ein Misserfolg an – selbst wenn er das gar nicht ist. Schreiben ist keine Gerade, sondern ein Weg mit Kurven, Abzweigungen, Haltestellen – und manchmal auch mit Schleifen zurück. Und das ist völlig okay. Du darfst wachsen. Du darfst scheitern. Du darfst wieder anfangen. Was zählt, ist nicht, wie viele Bücher du verkauft hast oder wie oft dein Post geliked wurde. Sondern dass du dranbleibst. Dass du erzählst. Dass du dich selbst immer wieder daran erinnerst, warum du das hier tust: Weil du Geschichten liebst. Und weil du etwas zu sagen hast. Ich bin Morgenmensch. Richtig hardcore. Noch bevor Carlos Wecker um 5:30 Uhr losgeht, bin ich meistens schon wach – geweckt von einer Vogelversammlung direkt vorm Fenster. Und das liegt nicht nur am Gezwitscher, sondern auch daran, dass wir beim Schlafen ziemlich deutsch geblieben sind: Fenster offen, immer. Auch im Hochsommer. Während drumherum die ganze Nachbarschaft die Klimaanlage durchrattern lässt, lassen wir frische Luft und Grillenzirpen rein. Funktioniert überraschend gut. Meistens. Doch bevor ich überhaupt aus dem Bett klettere, greife ich zum Handy. Nicht, um zu scrollen – sondern um zu prüfen, ob mein Nacht-Ich mir eine SMS geschrieben hat. Kommt öfter vor, als mir lieb ist: Irgendetwas reißt mich aus dem Schlaf, ich tippe halb wach drauflos – und hoffe am nächsten Morgen auf die Eingebung. Manchmal ist es tatsächlich brauchbar und manchmal steht da nur so etwas wie: „?? Schlüssel Licht Flügel??“. Aber hey – lieber kryptisch notiert als genial vergessen. Latte, Laune, Lebensstil Als erstes … Kaffee! Kein To-go, kein Drip-Brew – sondern Latte aus dem Espressokocher, ganz klassisch. Ohne den läuft hier nämlich nichts – weder die Laune noch der Laptop. Dazu? Ganz sicher kein PB&J Sandwich – das steht für Peanut Butter & Jelly, also Erdnussbutter mit Marmelade, ein echter Klassiker des amerikanischen Lebensstils – den ich konsequent ignoriere. Ich mag Peanut Butter wirklich gern. Nur nicht kurz nach dem Aufstehen. Bei uns gibt’s stattdessen selbst gebackenes Sauerteigbrot, Käse, Ei, frische Tomaten (im Sommer direkt aus dem Garten) – oder Bircher Müsli. Definitiv nicht das, was man hier „breakfast“ nennt – aber deutlich näher an meinem Geschmack. Erst mal Haushalt und Hund statt Heldenreise Dann ist Sunny dran – unser Goldendoodle, Sockenliebhaber, Epilepsie-Patient und treuester Schatten. Er bekommt seine Medikamente, Frühstück und eine kleine Extraportion Streicheleinheiten. Und nachdem Carlo sich ins Büro verabschiedet hat, beginnt für mich der erste echte Tagesabschnitt: Küche, Wäsche, aufräumen, all das. Währenddessen: Manuskriptgedanken. Immer. Die schleichen sich zuverlässig zwischen Waschmaschine und Geschirrspüler rein. Hörbuch im Ohr, Hund an der Leine Als Nächstes geht’s nach draußen – Hunderunde. Einmal tief durchatmen, Kopf freipusten und schauen, ob Sunny heute eher auf Abenteuer oder Abkürzung steht. Meistens hab ich dabei ein Hörbuch im Ohr – aktuell „Tale of the Heart Queen“, Band vier der „Artefakte von Ouranos“ von Nisha J. Tuli. Ich liebe diese Reihe – episch, düster, ein bisschen romantisch und perfekt für Tage, an denen mein Kopf eh schon halb in anderen Welten wohnt. Und wenn ich mal nicht in Fantasyreiche abtauche, telefoniere ich mit Deutschland: Familie, Freundinnen, Schreibmenschen. Dank Zeitverschiebung klappt das vormittags ziemlich gut. Und irgendwo zwischen schnüffelndem Hund, raschelndem Laub und ein paar sehr motivierten Eichhörnchen stolpern mir dann oft die besten Szenen vor die Füße. Manuskriptmodus: an Wieder zu Hause starte ich in die erste Schreibrunde. Zwei Mal die Woche nicht allein, sondern per Facetime mit einer amerikanischen Freundin, die ich schon seit meinen ersten Tagen in Michigan kenne. Wir hatten uns eine Weile aus den Augen verloren – wie das manchmal so läuft, wenn das Leben dazwischenkommt. Aber übers Schreiben haben wir uns wiedergefunden und heute sind unsere Schreibdates fester Bestandteil der Woche: 90 Minuten konzentriertes Tippen, jede für sich – und trotzdem irgendwie zusammen. Keine Ablenkung, keine Ausreden. Und auch wenn uns inzwischen ein paar Staaten trennen: Dieses Accountability-Ding funktioniert. Weil da jemand ist, der weiß, wie es sich anfühlt, wenn man an einer Szene hängt – und sich heimlich lieber dem Kühlschrank zuwenden würde. Feinschliff mit kritischer BegleitungUnd ja – ich arbeite gerade an einer neuen Urban Fantasy Trilogie und bin inzwischen bei dem Teil angekommen, der gleichzeitig befriedigend und gnadenlos sein kann: die vorletzte Phase der Überarbeitung! Die Geschichte steht, der Bogen ist gespannt – jetzt wird gestrichen, verdichtet, geschliffen, korrigiert und alles, was nicht mehr trägt, fliegt raus. Und dabei verlasse ich mich nicht nur auf mein Gefühl, sondern auch auf mein großartiges Testleserinnen-Team. Denn irgendwann wird man betriebsblind. Man liest, was man glaubt, geschrieben zu haben. Man füllt Lücken mit Vorwissen, merkt nicht mehr, wenn ein Satz im Kopf klar, aber auf dem Papier wirr ist. Deshalb ist dieses Team so wichtig – und ich bin wahnsinnig dankbar für jede einzelne Rückmeldung. Weil sie ehrlich sind. Weil sie auch sagen, wenn etwas nicht funktioniert.Und weil sie genau das tun, was ein gutes Team tun sollte: mitdenken, mitfühlen, mittragen – aber nicht alles abnicken. Ohne sie wäre das Buch nicht dasselbe. Ob dieses Projekt wieder ins Selfpublishing geht oder ob ich den Weg über eine Agentur versuche, steht noch nicht fest. Das wird sich in den nächsten Wochen entscheiden. Aber eins steht fest: Es wird anders. Und ich freu mich darauf, euch bald mehr zu erzählen. Zwischen Social Media und Gemüsebeet Nach der ersten Runde ist erstmal Pause – zumindest theoretisch. Manchmal lande ich im Garten, manchmal beim Austausch mit Kolleginnen, manchmal beim Pflegen des DELIA-Instagramkontos, das ich mitbetreue. Oft sitze ich aber auch einfach am Küchentisch und überarbeite Blogtexte, plane Social Media Beiträge oder streiche mit einem sehr entschlossenen Blick Dinge von meiner To-do-Liste. Und dann, irgendwann, ruft die zweite Runde – ohne festen Startpunkt, aber mit klarer Mission: Zurück ins Manuskript. Zurück in die Geschichte. Sternenhimmel, Stille, Schluss für heute Abends ist Schluss mit Manuskript. Spätestens um 18 Uhr klappe ich den Laptop zu – manchmal auch mit sanfter Gewalt. Carlo kocht (was für uns alle besser ist), und danach ist Feierabend. Ein Bier auf der Terrasse – nicht immer deutsch, aber immer verdient – und ein bisschen Zeit nur für uns und ich gebe mein Bestes, den Plot für ein paar Stunden auszublenden. Spoiler: gelingt nicht immer. Wochenende: einkaufen, durchatmen, leben Und am Wochenende? Schreibfrei. Meistens. Dann stehen die Dinge auf dem Plan, die unter der Woche gern durchrutschen: Der große Wocheneinkauf zum Beispiel – und hier in Michigan ist das ein echter Luxus, denn ich kann zu jeder Tages- und Nachtzeit einkaufen gehen, auch am Wochenende. Oft schaue ich auch beim Farmers Market um die Ecke vorbei wo ich nicht selten mehr frisches Gemüse kaufe, als mein Kühlschrank bewältigen kann. Aber Wochenende heißt vor allem: Carlo-Zeit. Ohne WLAN, aber mit dem, der bleibt, wenn der Bildschirm längst dunkel ist. Denn die schönsten Kapitel schreibt immer noch das Leben – ganz ohne Abgabetermin.
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Kirsten GrecoFantasyautorin aus Michigan. Schreibt Magie, trinkt Kaffee, löscht Plotbrände. Archive
Februar 2026
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