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Bevor wir ins neue Jahr wechseln, möchte ich diesen Moment für einen persönlichen Rückblick nutzen. Einen Rückblick aus der Perspektive der Autorin, die ich bin - und in diesem Jahr geworden bin. Mit allem, was dazugehört: Freude, Frust, Stolz, Zweifel. Und natürlich Geschichten. Ein geheimes Projekt und neue Wege 2025 stand ganz klar im Zeichen eines Projekts, über das ich bisher nur sehr wenig gesagt habe. Seit Monaten arbeite ich an einer ganz besonderen Trilogie gearbeitet. Teil 1 ist fertig, Teil 2 … läuft. Dieses Projekt ist anders als alles, was ich zuvor gemacht habe. Die Geschichte ist nämlich nicht allein auf meinem Mist gewachsen, sondern entsteht gemeinsam mit einem Co-Autor ( ja, tatsächlich ein Er ) und genau deshalb wird sie auch unter einem offenen Pseudonym erscheinen. Heute nur so viel: Ich bleibe dem Fantasy-Genre natürlich treu, dieses Mal endlich wieder echte Urban Fantasy. Ein Setting, das ich nicht nur recherchiert habe, sondern lebe. Orte, Atmosphären, Alltagsdetails – all das fließt direkt in die Geschichte ein. Und ja, es ist gut möglich, dass auch die Outer Banks ihren Weg in dieses Projekt gefunden haben. Diese Reise war eines der stillen Highlights des Jahres. Wind, Weite, das Meer im Kopf – und ganz viel Raum für neue Ideen. Willow und der Mut zur zweiten Version Ein weiterer großer Meilenstein: Willow. Ein Buch, das früher ein Verlagsbuch war und dessen Geschichte ein ziemlich radikales Makeover bekommen hat. Das war keine kleine Überarbeitung, sondern fast eine ganz neue Version. Rückblickend war diese Überarbeitung mehr als Arbeit am Text. Sie war Arbeit an meiner Haltung als Autorin: genauer hinschauen, mutiger streichen, Entscheidungen treffen. Mit Willow bin ich außerdem im Self Publishing einen Schritt weitergegangen – dieses Mal nicht nur inhaltlich, sondern auch im Vertrieb: Willow ist mein erstes SP-Buch, das ganz regulär im stationären Buchhandel erhältlich ist. Nach und nach werden alle weiteren Bücher folgen. Ein Weg, der sich sehr richtig anfühlt. Funfact zum Schluss: Den Buchsatz habe ich zum ersten Mal mit Vellum gemacht – und was soll ich sagen: Ich liebe es. Inzwischen habe ich sogar den Satz für eine befreundete Autorin übernommen. Falls ihr euch dafür interessiert, meldet euch gern. Ein weiterer Ort für meine Worte Ein persönliches Highlight dieses Jahres war das hier: mein Blog. Seit Mai gibt es „Plot Twists & Peanut Butter“ – einen Ort für alles, was zwischen Schreiben, Lesen, Leben in Michigan und dem Blick über den Atlantik passiert. Der Blog ist mein Raum für Gedanken, die nicht in ein Buchkapitel passen. Für Einblicke hinter die Kulissen. Für Recherche, Alltag, Frust, Freude und genau die kleinen Umwege, aus denen am Ende meist die besten Ideen entstehen. Gleichzeitig war das Bloggen für mich ein überraschend schöner Ausgleich zum Romanschreiben: Andere Texte, anderer Rhythmus, null Plotdruck und genau deshalb richtig viel Spaß. Und ja: Ich sehe euch lesen, klicken, kommentieren. Danke! Zwischen Hallen, Gesprächen und Geschichten Im März durfte ich außerdem meine allererste Messe in Deutschland erleben – und dann gleich die Leipziger Buchmesse. Es war ein einziges Wirbelwind-Wochenende voller Begegnungen, Gespräche, Inspiration – und sooo vieler Menschen! Ich habe es geliebt, mich mit anderen Autor*innen, Leser*innen, Bloggenden und wundervollen Hörbuchsprecher*innen auszutauschen. Ich habe gelacht, gestaunt, gequatscht – und ganz nebenbei auch gelernt, wie anstrengend so ein Messe-Marathon sein kann. Und, puh, war das voll. Trotzdem - genau diese geballte Energie, diese Begeisterung für Geschichten, Worte und Bücher war etwas ganz Besonderes. Leipzig hat Eindruck hinterlassen – im besten Sinne. Ausgerechnet Sci-Fi - mein Lesejahr
Buchmarkt, Frust & klare Entscheidungen 2025 brachte einiges an Buchmarktfrust mit sich. Und ich war ganz offensichtlich nicht die Einzige, die das so empfunden hat. Amazon hat es tatsächlich geschafft, die Veröffentlichung von Willow so richtig zu torpedieren. Rezensionen werden bis heute einfach nicht freigeschaltet, Kommunikation und Prozesse bleiben frustrierend intransparent. Deshalb habe ich eine klare Entscheidung getroffen: Sobald die Kindle-Unlimited-Fristen meiner Bücher ausgelaufen sind, werden meine E-Books nicht mehr exklusiv bei Amazon erscheinen. Ich werde sie nach und nach auch auf anderen Plattformen anbieten. Weniger Abhängigkeit, mehr Kontrolle. Überhaupt scheint der Druck auf Autor*innen generell enorm gewachsen zu sein. Algorithmen, Trends, Sichtbarkeit … das alles strengt an. Sehr. Besonders bedenklich finde ich auch die Entwicklung im deutschen Buchmarkt: Farbschnitt-Zwang (für Selfpublisherinnen kaum zu stemmen), der ständige Ruf nach Extras und Buchboxen. In den USA nimmt das längst nicht diese Dimensionen an. Bücher dürfen hier immer noch oft einfach Bücher sein. Meine Geschichten, mein Weg 2025 war auch das Jahr, in dem ich eine Entscheidung getroffen habe, die sich lange angebahnt hatte: Ich werde meine Geschichten nicht mehr über Verlage platzieren. Ich möchte selbst bestimmen, wann ich schreibe, woran ich arbeite und in welchem Tempo Geschichten entstehen dürfen. Das geheime Projekt hatte ich noch Agenturen und Verlagen gezeigt. Es gab positives Feedback, echtes Interesse, angeforderte Manuskripte. Und trotzdem blieb am Ende nichts, das sich richtig angefühlt hätte. Deshalb werde ich meinen Weg ab jetzt konsequent im Self Publishing weitergehen. Ehrlich gesagt weiß ich inzwischen genau, was mir wichtig ist – und was nicht. Ich weiß, dass diese Geschichte trägt. Und ich weiß, dass sie ihre Leser*innen finden wird. Dafür brauche ich weder perfekt getaktete Programme noch fremde Erwartungshaltungen – sondern Vertrauen in meinen eigenen Weg. Was bleibt Michigan macht zum Jahresende, was es am besten kann: Winter. Mehr Schnee, mehr Kälte, mehr Dauer, als ich es aus Deutschland kenne. Im Dezember hat all das noch etwas Magisches – diese frische, helle Stille, die sich über alles legt. Aber spätestens im Februar wird das Weiß zu viel, zu dicht, zu endlos. Trotzdem gehe ich jeden Tag raus. Mit Sunny. Egal, wie tief der Schnee liegt oder wie sehr der Wind beißt. Er braucht seine Runde – und ich brauche sie auch. Ein bisschen Normalität, klare Luft und ein Kopf, der danach wieder sortierter ist. Und als wäre das nicht schon genug Wintergefühl, werde ich dieses Jahr zum ersten Mal seit über 25 Jahren wieder Weihnachten in Deutschland feiern. Es fühlt sich an wie ein Kreis, der sich schließt - wohl wissend, dass ich mich danach auch wieder auf mein Zuhause hier in Michigan freue. Was bleibt, ist der Austausch. Mit anderen Autor*innen, Leser*innen, Bloggenden – all den Menschen, die Bücher genauso lieben wie ich. Und besonders der tägliche Austausch mit einer Autorin (nein, nicht meine Co-Autorin) gehört inzwischen einfach dazu. Privat war dieses Jahr turbulent, vieles davon gehört nicht hierher, aber es war da. Und vielleicht ist genau deshalb so spürbar, wie viel diese kleinen Verbindungen bedeuten. Was bleibt, sind die Menschen, die Worte – und die Wege, auf denen beides zusammenfindet. Bonus: ein erster Blick ins geheime ProjektWeil Plot Twists & Peanut Butter ohne Überraschung nur halb so schön ist, gibt es zum Abschluss einen kleinen Bonus: den Anfang des ersten Kapitels meines geheimen Projekts. Nicht den Prolog – der würde zu viel verraten. Nur ein kleiner Einblick, ich weiß, aber genau richtig für das Ende dieses Rückblicks. „Sehe ich aus, als würde ich Witze machen?“ Mehr verrate ich heute nicht. Der Rest bleibt noch ein bisschen länger Geheimprojekt und wächst hinter den Kulissen weiter. Und jetzt ... Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch in ein entspanntes 2026. Genießt die ruhigen Tage, so gut es eben geht. Vielleicht mit einem guten Buch, vielleicht mit etwas Abstand vom Bildschirm. Wir lesen uns. Auf Instagram, auf Facebook, auf WhatsApp, oder hier im Blog.
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Wo Kreativität unter Erwartungen leidet – und warum wir alle ein Stück Verantwortung tragen11/17/2025 Auf Instagram ist das Thema Burnout im Buchmarkt gerade überall und inzwischen habe ich fast das Gefühl, dass sich ein Trend daraus entwickelt hat. Ein Trend, dem viele folgen, oft mit sehr persönlichen Posts, die teilweise berühren, teilweise aber auch ein wenig wie „Vielleicht sollte ich jetzt auch etwas dazu sagen…“ wirken könnten. Das meine ich nicht wertend. Jede Erfahrung ist echt, jede Erschöpfung verdient Raum. Und trotzdem frage ich mich manchmal, ob wir gerade über das Richtige sprechen – oder ob wir uns ein wenig in der Dynamik verlieren. Ob wir Hinweise auf ein wichtiges Thema sehen, oder ob wir anfangen, ein wichtiges Thema algorithmustauglich zu verpacken. Es gibt einige Facetten an diesem Thema, die in der aktuellen Instagram-Welle ein wenig untergehen. Und genau diese möchte ich hier aufgreifen. Autor*in sein – zwischen Freiheit und Druck Ich liebe das Schreiben. Ich kann nicht ohne. Für mich ist es kein Hobby und auch kein Lifestyle – es ist mein Beruf, meine Art zu denken, zu leben, zu atmen. Und gleichzeitig weiß ich, dass dieser Beruf Freiheiten bietet, von denen viele Menschen nur träumen. Während andere tagtäglich vielleicht Jobs machen, die sie auslaugen, die sie aber für ihren Lebensunterhalt brauchen, darf ich kreativ arbeiten. Ich bestimme meine Zeit, meine Themen, meine Art zu erzählen. Das ist ein Privileg – und es bleibt eines, selbst wenn der Druck wächst. Das bedeutet nicht, dass Burnout weniger real wäre. Es bedeutet nur, dass wir den Druck in Relation setzen dürfen. Und sollten. Wenn der Markt schneller rennt, als wir laufen können Ja: Die Erwartung, ständig präsent zu sein, ist enorm. Social Media funktioniert nicht mit Pausen, sondern mit Dauerfeuer. Reels, Lives, Updates, Preorder-Links, “Hast du schon die Cover-Reveal-Aktion gesehen?”, Messen, Events, Hypes. Gleichzeitig sollen wir schreiben. Möglichst schnell. Möglichst viel. Möglichst passend zum Trend, aber natürlich individuell und einzigartig. Dazu Produktionszyklen, Feedbackschleifen, Lektorat, Cover, Bonusmaterial, Weltenbau – und alles in einer Qualität, die in einem überfüllten Markt hervorsticht. Es wäre gelogen zu sagen, das sei leicht. Aber: Wir haben Handlungsspielraum. Mehr als wir oft glauben. Was ich bei all den Diskussionen manchmal vermisse, ist dieser Gedanke: Wir können Dinge verändern. Nicht alles. Aber einiges. Wir können entscheiden,
Der notwendige Blick in den Spiegel – ein unbequemer, aber wichtiger Gedanke An dieser Stelle könnte sich jemand melden und sagen: „Stopp! Du tust ja so, als könnten Verlagsautor*innen einfach beschließen, langsamer zu machen. Schließlich hängen Deadlines, Marketingpläne, Budgetentscheidungen und ganze Produktionsketten, davon ab, was die Verlage vorgeben. Und überhaupt haben Verlagsautor*innen doch einen viel größeren Druck als Self-Publisher*innen. Können sie das überhaupt? Können Verlagsautor*innen es sich leisten, einen Hype zu ignorieren? Oder eine Special Edition abzulehnen? Können sie wirklich aus dem vorgegebenen Veröffentlichungsrhythmus ausbrechen?“ Zunächst einmal muss klar und deutlich gesagt werden, dass der Druck auf beiden Seiten da ist. Self-Publisher*innen tragen zwar keine Verlagsstrukturen im Rücken, dafür aber die gesamte Verantwortung für Sichtbarkeit, Kosten, Vermarktung und Erfolg. Der eigentliche Unterschied liegt nicht in der Schwere des Drucks – sondern in der Möglichkeit, schneller handeln zu können. Self-Publisher*innen können Veröffentlichungsrhythmen anpassen, Trends ignorieren, Preise verändern, Marketing neu ausrichten, Pausen einlegen. All das klingt leichter, als es ist – aber es ist möglich. Und jede Entscheidung trägt eigene Konsequenzen. Verlagsautor*innen hingegen bewegen sich in Strukturen, die oft wenig Spielraum lassen. Und wir alle wissen: Solange ein System wirtschaftlich funktioniert, ändert sich kaum etwas an den Abläufen und Erwartungen. Also zurück zur Frage: Können Verlags*autorinnen es sich leisten, etwas zu ändern? Meine Antwort: Ja, aber nicht ohne Risiko. Vielleicht würde ein Vertrag nicht verlängert. Vielleicht wären Sichtbarkeit und Vorschüsse geringer. Vielleicht würde der Star-Status bröckeln. Und genau hier lohnt sich die ehrliche Frage: Wenn es uns wirklich so schlecht geht – warum fällt es uns so schwer, einen Schritt zurückzutreten? Was wollen wir mehr? Künstlerische Freiheit? Oder Ansehen, Bestsellerlisten, Hofierung und große Vorschüsse? Das ist unbequem. Aber es ist nicht falsch, es auszusprechen. Und wenn wir nicht bereit sind, diese Dinge zu hinterfragen – und wenn es nötig ist, für mehr künstlerische Autonomie auch einen Nebenjob anzunehmen – dann ist die Frage erlaubt, ob wir uns zu Recht beklagen oder ob wir ein System mit aufrechterhalten, das uns doch eigentlich erschöpft. Nur wenn genug Verlagsautor*innen bewusst bremsen, wird sich etwas bewegen. Nur wenn Self-Publisher*innen sich die Zeit nehmen, die sie brauchen, um gute Bücher zu schreiben, verschieben sich Erwartungen. Nur wenn wir kollektiv Trends hinterfragen – Hypes, Farbschnitte, Veröffentlichungsrhythmen – entsteht Veränderung. Und dann ist da die andere Seite: die Nachfrage Wenn wir über Druck reden, dann nicht nur über den, der bei Autor*innen entsteht. Marktmechaniken entstehen nicht einseitig. Sie entstehen zwischen denen, die produzieren – und denen, die konsumieren. Deshalb möchte ich das hier sagen, ohne Vorwurf, sondern als Beobachtung: Leser*innen und Blogger*innen prägen den Buchmarkt genauso wie wir. Und manchmal verstärken wir alle zusammen genau die Dynamiken, über die wir uns später wundern. Hypes, Farbschnitte, Special Editions – und was sie wirklich bedeuten Ich verstehe es vollkommen: Ein Farbschnitt ist wunderschön. Bonusmaterial ist aufregend. Special Editions fühlen sich wie kleine Schätze an. Aber jedes Extra bedeutet:
Ja, Begeisterung für Bücher ist etwas Großartiges. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Freude und Anspruch. Wenn ein Buch erscheint und sofort die Frage kommt: Wann kommt der nächste Teil? Gibt es mehr Content? Gibt es einen Trailer dazu? Charakterkarten? Overlays? – dann, oft unbewusst, entsteht Druck. Nicht absichtlich. Nicht böse gemeint. Aber spürbar. Vielleicht hilft es, wenn wir uns gegenseitig zugestehen, dass Geschichten Zeit brauchen. Dass Autor*innen Menschen sind. Dass Social Media nicht das Maß aller Dinge ist. Und dass Wertschätzung auch bedeuten kann, Geduld zu haben. Am Ende tragen wir alle Verantwortung – und alle können etwas verändern Es geht nicht darum, Schuld zu verteilen. Es geht darum, zu erkennen, dass der Burnout im Buchmarkt nicht durch eine einzelne Gruppe entsteht. Sondern durch viele kleine Entscheidungen, von vielen Menschen, über viele Jahre. Und genauso kann Veränderung beginnen:
Was ich mir wünsche? Eine Branche, in der Bücher in ihrem Tempo entstehen dürfen. In der Leidenschaft wichtiger ist als Algorithmus. In der Vielfalt nicht nur Marketingfloskel ist. Und in der wir alle – jede*r auf seine Weise – Verantwortung übernehmen, bevor wir erschöpft zusammenbrechen. Schreiben darf anstrengend sein. Aber es sollte uns nicht kaputt machen. Und dafür braucht es nicht nur Selbstschutz, sondern auch ein bisschen Mut, Trends zu hinterfragen und neue Wege auszuprobieren. Vielleicht ist das am Ende der ehrlichste Weg aus dem Burnout: Verändern, was wir können. Akzeptieren, was wir nicht brauchen. Und lieben, was bleibt. Zwischen Deadlines, Plotlöchern, Marketingplänen, Familienmanagement, dem stinknormalen Alltag, Vereinsarbeit und dieser einen nagenden Frage, ob ich TikTok wirklich weitermachen soll, gerät manchmal das Wichtigste aus dem Blick: Warum ich eigentlich schreibe. Wenn der Kopf voll ist mit To-do-Listen, Excel-Tabellen und Social-Media-Strategien, kann es passieren, dass das eigentliche Herzstück meines Autorinnenlebens leise in die zweite Reihe rutscht – das Erzählen selbst. Und genau deshalb nehme ich mir hin und wieder ganz bewusst ein paar Minuten, um mir selbst auf die Schulter zu tippen und zu fragen: Warum mache ich das hier eigentlich alles? Also: Vorhang auf für meinen kleinen monatlichen Erinnerungsmoment, den ich heute hier mit euch teilen möchte. Weil Geschichten mein Zuhause sind Schon als Kind habe ich Bücher verschlungen – und ja, ich war die mit der Taschenlampe unter der Bettdecke. Während sich andere um Mitternacht vor Monstern fürchteten, war ich längst auf Drachenjagd oder im verbotenen Schlossflügel unterwegs. Geschichten waren schon immer Rückzugsort, Abenteuerspielplatz, Trostspender und Türöffner zu Welten, die größer waren als mein eigenes Zimmer. Irgendwann kam der Punkt, an dem Lesen allein nicht mehr gereicht hat. Die Figuren in meinem Kopf wurden lauter, wollten ihre eigenen Geschichten erzählen. Und ich? Ich wurde zu ihrer Übersetzerin. Weil Figuren zu Freunden werdenManchmal habe ich das Gefühl, ich verbringe mehr Zeit mit meinen Protagonist*innen als mit echten Menschen. (Meine Familie kann davon ein Lied singen, glaubt mir …) Diese Figuren schleichen sich aber auch jedes Mal einfach so in mein Herz. Ich weine mit ihnen, lache über sie, fluche wegen ihnen – und beim Schreiben entstehen plötzlich echte Beziehungen: zu Anna und Alex, zu Aaron, Laura, Cat und Sam. Zu Lilly und Jonah. Aber auch zu all den stilleren, noch nicht ganz fertigen Figuren, die irgendwo in meinem Notizbuch darauf warten, dass ich endlich Zeit für sie habe. Und wenn eine Geschichte endet, ist das oft wie ein kleiner Abschied. Oder ein großer. Je nachdem, wie sehr sie sich vorher in mein Leben gedrängelt haben. Weil Geschichten Brücken bauen Ich lebe seit vielen Jahren in den USA, schreibe aber auf Deutsch für den deutschen Buchmarkt. Das allein ist schon ein Abenteuer. Aber genau darin liegt auch eine meiner größten Motivationen: Geschichten kennen keine Grenzen. Keine Zeitzonen. Keine Barrieren. Sie überbrücken Entfernungen, Sprachen und kulturelle Eigenheiten. Wenn eine Leserin mir schreibt, dass sie sich in einer Figur wiedergefunden hat, obwohl unsere Leben völlig unterschiedlich sind – dann weiß ich, dafür mache ich das. Worte können Verbindungen schaffen, wo im echten Leben manchmal ganze Ozeane dazwischenliegen. Geschichten sind Brücken. Und mal ehrlich: Davon können wir gerade heute ein paar mehr brauchen. Weil Schreiben mich verändert Jede Geschichte, die ich schreibe, verändert auch mich. Sie zwingt mich, mich mit Themen auseinanderzusetzen, die ich vielleicht sonst vermieden hätte. Sie bringt mich an meine Grenzen, lässt mich mutiger werden, verletzlicher, ehrlicher. Und manchmal schenkt sie mir Antworten auf Fragen, die ich mir noch gar nicht bewusst gestellt hatte. Schreiben ist für mich kein Monolog. Es ist ein lebendiges Gespräch – zwischen mir und der Geschichte, zwischen mir und meinen Figuren, zwischen mir und den Menschen, die diese Geschichten irgendwann lesen werden. Wenn Schreiben zur Magie wird Es gibt diese magischen Momente, in denen plötzlich alles klickt. Die Finger fliegen über die Tastatur, die Szene läuft wie ein Film vor meinem inneren Auge, und ich bin mittendrin. Kein Scrollen, kein Grübeln, kein Zweifeln – nur Worte, die fließen. (Okay, außer das Telefon klingelt. Oder Sunny beschließt, dass jetzt der perfekte Moment für einen Spaziergang ist.) Dieser Flow ist für mich wie eine Mischung aus Magie und Meditation. Und auch wenn er nicht jeden Tag da ist (manchmal kommt er erst nach drei Tassen Kaffee und fünf Stunden Plotbastelei), ist es genau dieses Gefühl, das mich immer wieder zurück an den Schreibtisch holt. Weil ich gar nicht anders kann Vielleicht ist das die ehrlichste Antwort auf die Frage „Warum ich schreibe“: Weil ich es nicht lassen kann. Selbst in Phasen, in denen alles schwerfällt, in denen ich mit mir und meinen Geschichten ringe – das Bedürfnis, zu erzählen, bleibt. Es ist wie ein innerer Kompass, der immer wieder Richtung Tastatur zeigt. Schreiben ist nicht einfach ein Job. Es ist ein Teil meines Lebensrhythmus. Und wenn ich mal ein paar Wochen (oder Tage!) nicht schreibe, wird es unruhig in mir. Sehr. Warum ich das alles aufschreibe Weil ich glaube, dass wir als Autor*innen manchmal so sehr im Hamsterrad des Alltags stecken, dass wir vergessen, warum wir angefangen haben. Und weil es unglaublich gut tut, sich selbst daran zu erinnern. Also hier ist meine Erinnerung – an mich, an dich, an uns: Wir schreiben, weil Geschichten wichtig sind. Weil sie Brücken bauen. Weil sie uns verändern. Weil sie uns verbinden. Weil sie uns lebendig fühlen lassen. Und meistens einfach, weil wir gar nicht anders können. Als Kathleen Kelly in You've Got Mail (E-Mail für Dich) zum ersten Mal erfährt, dass in der Nähe ihres liebevoll geführten Kinderbuchladens eine riesige Filiale von Fox Books entstehen soll, ahnt sie, was auf sie zukommt. Ihr kleiner Shop Around the Corner lebt von Gesprächen, Empfehlungen, Nähe – Fox Books dagegen von Rabatten, Größe und Effizienz. Was 1998 als romantische Filmkomödie mit Meg Ryan und Tom Hanks begann, ist heute Realität geworden: Der Strukturwandel im Buchhandel ist längst kein Filmplot mehr – er schreibt schon lange seine ganz eigene Geschichte. Der deutsche Buchhandel: Rückzug der Kleinen, Wachstum der Großen Kirsten in Deutschland 2025, Buchmesse Leipzig Wenn ich in Deutschland bin – und das versuche ich so regelmäßig wie möglich – zieht es mich natürlich immer auch in Buchhandlungen. Und doch habe ich zunehmend das Gefühl, dass es diese kleinen, individuellen Läden, in denen man stöbern, sich beraten lassen und einfach ein bisschen versinken konnte, immer seltener gibt. Laut einem Bericht des Börsenblatts vom 23. Februar 2024 gibt es im deutschen Buchhandel jährlich 100 Schließungen, aber nur 40 Neugründungen. Das betrifft vor allem inhabergeführte Läden – oft, weil sich die Inhaber aus Altersgründen zurückziehen und es keine Nachfolge gibt. In den Innenstädten schrumpft dadurch gefühlt nicht nur die Vielfalt, sondern auch ein Stück literarischer Kultur. Gleichzeitig gibt es auch positive Entwicklungen: Große Ketten wie Thalia, Hugendubel oder Osiander wachsen weiter – durch neue Filialen, Übernahmen und ein starkes Onlinegeschäft. Laut Börsenblatt vom 15. Oktober 2024 erzielte Thalia im Geschäftsjahr 2023/24 einen Rekordumsatz von rund 1,9 Mrd € (plus 8 % gegenüber 2022). Das freut das Autorinnenherz natürlich sehr – denn es zeigt: Bücher sind weiterhin gefragt, werden gekauft, verschenkt, gelesen. Auch Hugendubel meldet neue Filialen in mehreren Städten und eine wachsende digitale Reichweite. Klar, es schmerzt, wenn vertraute Lieblingsläden verschwinden – aber vielleicht entstehen gerade deshalb neue Orte und Konzepte, die Bücher wieder neu erlebbar machen. Petra Bunte, Buchhändlerin bei Thalia in Hameln, erzählt mir dazu: "Immer mehr Buchhändler*innen finden keine Nachfolge und verkaufen deshalb an die große Kette. Nach dem aggressiven Verdrängungswettbewerb der ersten Jahre, haben die Großen und die Kleinen jetzt mit dem Internet einen gemeinsamen Konkurrenten. Und nach meinem Empfinden ist es für viele eine Art rettender Strohhalm geworden, sein Geschäft lieber an die Großen zu verkaufen, als es ganz schließen zu müssen." Neuer Glanz für alte Regale – das US-Revival der Buchläden Literati Bookstore, Ann Arbor, MI Nicht nur die großen stationären Buchhandlungen erleben hier eine Art Renaissance. Barnes & Noble, lange das Sinnbild der kommerziellen Großkette, hat sich unter neuer Führung neu erfunden. 2025 sollen mehr neue Filialen eröffnet werden als je zuvor in einem Jahr – viele davon mit überarbeitetem Konzept, gemütlicherer Gestaltung und bewusst kuratierter Auswahl. Parallel dazu entstehen in Amerika neuerdings immer mehr unabhängige Buchläden mit ganz eigener Handschrift. Axios berichtete im April, dass in den letzten fünf Jahren über 1.200 neue Stores gegründet wurden. Viele verstehen sich als Third Places – Orte zwischen Arbeit und Zuhause, mit Café, Lesesofa, Veranstaltungen und klarer Haltung. Sie schaffen Räume für queere, bipoc- oder neurodivergente Communities und setzen auf Austausch statt bloßen Konsum. Besonders deutlich wird das beim Thema "banned books". In vielen Bundesstaaten der USA werden Werke verboten, die Diversität, queere Identität oder kritische Perspektiven behandeln. Umso wichtiger ist die Rolle unabhängiger Buchläden, die genau diese Titel sichtbar und mutig ins Regal stellen – als Zeichen dafür, dass Literatur ein Spiegel und kein Filter sein sollte. BookTok und die neue Leselust Nicht allein, aber ganz sicher mitverantwortlich für den Aufschwung im Buchhandel: TikTok – oder besser gesagt #BookTok. Lesebegeisterung wird hier viral entfacht, durch Clips, Buchemotionen und visuelle Ästhetik. Titel, die online durchstarten, landen auf prominent platzierten Sondertischen. Auch in Deutschland ist diese Entwicklung spürbar. Petra Bunte sagt dazu: "Meine subjektive Wahrnehmung ist, dass der stationäre Buchhandel wieder im Kommen ist, besonders bei den jungen Leuten. (…) Es ist einfach großartig, wie viele junge Leute in letzter Zeit das Lesen wieder für sich entdeckt haben und stapelweise Bücher bei uns kaufen. Das lässt natürlich hoffen, dass sie nicht nur heute bei dem New Adult Trend mitmachen, sondern auch noch die Buchkäufer*innen von morgen sind. (…) BookTok und New Adult haben Bücher, das Lesen und eine Shoppingtour durch die Buchläden wieder „in“ werden lassen. Und ich glaube schon, dass die großen Ketten dabei im Vorteil sind, weil sie nicht nur eine größere Auswahl bieten, sondern oft auch exklusive Farbschnitte oder Goodies, teilweise auch Events." Online klicken, lokal unterstützen Sowohl in den USA als auch in Deutschland gibt es übrigens richtig gute Ideen, um unabhängige Buchhandlungen auch online sichtbar zu machen. In den USA ist das vor allem bookshop.org – eine Plattform, über die man Bücher bestellen und dabei gezielt eine Indie-Buchhandlung seiner Wahl unterstützen kann, ganz ohne dass der Laden selbst einen eigenen Shop betreiben muss. Das Ganze funktioniert erstaunlich gut und hat sich für viele kleine Läden als echte Stütze erwiesen. (Danke für den Tipp, Lynn!) Das deutsche Pendant dazu heißt genialokal.de – hier können Leser*innen bequem online stöbern und gleichzeitig ihren Lieblingsbuchladen vor Ort stärken. Ein Klick – und die nächste Buchhandlung profitiert direkt. Ich mag solche Ideen, bei denen digitaler Komfort und lokale Unterstützung Hand in Hand gehen. Omnichannel: Wenn online und offline verschmelzen Und schon sind wir beim Thema „Omnichannel“: online bestellen, in der Filiale abholen, digital zurückgeben oder E-Books über die hauseigene Plattform nutzen. Barnes & Noble verfolgt diese Strategie seit Jahren. Die offizielle App verbindet Online- und Filialkauf nahtlos – mit Wunschlisten, Mitgliedskarte und Click & Collect. Damit verschmilzt das Einkaufserlebnis zunehmend zwischen Bildschirm und Bücherregal. Aber auch deutsche Buchhandlungen sind längst omnichannel-orientiert. Petra Bunte sagt dazu: "Thalia ist zum Glück ein Unternehmen, das auf jede dieser Veränderungen reagiert und sie mitgeht. Als sogenanntes Omnichannel-Unternehmen ist bei uns online quasi alles möglich: Online bestellen – Versand nach Hause, Online bestellen – Abholung in der Buchhandlung, in der Buchhandlung bestellen – kostenloser Versand nach Hause. Auch Rückgaben sind entsprechend über alle Kanäle möglich. Bei E-Books und E-Book-Readern waren und sind wir auch immer vorne mit dabei. E-Books können z. B. auch sofort bei uns in der Buchhandlung als Download-Code gekauft werden." Wandel im Kundenverhalten Und damit ändert sich selbstverständlich das Kundenverhalten. Auch Petra spürt das täglich: "Wir vor Ort bemerken als Veränderung am stärksten, dass unsere Kund*innen viel informierter und besser vorbereitet sind als früher. Sie wollen nicht mehr so viel beraten werden, sondern wissen genau, was sie wollen, weil sie es z. B. als Tipp im Internet gesehen haben. Und oft haben sie auch schon online abgefragt, ob wir in der Filiale Hameln aktuell Bestand haben, sodass sie nur noch kommen, zuschnappen und kaufen, oder sich höchstens beim Suchen helfen lassen." Die Leute wissen, was sie wollen – und kommen trotzdem vorbei. Vielleicht ist das die neue Stärke des stationären Handels. In Deutschland wie in Amerika. Und was würde Kathleen Kelly heute tun? Vielleicht hätte die Kathleen von 1998 heute einen kleinen, unabhängigen Buchladen mit gutem WLAN, eigenem TikTok-Account und Lesecafé eröffnet. Vielleicht würde sie Signierstunden mit queeren Debütautor*innnen veranstalten, „Banned Books“-Regale kuratieren und Kund*innen mit Farbschnitt-Tipps und Kaffee versorgen. Sicher ist: Sie würde sich nicht unterkriegen lassen – nicht von Fox Books, nicht vom Algorithmus, und schon gar nicht vom Gedanken, dass Lesen aus der Mode kommt. Denn das tut es nicht. Es verändert nur seine Form. Und wie Bücher selbst, braucht auch der Buchhandel manchmal ein neues Kapitel, um seine Geschichte weiterzuerzählen. Ein herzliches Dankeschön an Petra Bunte für ihre offenen Einblicke und Gedanken – und für ihre Doppelrolle als Buchhändlerin mit Herz und Autorin mit Stimme. Wer wissen möchte, wie sich Buchliebe in Romanform anfühlt, sollte unbedingt mal in ihre Geschichten reinschauen.
Seit 1999 lebe ich in Michigan, mitten im mittleren Westen der USA – dort, wo die Winter lang, die Seen groß und die Eichhörnchen frech sind. Mein erstes Buch erschien 2014, also viele Jahre nachdem ich Deutschland verlassen und in den USA angekommen war. Geschrieben habe ich aber immer auf Deutsch – für den deutschen Buchmarkt. Oft werde ich gefragt, warum ich nicht auf Englisch schreibe. Die Antwort ist einfach: Deutsch ist meine Muttersprache. Natürlich spreche ich fließend Englisch – nach all den Jahren sogar im Alltag deutlich häufiger als Deutsch. Aber wenn es ums Schreiben geht, um feine Zwischentöne, Rhythmus, Ironie oder Melancholie, dann vertraue ich meinem Sprachgefühl nur dort, wo ich sprachlich zu Hause bin. Manche Nuancen, finde ich, lassen sich nur wirklich genau treffen, wenn man mit einer Sprache aufgewachsen ist. Und auch wenn das Schreiben auf Deutsch von hier aus für mich inzwischen ganz selbstverständlich ist, merke ich immer wieder: Ganz ohne Spagat funktioniert es nicht. Verbunden, aber nicht vor Ort Manchmal fühlt es sich an, als würde ich in einem anderen Raum sitzen als alle anderen – die Verbindung steht, aber man hört die Gespräche nur durch die Wand. Ich erlebe keine Buchhandlungen vor Ort, keine Messen in Frankfurt oder in Leipzig (dieses Jahr war tatsächlich mein erstes Mal), keine spontanen Gespräche mit anderen Autor*innen auf Lesereisen. Dafür habe ich einen kleinen, aber feinen digitalen Draht zu meiner Community. Social Media ist mein Austauschplatz, mein Schaufenster – und manchmal auch mein Kaffeeklatsch-Ersatz. Ohne Insta, Zoom & Co wäre ich vermutlich nie über mein Debüt hinausgekommen. Und doch begegnet mir immer wieder die Vorstellung, dass man als Autorin im Ausland automatisch eine Art Bonus mitbringt – als würde allein die räumliche Distanz schon Interesse bei Verlagen wecken. Die Realität? Leider genau umgekehrt. Die Entfernung macht es deutlich schwerer, überhaupt ins Gespräch zu kommen. Man ist nicht präsent, nicht greifbar – und damit oft auch nicht auf dem Radar. Netzwerktreffen, persönliche Empfehlungen, zufällige Gespräche auf Branchenevents? All das findet ohne einen statt. Und genau dort öffnen sich oft die entscheidenden Türen. Aber vielleicht ist genau das auch ein Vorteil: Mit etwas Abstand sieht man manches klarer. Von hier aus lassen sich die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Buchmarkt ziemlich deutlich erkennen – wie ein Bild, das erst aus ein paar Schritten Entfernung wirklich scharf wird. Zwei Märkte – zwei Maßstäbe: Deutschland vs. USA Zwei Märkte, zwei Welten: Der deutsche und der amerikanische Buchmarkt unterscheiden sich nicht nur in der Sprache – auch die Erwartungen an Autor*innen unterscheiden sich deutlich. In den USA steht vor allem das Buch im Fokus: Geschichte, Genre, Marktpotenzial. Natürlich spielt auch hier Social Media – und die Anzahl der Follower – eine Rolle. Aber sie ist längst nicht alles. Wenn ein Roman ein starkes Konzept hat, klar positioniert ist und handwerklich überzeugt, kann er auch ohne riesige Onlinepräsenz bestehen. Die Frage lautet hier weniger: „Wer bist du?“, sondern eher: „Was genau bietest du an?“ Im deutschen Buchmarkt dagegen scheint die Person hinter dem Buch zunehmend wichtiger zu werden – besonders im Romance-, Romantasy- und New-Adult-Bereich. Je jünger, attraktiver und aktiver auf Social Media, desto größer die Chance auf einen Verlagsvertrag. Natürlich gibt es Ausnahmen – aber sie werden seltener. Reichweite schlägt oft Qualität. Inhalte sind wichtig, ja – aber nur, wenn sie auch in ein vermarktbares Gesamtbild verpackt sind. Die Marke Mensch zählt mindestens so viel wie das Manuskript. Der anhaltende Hype um Farbschnitte, Buchboxen und exklusive Sonderausgaben hat diesen Trend verstärkt. Bücher sind nicht mehr nur Geschichten, sondern zunehmend Sammlerstücke. Visuell kuratierte Hingucker, die sich gut auf Fotos machen. Das kann bezaubernd sein – aber es verändert auch die Wahrnehmung von Literatur. In den USA gibt es ebenfalls Sondereditionen, aber sie stehen deutlich weniger im Zentrum des Marketings und sind eher die Ausnahme als die Regel. Was mich manchmal nachdenklich macht: Die kreative Stimme allein reicht im deutschen Markt immer seltener. Wer nicht sichtbar, jung, sympathisch, durchgestylt und algorithmuskompatibel ist, hat es schwer – vor allem aus der Ferne. Ohne TikTok-Präsenz, ohne Bookstagram-Dauerfeuer fühlt es sich oft an, als würde man gerne mitspielen, aber nie an den Würfeltisch eingeladen werden. Literati Bookstore, Ann Arbor Umso hoffnungsvoller stimmt mich, was gerade im stationären amerikanischen Buchhandel passiert: Unabhängige Läden entstehen, Literatur wird wieder lokal gedacht – greifbar, vielfältig, lebendig. Ich wünsche mir, dass dieser Trend irgendwann auch nach Deutschland zurückschwappt. Dass Buchhandlungen wieder Orte werden, an denen Geschichten nicht nur verkauft, sondern geteilt werden. Orte für Begegnung, Inspiration und echte Verbindung. All das ist natürlich keine wissenschaftliche Analyse, sondern mein ganz persönlicher Eindruck – geprägt von Beobachtungen, Gesprächen und Erfahrungen auf beiden Seiten des Atlantiks. Und weil das Thema viel zu groß für ein paar Absätze ist, werde ich ihm bald einen eigenen Beitrag widmen. Was die Distanz mir als Autorin schenkt
Und die Schattenseiten?
Was mir hilft, den Spagat zu halten Für mich sind Autor*innenvereinigungen ein echter Anker. Sie bringen Struktur, Austausch und Sichtbarkeit – selbst über Kontinente hinweg. Deshalb bin ich Mitglied bei DELIA und im Selfpublisher-Verband. Beides gibt mir das Gefühl, Teil einer Community zu sein, die mich auch auf Distanz mitträgt. Noch wichtiger sind für mich allerdings ein paar ganz besondere Menschen: ein kleiner Kreis von Autorinnen, die Freundinnen geworden sind. Mit ihnen tausche ich mich fast täglich aus – über Bücher, Plots, Schreibkrisen, aber auch über das ganz normale Chaos des Lebens. Diese Verbindungen halten mich auf Kurs. Ohne sie wäre das Autorinnenleben im Ausland ein gutes Stück einsamer. Mein Fazit? Meine Geschichten reisen tausende Kilometer, bevor sie in Deutschland ankommen. Was ich schreibe, beginnt hier – und findet seinen Platz drüben. Schreiben im Ausland ist wie eine Langstreckenbeziehung mit dem Buchmarkt: Es braucht Geduld, gute Kommunikation und viel Herzblut. Aber wenn man liebt, was man tut – und ich liebe dieses Schreiben zwischen den Welten –, dann lohnt sich jede E-Mail, jede Zeitverschiebung und jeder Moment, in dem man sich fragt, ob man überhaupt dazugehört. And once again, here’s the English version – for all my American friends reading along: "Between Worlds and Words – Writing in One Language While Living in Another” I’ve been living in Michigan since 1999 – right in the heart of the American Midwest, where winters are long, the lakes are endless, and the squirrels have serious attitude. My first book was published in 2014, many years after I’d left Germany and settled in the U.S. But I’ve always written in German – for the German book market. People often ask me why I don’t write in English. The answer is simple: German is my native language. Sure, I speak fluent English – these days I actually use it more than German in everyday life. But when it comes to writing – the nuance, the rhythm, the irony or quiet melancholy – I only truly trust my instincts in the language that feels like home. And even though writing in German from here has become second nature to me, I still notice: It’s not without its balancing act. Tuned in, but out of reach Sometimes it feels like I’m in a different room than everyone else – the connection’s there, but I’m only catching the conversations through a wall. I don’t get to experience bookstores in person or attend book fairs in Frankfurt or Leipzig (this year was actually my first!). I miss those spontaneous hallway chats with fellow authors on tour or at signings. So I’ve built something else: a virtual thread that holds – even across oceans. Social media is where I connect, share, and sometimes even replace the casual coffee chats I don’t get to have. Without Instagram, Zoom & co, I might never have made it past my debut. And still, I often encounter the assumption that being an author abroad somehow gives you an edge – that geographic distance automatically makes you more interesting to publishers. The reality? Quite the opposite. Being far away makes it harder to even get noticed. You’re not around, not visible – and therefore not on the radar. Networking events, industry mingling, personal recommendations? All that happens without you. And often, that’s exactly where the real doors open. But maybe that distance is also a strength: It gives me clarity. From here, the differences between the German and American book markets stand out – like a picture that only comes into focus when you take a few steps back. Two markets – two mindsets: Germany vs. the U.S. Two markets, two worlds. The differences between the German and American book scenes go far beyond language – the expectations toward authors are strikingly different. In the U.S., the focus is primarily on the book: story, genre, market potential. Yes, social media and follower counts matter here, too – but they’re not everything. If a novel has a strong concept, a clear position, and solid writing, it can succeed even without a massive online presence. The key question isn’t: “Who are you?” But rather: “What exactly are you offering?” In the German market, especially in Romance, Romantasy, and New Adult, the person behind the book is becoming increasingly important. The younger, more attractive, and more active on social media you are, the better your odds of landing a publishing deal. Of course, there are exceptions – but they’re becoming rare. Reach often trumps quality. Content matters, yes – but only if it’s packaged into a marketable personal brand. The author as a brand matters as much as, if not more than, the manuscript. The ongoing hype around sprayed edges, book boxes, and special editions has only amplified this trend. Books are no longer just stories – they’re collectible items. Carefully curated visual stunners meant to shine in photos. It can be enchanting – but it also shifts how we perceive literature. Yes, special editions exist in the U.S. too – but they’re less central to the marketing strategy and more the exception than the rule. Something I keep coming back to: In Germany, a strong creative voice seems to be no longer enough. If you’re not visible, young, likable, stylish, and algorithm-friendly, it’s tough – especially from afar. Without TikTok, without constant Bookstagram output, it often feels like you’d love to play – but never get invited to the table. What gives me hope right now is what’s happening in independent bookstores across the U.S.: new shops are opening, literature is becoming local again – tangible, diverse, and full of life. I hope this trend will eventually make its way back to Germany: That bookstores become spaces once more where stories are not just sold, but shared. Places for connection, inspiration, and real encounters. Of course, none of this is meant to be a scientific analysis – just my personal take, shaped by observations, conversations, and experiences on both sides of the Atlantic. And since this topic is far too big for just one post, I’ll be dedicating an entire piece to it soon. The unexpected gifts of writing from a distance Perspective – Living in a different culture automatically shifts the way you see things. Themes, characters, conflict – I often see all of it with more distance, sometimes more clarity, sometimes just from a different angle. And that flows into my writing. It brings new color to familiar themes – which makes stories deeper, more surprising, more alive. Quiet – Here in Michigan, I live pretty secluded. No fairs, no signings, no pressure to constantly be “on.” I can focus fully on writing – no noise, no distractions. The voice of a place – I almost always choose American locations I know well. Places I’ve walked through, smelled, heard, touched. That presence seeps into my writing – and adds a layer of depth you just can’t google. Less comparison pressure – I’m not constantly surrounded by what others are writing, publishing, or promoting. That helps me stay grounded in my own voice. And the downsides? Low visibility – If you’re not showing up at book fairs or industry events, you’re easily overlooked. Especially if you’re not signed with a big publisher. Logistics – Book boxes, signed copies, giveaways? They don’t travel well across the Atlantic. Even sending review copies becomes an expensive balancing act. Language juggling – Even though German is my native tongue, I speak almost exclusively English in daily life. That affects my feel for the language. I have to regularly “tune in” to keep my writing style sharp. Lack of contacts – The biggest hurdle: building lasting industry relationships without the ability to just “grab a quick coffee at a fair.” Delayed communication – Whether it’s with publishers, agents, or bloggers – being in a different time zone slows things down. Feedback, decisions, questions – they often arrive overnight. While Germany is already deep into planning, I’m still fast asleep in Michigan – usually with a Goldendoodle paw in my face. What helps me stay balanced Author associations have been a true anchor for me. They provide structure, connection, and visibility – even across continents. That’s why I’m a member of DELIA and the Selfpublisher Association. Both give me the sense of belonging to a community that carries me, even from afar. But even more important: a few very special people. A small circle of author friends who’ve become real-life friends. There’s barely a day we don’t talk – about stories, stuck scenes, and everything life throws at us in between. Those connections keep me going. They’re the reason writing across the ocean doesn’t feel like writing in the dark My conclusion? My stories travel thousands of kilometers before they reach readers in Germany. What I write begins here – and finds its place there. Writing abroad is like a long-distance relationship with the book market: It takes patience, communication, and a lot of heart. But if you love what you do – and I truly love writing between worlds – then every email, every time zone mix-up, every moment of doubt is worth it.
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Kirsten GrecoFantasyautorin aus Michigan. Schreibt Magie, trinkt Kaffee, löscht Plotbrände. Archive
Februar 2026
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