Kirsten Greco
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Winter. Schreiben. 2026.

1/9/2026

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Der Januar in Michigan fühlt sich selten wie ein lauter Neubeginn an. Eher wie ein leiser Übergang, bei dem die Welt kurz innehält, bevor sie sich wieder bewegt. Der Himmel hängt tief über verschneiten Straßen, der Wind ist klar und kompromisslos und die Kälte sorgt nicht nur für rote Nasen, sondern auch für überraschend klare Gedanken. Selbst Geräusche wirken gedämpfter, als hätten sie beschlossen, sich dem Tempo dieses Monats anzupassen.

Ein Anfang ohne Feuerwerk

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Wenn ich morgens die Haustür öffne, trifft mich zuerst diese eine Sekunde eisiger Kälte, die gleichzeitig wach macht und daran erinnert, dass man hier nicht unvorbereitet rausgeht. Schnee knirscht unter den Schuhen, Autos fahren langsamer – oder sollten es zumindest – und irgendwo in dieser entschleunigten Bewegung liegt eine Ruhe, die mich jedes Jahr aufs Neue einfängt.
V
ielleicht mag ich den Januar aber auch deshalb so sehr, weil ich weiß, dass er nicht bleibt. Dass das Jahr wieder Fahrt aufnehmen wird, die Tage länger, die Jacken leichter und die Gedanken luftiger. Und genau diese Gewissheit macht die Stille erträglich – und schön. Der Januar in Michigan ist kein Feuerwerk. Er ist ein Anfang. Ein Anfang, der nicht drängt, sondern Raum lässt. Ein Anfang, bei dem ich immer wieder bei mir ankomme. Und bei meinen Geschichten.

Mehr als eine Adresse

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Vor ein paar Tagen bin ich aus Deutschland zurückgekommen. Zum ersten Mal seit wir nach Michigan gezogen sind, habe ich die Feiertage wieder dort verbracht. Und vielleicht war genau das der Grund, warum sich dieser Januar nicht wie ein klassischer Neustart anfühlt, sondern wie ein bewusstes Weitergehen.
Diese Woche in Deutschland war nichts Spektakuläres. Sie war einfach … Leben. Gespräche ohne Zeitdruck, Stimmen, die vertraut waren, ohne sich erklären zu müssen, gemeinsames Lachen, Erinnerungen, die nicht nach Aufmerksamkeit gefragt haben. Zeit mit Familie und Freunden, die nicht geplant werden musste, um wertvoll zu sein. Was von diesen Tagen geblieben ist, war vor allem ein stilles Gefühl von Dankbarkeit – für Nähe ohne Aufwand und für Verbindungen, die auch über Entfernungen hinweg bestehen. Und eigentlich stehe ich gar nicht zwischen zwei Orten, sondern bin in beiden zu Hause.  Und vielleicht ist genau das der Moment, in dem man aufhört zu suchen, wo man hingehört, sondern einfach weiß, dass Zugehörigkeit mehr als eine Adresse haben darf. Genau mit diesem Gefühl bin ich in diesen Januar gestartet.

Kein Druck, keine Listen, keine Vorsätze

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​Jedes Jahr scheint die Welt im Januar kollektiv zu beschließen, dass man sich neu erfinden muss. Besser. Schneller. Klarer. Produktiver. Ich habe mich in diesem Jahr bewusst dagegen entschieden. Nicht, weil ich keine Ziele habe. Nicht, weil mir meine Arbeit egal wäre. Sondern weil ich gemerkt habe, dass mir Druck selten hilft, das zu schreiben, was mir wirklich wichtig ist. Er sorgt vielleicht für Tempo, aber nicht für Tiefe, und für Struktur, aber nicht für unbedingt für Stimmigkeit. Ich habe mir keine Wortzahlen versprochen, keine Deadlines formuliert … Dieses Jahr erlaube ich mir nur eines: meinem Schreiben zu vertrauen - darauf, dass es fließt, wenn ich es nicht zwinge. Dass es ehrlicher ist, wenn es nicht ständig bewertet werden muss.

Deshalb ...

​2026 ist für mich deshalb das Jahr, in dem ich mich bewusst als reine Self Publisherin sehe – aus Überzeugung, nicht aus Notwendigkeit. Ich möchte schreiben, was mir wichtig ist. So, wie es mir wichtig ist. Ohne Vorgaben. Ohne Schubladen. Ohne den Umweg über Erwartungen, die nicht meine sind. Geplant sind mindestens zwei Veröffentlichungen: die ersten beiden Bände einer neuen Urban-Fantasy-Trilogie, die mir sehr nah ist. Band eins erscheint Mitte 2026. Mehr dazu … bald! Versprochen. 2026 wird definitiv kein leises (Autor*innen)Jahr. Aber es wird ein Jahr ohne Druck. Ein Jahr mit Tiefe, mit Mut und echter schreibender Freiheit.
Gleichzeitig möchte ich mir mehr Raum für das echte Leben lassen. Für Freunde. Für Familie. Für Gespräche ohne Zeitlimit. Für Lachen ohne Agenda. Für all die kleinen Dinge, die einfach da sein dürfen. Vielleicht ist genau das meine neue Definition von Erfolg: Geschichten zu erzählen, die mir gehören, und ein Leben zu führen, das sich nicht ständig nach „mehr“ anfühlt, sondern nach „stimmig“.

Nicht komplizierter, sondern klarer

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Und vielleicht ist genau deshalb dieser Winter gerade der richtige. Michigan im Januar ist keine Kulisse für große Gesten, sondern ein Ort für Gedanken. Gefrorene Seen, Straßen, die schmaler wirken, weil der Schnee sie einrahmt, Luft, die so klar ist, dass jeder Atemzug bewusster wird. Alles wirkt ein wenig reduzierter, ein wenig leiser, als hätte die Welt beschlossen, sich für einen Moment nicht allzu wichtig zu nehmen.
Wenn ich draußen unterwegs bin, wird mein Kopf nicht leer, sondern klar. Gedanken ordnen sich fast von selbst, Figuren bekommen mehr Ecken und Kanten, Szenen Konturen, und ich weiß ziemlich genau, wohin meine Geschichte will - ohne mir dabei die Freiheit zu nehmen, unterwegs zu improvisieren. Überhaupt fühlt sich Schreiben gerade an diesen Tagen nicht wie Arbeit an, sondern wie ein Raum, in dem ich ausprobieren darf, ohne sofort festlegen zu müssen, was bleibt und was geht. Und ja, ich erlaube mir dann auch schon mal Seiten, die vielleicht nie veröffentlicht werden. Nicht weil sie falsch sind, sondern weil sie ihren Zweck schon erfüllt haben. Weil sie mir gezeigt haben, was eine Geschichte nicht braucht. Irgendwie mach der Jahresbeginn Dinge nicht komplizierter, sondern klarer. Und vielleicht ist es genau das, was wir gerade alle brauchen.

Nicht mehr und nicht weniger

​Und dann ist da noch die Sache mit der Kreativität. Wir tun immer so, als müsste sie spektakulär sein. Sichtbar. Laut. Als müsste man sie bemerken, damit sie zählt. Doch meine Kreativität im Januar glimmt. Sie ist kein Sturm. Kein Funkenregen. Sie ist einfach da. Still, verlässlich, ohne großes Aufheben. Sie drängt sich nicht auf, sie wartet. Und genau deshalb kann ich mit ihr arbeiten.
Schreiben im Januar ist kein Wettkampf und kein Leistungsnachweis Es ist eher ein Zustand, in den ich zurückfinde, wenn ich mir erlaube, nicht schneller sein zu wollen als meine eigenen Gedanken.
Wenn ich abends den Laptop zuklappe, spüre ich nicht unbedingt Euphorie. Aber ich spüre Ruhe. Und diese Ruhe fühlt sich an wie ein Versprechen, dass meine Geschichten noch da sind. Auch ohne Druck. Auch ohne Tempo.
Schreiben im Januar ist für mich kein Losstürmen. Es ist ein Zur-Ruhe-kommen. Ein Ankommen. Bei meiner Art zu erzählen. Bei meinen Figuren. Bei der Stimme, die sich dann am ehrlichsten anfühlt, wenn ich sie nicht antreibe.

Und jetzt?

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​Ich habe beschlossen, 2026 wird mein Jahr des Muts. Nicht laut im Sinne von Lärm. Sondern laut im Sinne von Ehrlichkeit. Ein Jahr, in dem ich mich nicht kleiner mache, als ich bin. In dem ich mir erlaube, ganz ich zu sein. Mit Geschichten, die Tiefe haben dürfen. Mit Emotionen, die Raum brauchen. Mit einem Weg, der nicht immer gerade sein muss, um richtig zu sein.
Vielleicht beginnt genau hier mein neues Schreiben. Nicht mit einer neuen Struktur. Nicht mit einer neuen Strategie. Sondern mit einer Entscheidung: mich selbst ernst zu nehmen.
Wenn ich aus dem Fenster schaue, ist der Schnee gerade komplett verschwunden. Einfach so. Für ein paar Tage tut Michigan so, als wäre es schon März. Natürlich weiß ich, dass der nächste Schneefall schon angekündigt ist – aber für diesen kurzen Moment nehme ich das Geschenk dankbar an. Und genau in diesem Moment merke ich, wie sehr ich mich auf den Frühling freue. Nicht nur wegen der Wärme, sondern wegen dieses Gefühls von Aufbruch, das irgendwann ganz selbstverständlich zurückkommt. So wie neue Geschichten dazukommen. So wie etwas, das nie weg, sondern nur kurz leiser war.
Und jetzt: Hallo 2026 – here I come. Mit Dankbarkeit, mit Winterluft in den Lungen und mit Geschichten, die geschrieben werden wollen. Und genau darauf freue ich mich.

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Und dann war da dieses Jahr - Rückblick 2025

12/10/2025

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​Bevor wir ins neue Jahr wechseln, möchte ich diesen Moment für einen persönlichen Rückblick nutzen. Einen Rückblick aus der Perspektive der Autorin, die ich bin - und in diesem Jahr geworden bin. Mit allem, was dazugehört: Freude, Frust, Stolz, Zweifel. Und natürlich Geschichten.

Ein geheimes Projekt und neue Wege

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​2025 stand ganz klar im Zeichen eines Projekts, über das ich bisher nur sehr wenig gesagt habe. Seit Monaten arbeite ich an einer ganz besonderen Trilogie gearbeitet. Teil 1 ist fertig, Teil 2 … läuft. Dieses Projekt ist anders als alles, was ich zuvor gemacht habe. Die Geschichte ist nämlich nicht allein auf meinem Mist gewachsen, sondern entsteht gemeinsam mit einem Co-Autor ( ja, tatsächlich ein Er ) und genau deshalb wird sie auch unter einem offenen Pseudonym erscheinen. Heute nur so viel: Ich bleibe dem Fantasy-Genre natürlich treu, dieses Mal endlich wieder echte Urban Fantasy. Ein Setting, das ich nicht nur recherchiert habe, sondern lebe. Orte, Atmosphären, Alltagsdetails – all das fließt direkt in die Geschichte ein. Und ja, es ist gut möglich, dass auch die Outer Banks ihren Weg in dieses Projekt gefunden haben. Diese Reise war eines der stillen Highlights des Jahres. Wind, Weite, das Meer im Kopf – und ganz viel Raum für neue Ideen.

Willow und der Mut zur zweiten Version

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Ein weiterer großer Meilenstein: Willow. Ein Buch, das früher ein Verlagsbuch war und dessen Geschichte ein ziemlich radikales Makeover bekommen hat. Das war keine kleine Überarbeitung, sondern fast eine ganz neue Version. Rückblickend war diese Überarbeitung mehr als Arbeit am Text. Sie war Arbeit an meiner Haltung als Autorin: genauer hinschauen, mutiger streichen, Entscheidungen treffen. 
​Mit Willow bin ich außerdem im Self Publishing einen Schritt weitergegangen – dieses Mal nicht nur inhaltlich, sondern auch im Vertrieb: Willow ist mein erstes SP-Buch, das ganz regulär im stationären Buchhandel erhältlich ist. Nach und nach werden alle weiteren Bücher folgen. Ein Weg, der sich sehr richtig anfühlt.
Funfact zum Schluss: Den Buchsatz habe ich zum ersten Mal mit Vellum gemacht – und was soll ich sagen: Ich liebe es. Inzwischen habe ich sogar den Satz für eine befreundete Autorin übernommen. Falls ihr euch dafür interessiert, meldet euch gern.

Ein weiterer Ort für meine Worte

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Ein persönliches Highlight dieses Jahres war das hier: mein Blog. Seit Mai gibt es „Plot Twists & Peanut Butter“ – einen Ort für alles, was zwischen Schreiben, Lesen, Leben in Michigan und dem Blick über den Atlantik passiert. Der Blog ist mein Raum für Gedanken, die nicht in ein Buchkapitel passen. Für Einblicke hinter die Kulissen. Für Recherche, Alltag, Frust, Freude und genau die kleinen Umwege, aus denen am Ende meist die besten Ideen entstehen. Gleichzeitig war das Bloggen für mich ein überraschend schöner Ausgleich zum Romanschreiben: Andere Texte, anderer Rhythmus, null Plotdruck und genau deshalb richtig viel Spaß. Und ja: Ich sehe euch lesen, klicken, kommentieren. Danke!

Zwischen Hallen, Gesprächen und Geschichten

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Im März durfte ich außerdem meine allererste Messe in Deutschland erleben – und dann gleich die Leipziger Buchmesse. Es war ein einziges Wirbelwind-Wochenende voller Begegnungen, Gespräche, Inspiration – und sooo vieler Menschen! Ich habe es geliebt, mich mit anderen Autor*innen, Leser*innen, Bloggenden und wundervollen Hörbuchsprecher*innen auszutauschen. Ich habe gelacht, gestaunt, gequatscht – und ganz nebenbei auch gelernt, wie anstrengend so ein Messe-Marathon sein kann.  Und, puh, war das voll. Trotzdem - genau diese geballte Energie, diese Begeisterung für Geschichten, Worte und Bücher war etwas ganz Besonderes. Leipzig hat Eindruck hinterlassen – im besten Sinne.

Ausgerechnet Sci-Fi - mein Lesejahr

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2025 war nicht nur vom Schreiben geprägt, sondern auch vom Lesen – stärker als in vielen Jahren zuvor. Ich habe wieder viel mehr Zeit zwischen Buchseiten verbracht, vermutlich, weil Geschichten genau dann helfen, wenn der Kopf viel zu voll ist. Insgesamt waren es fast dreißig neue Bücher neben zahlreichen Re-Reads, die meisten davon Fantasy. Doch mein persönliches Highlight war die Red-Rising-Reihe von Pierce Brown. Ausgerechnet keine Fantasy, sondern Sci-Fi! Und trotzdem (oder gerade deshalb) hat sie mich komplett abgeholt. Politische Intrigen, moralische Grauzonen, Figuren, die man liebt, verflucht und trotzdem nicht loslässt. High Stakes, hohe Geschwindigkeit, enorme emotionale Wucht. Red Rising hat mich daran erinnert, warum Lesen immer ein bisschen Magie bleibt – unabhängig vom Genre.​

Buchmarkt, Frust & klare Entscheidungen

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2025 brachte einiges an Buchmarktfrust mit sich. Und ich war ganz offensichtlich nicht die Einzige, die das so empfunden hat. Amazon hat es tatsächlich geschafft, die Veröffentlichung von Willow so richtig zu torpedieren. Rezensionen werden bis heute einfach nicht freigeschaltet, Kommunikation und Prozesse bleiben frustrierend intransparent. Deshalb habe ich eine klare Entscheidung getroffen: Sobald die Kindle-Unlimited-Fristen meiner Bücher ausgelaufen sind, werden meine E-Books nicht mehr exklusiv bei Amazon erscheinen. Ich werde sie nach und nach auch auf anderen Plattformen anbieten. Weniger Abhängigkeit, mehr Kontrolle.
Überhaupt scheint der Druck auf Autor*innen generell enorm gewachsen zu sein. Algorithmen, Trends, Sichtbarkeit … das alles strengt an. Sehr. Besonders bedenklich finde ich auch die Entwicklung im deutschen Buchmarkt: Farbschnitt-Zwang (für Selfpublisherinnen kaum zu stemmen), der ständige Ruf nach Extras und Buchboxen. In den USA nimmt das längst nicht diese Dimensionen an. Bücher dürfen hier immer noch oft einfach Bücher sein.

Meine Geschichten, mein Weg

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2025 war auch das Jahr, in dem ich eine Entscheidung getroffen habe, die sich lange angebahnt hatte: Ich werde meine Geschichten nicht mehr über Verlage platzieren. Ich möchte selbst bestimmen, wann ich schreibe, woran ich arbeite und in welchem Tempo Geschichten entstehen dürfen. Das geheime Projekt hatte ich noch Agenturen und Verlagen gezeigt. Es gab positives Feedback, echtes Interesse, angeforderte Manuskripte. Und trotzdem blieb am Ende nichts, das sich richtig angefühlt hätte. Deshalb werde ich meinen Weg ab jetzt konsequent im Self Publishing weitergehen. 
Ehrlich gesagt weiß ich inzwischen genau, was mir wichtig ist – und was nicht. Ich weiß, dass diese Geschichte trägt. Und ich weiß, dass sie ihre Leser*innen finden wird. Dafür brauche ich weder perfekt getaktete Programme noch fremde Erwartungshaltungen – sondern Vertrauen in meinen eigenen Weg.

Was bleibt

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Michigan macht zum Jahresende, was es am besten kann: Winter. Mehr Schnee, mehr Kälte, mehr Dauer, als ich es aus Deutschland kenne. Im Dezember hat all das noch etwas Magisches – diese frische, helle Stille, die sich über alles legt. Aber spätestens im Februar wird das Weiß zu viel, zu dicht, zu endlos. Trotzdem gehe ich jeden Tag raus. Mit Sunny. Egal, wie tief der Schnee liegt oder wie sehr der Wind beißt. Er braucht seine Runde – und ich brauche sie auch.  Ein bisschen Normalität, klare Luft und ein Kopf, der danach wieder sortierter ist. Und als wäre das nicht schon genug Wintergefühl, werde ich dieses Jahr zum ersten Mal seit über 25 Jahren wieder Weihnachten in Deutschland feiern. Es fühlt sich an wie ein Kreis, der sich schließt - wohl wissend, dass ich mich danach auch wieder auf mein Zuhause hier in Michigan freue.
Was bleibt, ist der Austausch. Mit anderen Autor*innen, Leser*innen, Bloggenden – all den Menschen, die Bücher genauso lieben wie ich. Und besonders der tägliche Austausch mit einer Autorin (nein, nicht meine Co-Autorin) gehört inzwischen einfach dazu.
Privat war dieses Jahr turbulent, vieles davon gehört nicht hierher, aber es war da. Und vielleicht ist genau deshalb so spürbar, wie viel diese kleinen Verbindungen bedeuten. Was bleibt, sind die Menschen, die Worte – und die Wege, auf denen beides zusammenfindet.


Bonus: ein erster Blick ins geheime Projekt

​Weil Plot Twists & Peanut Butter ohne Überraschung nur halb so schön ist, gibt es zum Abschluss einen kleinen Bonus: den Anfang des ersten Kapitels meines geheimen Projekts. Nicht den Prolog – der würde zu viel verraten. Nur ein kleiner Einblick, ich weiß, aber genau richtig für das Ende dieses Rückblicks.
​„Sehe ich aus, als würde ich Witze machen?“
Mit gehobenen Brauen blicke ich in die Kamera und lege den Kopf schief. Dann mustere ich die fünf ratlosen Gesichter auf dem Bildschirm und grinse. Genau deshalb liebe ich meinen Job!
Ich rücke den Laptop auf dem Schoß zurecht, kippe ihn so, dass niemand meine pinkfarbene Lieblingsyogahose sieht, und strecke dann die Beine unter dem Couchtisch aus. Ein Hoch auf Zoommeetings! Zu Hause lässt sich das schreckliche weiße Business-Hemd, das ich extra für meinen Bericht angezogen habe, gleich viel besser ertragen. Genauso wie die unangenehme Stille, die nach meiner vernichtenden Abschlussanalyse eingetreten ist …
„Miss Barlow, sind Sie sicher?“, bricht der grauhaarige CFO das betretene Schweigen, öffnet den obersten Knopf seines fliederfarbenen Hemdes und massiert mit Daumen und Zeigefinger die Nasenwurzel. „Normalerweise brauchen unsere Experten Wochen und keine … ähm … Stunden.“
„Tja, dumme Experten, würde ich sagen. Und ja, ich bin ganz sicher. Ihre Firewall ist miserabel, das IT-Sicherheitsniveau unter aller …“ Ich räuspere mich und zucke mit den Schultern. „Das Sicherheitsniveau ist ebenfalls miserabel. Ich habe die fünfhunderttausend Dollar wie gewünscht mehrmals zwischen den Konten hin- und hergeschoben. Sie können sich glücklich schätzen, dass noch niemand versucht hat …“
„Okay, okay“, unterbricht mich die Frau mit den kurzen blonden Haaren. Doris Richardson, Managing Director der Investmentbank mit der verbesserungsbedürftigen Firewall, blinzelt in die Kamera und spitzt die knallroten Lippen. „Überzeugende Arbeit, Miss Barlow …“, fährt sie fort und schenkt mir ein halbherziges Lächeln, „die Sie extrem schnell erledigt haben.“
Fakt. Und weil ich nicht nur gut, sondern eben auch in Rekordzeit in Computersysteme hacke, verdiene ich mit meinen Aufträgen unanständig viel Geld.
​Mehr verrate ich heute nicht. Der Rest bleibt noch ein bisschen länger Geheimprojekt und wächst hinter den Kulissen weiter.

Und jetzt ... Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch in ein entspanntes 2026. Genießt die ruhigen Tage, so gut es eben geht. Vielleicht mit einem guten Buch, vielleicht mit etwas Abstand vom Bildschirm. Wir lesen uns. Auf Instagram, auf Facebook, auf WhatsApp, oder hier im Blog. 
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Wo Kreativität unter Erwartungen leidet – und warum wir alle ein Stück Verantwortung tragen

11/17/2025

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​Auf Instagram ist das Thema Burnout im Buchmarkt gerade überall und inzwischen habe ich fast das Gefühl, dass sich ein Trend daraus entwickelt hat. Ein Trend, dem viele folgen, oft mit sehr persönlichen Posts, die teilweise berühren, teilweise aber auch ein wenig wie „Vielleicht sollte ich jetzt auch etwas dazu sagen…“ wirken könnten. Das meine ich nicht wertend. Jede Erfahrung ist echt, jede Erschöpfung verdient Raum. Und trotzdem frage ich mich manchmal, ob wir gerade über das Richtige sprechen – oder ob wir uns ein wenig in der Dynamik verlieren. Ob wir Hinweise auf ein wichtiges Thema sehen, oder ob wir anfangen, ein wichtiges Thema algorithmustauglich zu verpacken.  Es gibt einige Facetten an diesem Thema, die in der aktuellen Instagram-Welle ein wenig untergehen. Und genau diese möchte ich hier aufgreifen.

Autor*in sein – zwischen Freiheit und Druck

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​Ich liebe das Schreiben. Ich kann nicht ohne. Für mich ist es kein Hobby und auch kein Lifestyle – es ist mein Beruf, meine Art zu denken, zu leben, zu atmen. Und gleichzeitig weiß ich, dass dieser Beruf Freiheiten bietet, von denen viele Menschen nur träumen. Während andere tagtäglich vielleicht Jobs machen, die sie auslaugen, die sie aber für ihren Lebensunterhalt brauchen, darf ich kreativ arbeiten. Ich bestimme meine Zeit, meine Themen, meine Art zu erzählen. Das ist ein Privileg – und es bleibt eines, selbst wenn der Druck wächst. Das bedeutet nicht, dass Burnout weniger real wäre. Es bedeutet nur, dass wir den Druck in Relation setzen dürfen. Und sollten. 

Wenn der Markt schneller rennt, als wir laufen können

Ja: Die Erwartung, ständig präsent zu sein, ist enorm. Social Media funktioniert nicht mit Pausen, sondern mit Dauerfeuer. Reels, Lives, Updates, Preorder-Links, “Hast du schon die Cover-Reveal-Aktion gesehen?”, Messen, Events, Hypes. Gleichzeitig sollen wir schreiben. Möglichst schnell. Möglichst viel. Möglichst passend zum Trend, aber natürlich individuell und einzigartig. Dazu Produktionszyklen, Feedbackschleifen, Lektorat, Cover, Bonusmaterial, Weltenbau – und alles in einer Qualität, die in einem überfüllten Markt hervorsticht. Es wäre gelogen zu sagen, das sei leicht.

Aber: Wir haben Handlungsspielraum. Mehr als wir oft glauben.

​Was ich bei all den Diskussionen manchmal vermisse, ist dieser Gedanke: Wir können Dinge verändern. Nicht alles. Aber einiges.
Wir können entscheiden,
  • ob wir jeden Hype mitmachen,
  • ob wir in einem Dreimonatsrhythmus veröffentlichen,
  • ob jeder Release eine Special Edition bekommt,
  • ob wir unsere Selbstfürsorge hintenanstellen,
  • ob wir Social Media zu unserem Mittelpunkt machen,
  • und ob wir den Erwartungen folgen, die uns eigentlich nicht guttun.
Diese Entscheidungen sind nicht immer bequem. Und ja, manche haben Konsequenzen: weniger Reichweite, weniger Sichtbarkeit, vielleicht eine längere Durststrecke. Und natürlich: weniger Verkäufe. Weniger Einkommen.  Vielleicht brauchen wir eben einen Brotjob nebenher, um finanziell weniger abhängig zu sein. Aber ein kleiner Teilzeitjob ist kein Scheitern. Er kann im Gegenteil Freiheit schaffen – die Art von Freiheit, die Kreativität schützt.

Der notwendige Blick in den Spiegel – ein unbequemer, aber wichtiger Gedanke

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An dieser Stelle könnte sich jemand melden und sagen:
„Stopp! Du tust ja so, als könnten Verlagsautor*innen einfach beschließen, langsamer zu machen. Schließlich hängen Deadlines, Marketingpläne, Budgetentscheidungen und ganze Produktionsketten, davon ab, was die Verlage vorgeben. Und überhaupt haben Verlagsautor*innen doch einen viel größeren Druck als Self-Publisher*innen. Können sie das überhaupt? Können Verlagsautor*innen es sich leisten, einen Hype zu ignorieren? Oder eine Special Edition abzulehnen? Können sie wirklich aus dem vorgegebenen Veröffentlichungsrhythmus ausbrechen?“
​Zunächst einmal muss klar und deutlich gesagt werden, dass der Druck auf beiden Seiten da ist. Self-Publisher*innen tragen zwar keine Verlagsstrukturen im Rücken, dafür aber die gesamte Verantwortung für Sichtbarkeit, Kosten, Vermarktung und Erfolg. Der eigentliche Unterschied liegt nicht in der Schwere des Drucks – sondern in der Möglichkeit, schneller handeln zu können. Self-Publisher*innen können Veröffentlichungsrhythmen anpassen, Trends ignorieren, Preise verändern, Marketing neu ausrichten, Pausen einlegen. All das klingt leichter, als es ist – aber es ist möglich. Und jede Entscheidung trägt eigene Konsequenzen. Verlagsautor*innen hingegen bewegen sich in Strukturen, die oft wenig Spielraum lassen. Und wir alle wissen: Solange ein System wirtschaftlich funktioniert, ändert sich kaum etwas an den Abläufen und Erwartungen. 

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​Also zurück zur Frage: Können Verlags*autorinnen es sich leisten, etwas zu ändern? Meine Antwort: Ja, aber nicht ohne Risiko. Vielleicht würde ein Vertrag nicht verlängert. Vielleicht wären Sichtbarkeit und Vorschüsse geringer. Vielleicht würde der Star-Status bröckeln. Und genau hier lohnt sich die ehrliche Frage: Wenn es uns wirklich so schlecht geht – warum fällt es uns so schwer, einen Schritt zurückzutreten? Was wollen wir mehr? Künstlerische Freiheit? Oder Ansehen, Bestsellerlisten, Hofierung und große Vorschüsse?
Das ist unbequem. Aber es ist nicht falsch, es auszusprechen. Und wenn wir nicht bereit sind, diese Dinge zu hinterfragen – und wenn es nötig ist, für mehr künstlerische Autonomie auch einen Nebenjob anzunehmen – dann ist die Frage erlaubt, ob wir uns zu Recht beklagen oder ob wir ein System mit aufrechterhalten, das uns doch eigentlich erschöpft.
Nur wenn genug Verlagsautor*innen bewusst bremsen, wird sich etwas bewegen. Nur wenn Self-Publisher*innen sich die Zeit nehmen, die sie brauchen, um gute Bücher zu schreiben, verschieben sich Erwartungen. Nur wenn wir kollektiv Trends hinterfragen – Hypes, Farbschnitte, Veröffentlichungsrhythmen – entsteht Veränderung.

Und dann ist da die andere Seite: die Nachfrage

​Wenn wir über Druck reden, dann nicht nur über den, der bei Autor*innen entsteht. Marktmechaniken entstehen nicht einseitig. Sie entstehen zwischen denen, die produzieren – und denen, die konsumieren. Deshalb möchte ich das hier sagen, ohne Vorwurf, sondern als Beobachtung: Leser*innen und Blogger*innen prägen den Buchmarkt genauso wie wir. Und manchmal verstärken wir alle zusammen genau die Dynamiken, über die wir uns später wundern.

Hypes, Farbschnitte, Special Editions – und was sie wirklich bedeuten

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​Ich verstehe es vollkommen: Ein Farbschnitt ist wunderschön. Bonusmaterial ist aufregend. Special Editions fühlen sich wie kleine Schätze an.
Aber jedes Extra bedeutet:
  • höhere Produktionskosten
  • höheren Zeitdruck
  • mehr Stress
  • höhere Preise
Gleichzeitig lese ich häufig, dass Bücher “zu teuer werden”. Beides ist wahr. Beides hängt zusammen. Es ist nicht falsch, besondere Ausgaben zu mögen. Aber vielleicht sollten wir uns ab und zu fragen – und genau hier seid auch ihr gefragt, liebe Leser*innen: Unterstützt ihr wirklich das, was ihr liebt? Oder rennt ihr Trends hinterher, die kreative Köpfe immer mehr unter Druck setzen?
Ja, Begeisterung für Bücher ist etwas Großartiges. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Freude und Anspruch. Wenn ein Buch erscheint und sofort die Frage kommt: Wann kommt der nächste Teil? Gibt es mehr Content? Gibt es einen Trailer dazu?  Charakterkarten? Overlays? – dann, oft unbewusst, entsteht Druck. Nicht absichtlich. Nicht böse gemeint. Aber spürbar. Vielleicht hilft es, wenn wir uns gegenseitig zugestehen, dass Geschichten Zeit brauchen. Dass Autor*innen Menschen sind. Dass Social Media nicht das Maß aller Dinge ist. Und dass Wertschätzung auch bedeuten kann, Geduld zu haben.

Am Ende tragen wir alle Verantwortung – und alle können etwas verändern

​Es geht nicht darum, Schuld zu verteilen. Es geht darum, zu erkennen, dass der Burnout im Buchmarkt nicht durch eine einzelne Gruppe entsteht. Sondern durch viele kleine Entscheidungen, von vielen Menschen, über viele Jahre.
Und genauso kann Veränderung beginnen:
  • indem Autor*innen ihre eigenen Grenzen respektieren und bereit sind – wenn nötig – Entscheidungen zu treffen und die Konsequenzen zu tragen
  • indem Leser*innen bewusster konsumieren
  • indem Blogger*innen nicht nur Trends, sondern auch Vielfalt sichtbar machen
  • indem Verlage nachhaltige Strategien fördern
  • indem wir gegenseitig mehr Zeit, Raum und Menschlichkeit zulassen
Manchmal reicht schon ein Schritt zurück, um wieder atmen zu können.

Was ich mir wünsche?

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Eine Branche, in der Bücher in ihrem Tempo entstehen dürfen. In der Leidenschaft wichtiger ist als Algorithmus. In der Vielfalt nicht nur Marketingfloskel ist. Und in der wir alle – jede*r auf seine Weise – Verantwortung übernehmen, bevor wir erschöpft zusammenbrechen. Schreiben darf anstrengend sein. Aber es sollte uns nicht kaputt machen. Und dafür braucht es nicht nur Selbstschutz, sondern auch ein bisschen Mut, Trends zu hinterfragen und neue Wege auszuprobieren. Vielleicht ist das am Ende der ehrlichste Weg aus dem Burnout: Verändern, was wir können. Akzeptieren, was wir nicht brauchen. Und lieben, was bleibt.
​

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Von Dünen, Daten und Dingen, die man nicht nachschlagen kann – warum Recherche auch (und gerade) für Fantasyautor*innen wichtig ist

11/9/2025

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Ich bin gerade zurück aus dem Urlaub! 
Ziel: die Outer Banks in North Carolina. Ergebnis: Wind im Gesicht, Meeresrauschen in den Ohren und ein Kopf voller Szenen, die unbedingt aufgeschrieben werden wollen. Und diese Reise hat wirklich alles gegeben: Spätoktoberhitze, kurz danach Stürme, die das Motorhome durchgeschüttelt haben, überflutete Straßen, gesperrte Brücken, die uns für zwei Tage vom Festland abgeschnitten haben – und ein Hirsch, der plötzlich auf den Dünen auftauchte … Das alles ist Recherche. Nicht in Tabellenform, sondern spürbar, hörbar, echt.
Schon die Fahrt von Michigan nach North Carolina war eine kleine Feldstudie: Wälder, die in allen Herbstfarben leuchteten, Highways, die einfach kein Ende nehmen wollten, und Tankstellen, die ihre ganz eigenen Geschichten erzählen. Zum Beispiel die, an der sich eine freundliche Frau vorstellte, Carlo die Hand schüttelte und dann sehr ernsthaft anbot, für unseren kaputten Generator zu beten. Noch bevor wir etwas sagen konnten, hatte sie bereits die Handfläche auf das Gerät gelegt – auf den Generator, nicht auf Carlo – und ein fünfminütiges Gebet hingelegt, als hinge das Schicksal der Stromversorgung persönlich von ihr ab. Ergebnis: Der Generator blieb stumm, aber ich hatte dafür eine Szene, die garantiert in einem Roman landet.

Wenn Google Earth an seine Grenzen stößt

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Klar, heute kann man mit wenigen Klicks jeden Ort der Welt bereisen. Google Earth zeigt die Straßen, YouTube liefert Videos, Blogs und Reiseführer erzählen Details. Ich nutze all das regelmäßig – aber es ersetzt nicht, einen Ort wirklich erlebt zu haben. Wenn man barfuß im warmen Sand steht, das Salz auf den Lippen schmeckt, den Wind hört, der durch Dünengras rauscht – dann begreift man eine Landschaft anders. Kein Bildschirm der Welt kann das ersetzen.
Wir standen mit dem Motorhome direkt hinter den Dünen. Nachts, wenn der Sturm das Fahrzeug wackeln ließ, habe ich mir vorgestellt, wie eine meiner Figuren das erleben würde: der Himmel voller Sterne, das Rauschen des Atlantiks, die Unsicherheit, ob die Brücke am nächsten Tag wieder geöffnet ist. Und ja – genau das wird ziemlich sicher in meinem aktuellen Projekt landen. Solche Erfahrungen sind Gold wert, weil sie nicht nur die Landschaft, sondern auch Emotionen transportieren.
Natürlich kann ich nicht immer jeden Schauplatz persönlich besuchen. Manche Orte existieren schlicht nicht – vor allem, wenn man Fantasy schreibt. Und selbst wenn, wäre es kaum möglich (oder bezahlbar), für jede Szene einmal quer über den Globus zu reisen. Dann heißt es eben: Laptop aufklappen, Bücherstapel durchforsten und hoffen, dass Google Maps irgendwann Gerüche überträgt.

„Du schreibst Fantasy, da brauchst du doch keine Recherche.“

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​Oh doch. Und zwar jede Menge. Fantasy funktioniert nur, wenn sie in sich glaubwürdig bleibt. Jede erfundene Welt braucht Regeln, Kultur, Geschichte – und diese Regeln müssen konsistent sein. Das ist keine reine Erfindung, das ist Handwerk.
Wie funktioniert Magie? Welche Tiere gibt es, welche Pflanzen, welche Jahreszeiten? Wie klingt Musik dort? Welche Rituale begleiten Geburt oder Tod? Ich recherchiere politische Systeme, topografische Eigenheiten, Materialkunde – und ja, manchmal sogar Physik.
Für mein aktuelles Projekt habe ich mich tagelang mit dem Thema Flugverhalten beschäftigt – von Fledermäusen bis zu allem, was irgendwie flattert oder gleitet. Wie bewegen sich ihre Flügel? Welche Muskeln sind beteiligt? Wie fühlt sich die Membran an, wie viel Kraft braucht es, um abzuheben? Diese Details sieht man vielleicht nur zwischen den Zeilen, aber sie verleihen der Szene Glaubwürdigkeit.

Zwischen Schwert und Screenshot – Kampfrecherche ohne blaue Flecken

Ein anderes Thema, das mich regelmäßig beschäftigt, ist das Schreiben von Kampfszenen.
Leider habe ich selbst keine Schwertkampfausbildung – auch wenn ich immer wieder mit dem Gedanken spiele, einen Kurs zu belegen (vielleicht irgendwann, rein beruflich natürlich …).
Bis dahin helfen YouTube, Fachartikel und meine Beobachtungsgabe. Ich schaue Turniermitschnitte, Tutorials, lese über Haltung, Balance, Atemtechnik. Ich stoppe Videos, mache Screenshots, notiere Bewegungsabfolgen – vom Drehmoment bis zur Gewichtsverlagerung.
Ein kleiner Vorteil: Meine Tochter hat früher Karate gemacht. Ich erinnere mich an ihre Haltung, die Ruhe, die Präzision – an dieses kurze Innehalten vor der Bewegung. Wenn ich Kampfszenen schreibe, denke ich oft daran. Und natürlich ist es ausgesprochen praktisch, gute Freundinnen zu haben, die mit Pfeil und Bogen umgehen können. Denn egal, ob jemand eine Waffe führt oder nur seine Kraft einsetzt – der Moment davor ist immer derselbe: pure Kontrolle.

Zeitreisen im Kopf – wenn Epochen lebendig werden

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​Nicht alle Geschichten spielen in der Gegenwart. Manche führen in vergangene Zeiten, und dann beginnt die vielleicht intensivste Form der Recherche. Ich habe einen Heidenrespekt vor Autor*innen, die historische Romane schreiben – allein schon wegen der Genauigkeit, dem Quellenstudium, der sprachlichen Feinabstimmung. Jede kleine Abweichung kann den Leser aus der Zeit reißen, und genau das erfordert ein Maß an Geduld und Detailtreue, das ich nur bewundern kann.
Ganz entziehen kann aber auch ich mich dieser Art Recherche nicht. Für den ersten Teil meiner Silvanubis-Trilogie habe ich monatelang alles über die Nachkriegszeit im Ruhrgebiet gelesen – Bücher, Dokumentationen, Zeitungsarchive. Ich habe mit Zeitzeug*innen gesprochen, ihre Erinnerungen aufgeschrieben und versucht, mir vorzustellen, wie sich der Alltag damals angefühlt hat: der Geruch von Kohle, das Knirschen von Schutt unter Schuhen, der Klang von Stimmen in engen Hinterhöfen. Ja, diese Arbeit war manchmal bedrückend, aber sie war notwendig und sie hat sich tatsächlich angefühlt wie ein kleiner Zeitsprung. Eine Herausforderung, aber eine, die mir am Ende doch ungeheuer viel Spaß gemacht hat.
Solche Recherchen schützen letztendlich davor, Klischees zu reproduzieren oder historische Realitäten zu verzerren. Und ganz ehrlich: Sie hat mir das Schreiben erst ermöglicht. Ohne dieses Fundament wäre die Geschichte leer geblieben.

Wenn der Magen mitschreibt – kulinarische Recherche

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Essen ist in meinen Büchern nie nur Nebensache (und auch sonst nicht). Es ist Atmosphäre, Erinnerung, manchmal Trost.
Nicht nur für meine Weihnachtsromane probiere ich jedes Rezept selbst aus. Recherche, die man riechen und schmecken kann.  Von Zimtsternen bis Pumpkin Pie, von Empanadas bis Brownies: Erst was in meiner Küche geduftet hat, darf ins Buch.
Aber auch in historischen Romanen spielt Essen eine Rolle. Für Das Singen des Feuervogels habe ich recherchiert, was Menschen in der Nachkriegszeit kochten, wenn kaum etwas da war. Besonders berührt hat mich der Gegensatz zwischen dem Hunger der Nachkriegsjahre und der üppigen Fülle in der Welt von Silvanubis. Dort gibt es Essen im Überfluss – saftige Früchte, dampfende Brote, aromatische Kräuter. Und genau das hat mich gereizt: diesen Überfluss dem Hunger von damals gegenüberzustellen.
Für meine Protagonist*innen bedeutete das mehr als nur Staunen – sie fühlten sich schuldig, weil sie plötzlich so viel hatten, während sie aus einer Welt kamen, in der jedes Stück Brot zählte.
Und dann sind da die Fantasywelten – da darf man endlich alles, auch kulinarisch. Ich überlege, welche Früchte dort wachsen könnten, welche Gewürze die Luft erfüllen und was wohl auf den Tisch kommt, wenn gefeiert wird. Am meisten Spaß macht mir, Gerichte zu erfinden, die fast vertraut schmecken – aber eben nur fast.

Von Kräutern, Heilpflanzen und anderen grünen Wundern

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Ein weiteres Thema, das mich seit Silvanubis 1 begleitet, ist die Heilpflanzenrecherche. Ich wollte wissen, welche Pflanzen in welchen Regionen wachsen, wie man sie verwendet und wie sie riechen. Das hat mich von alten Kräuterbüchern bis zu modernen Studien geführt – und schließlich in meinen eigenen Garten. Heute wachsen dort unter anderem Thymian, Salbei, Estragon, Lavendel, Zitronenmelisse – nicht nur, weil sie hübsch aussehen, sondern weil ich sie anfassen, riechen und beschreiben kann. Wenn ich also über eine Figur schreibe, die eine Salbe anrührt, habe ich den Duft von Kräuterdampf sofort wieder in der Nase.

Figurenrecherche – vom Namen bis zum Lebenslauf

Auch Charaktere wollen recherchiert werden. Bevor ich schreibe, überlege ich: Woher kommt diese Figur? Welche Sprache spricht sie? Was bedeutet ihr Name? Wie sieht ihr Alltag aus?
Ich lese Interviews, schaue Dokus, spreche mit Menschen, die ähnliche Berufe haben. Ich möchte wissen, wie eine Hackerin denkt, wie eine Polizistin redet, wie ein Barista in Detroit den Tag beginnt.
Selbst wenn am Ende nur ein Nebensatz übrig bleibt – die Recherche sorgt dafür, dass Figuren Ecken, Kanten und Glaubwürdigkeit bekommen.

Schreiben heißt fragen – und nochmal nachfragen

Bei mir beginnt Recherche oft lange, bevor das eigentliche Schreiben anfängt. Manchmal sammle ich schon Material, während ich ein anderes Projekt beende – Zeitungsartikel, Karten, Fotos, Gesprächsfetzen.
Mindestens vier bis sechs Wochen investiere ich in die intensive Vorbereitung, oft mehr. Und selbst mitten im Manuskript tauchen neue Fragen auf: Wie riecht Ozon nach einem Gewitter wirklich? Wie lange fliegt man mit 100 km/h von Detroit nach Copper Harbor? Welche Farbe hat der Himmel kurz vor einem Sturm?
Recherche endet nie. Sie ist der unsichtbare Atem hinter jeder Szene.

Und dann ist da noch der Blick von außen

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​Ich schreibe meine Bücher auf Deutsch – aber fast alle spielen in den USA.
Das liegt nicht daran, dass ich amerikanische Schauplätze „trendiger“ finde, sondern schlicht daran, dass ich hier lebe. Seit vielen Jahren ist Michigan mein Zuhause. Ich kenne die Seen, das Licht, die Stille im Wald, das Sirren der Zikaden im Sommer, den Geruch nach Schnee im Januar.
Ich schreibe gern über Orte, die ich kenne, weil ich ihre Atmosphäre fühlen kann. Ob es eine verlassene Straße in Detroit ist, eine Küstenstadt in North Carolina oder ein Diner irgendwo zwischen beidem – ich mag es, wenn die Kulisse mehr ist als nur Dekoration.
Nur eine Ausnahme gibt es: die Silvanubis-Trilogie. Sie beginnt im Ruhrgebiet – meiner alten Heimat – und führt später in eine fantastische Parallelwelt. Zufall? Eher nicht. Das Ruhrgebiet ist schließlich der Ort, an dem ich gelernt habe, hinter grauen Fassaden Geschichten zu entdecken.
Dieser Spagat – deutschsprachige Autorin im Ausland zu sein – prägt meine Arbeit sehr. Ich denke auf Deutsch, träume manchmal auf Englisch – und irgendwo dazwischen entstehen meine Geschichten.

Fazit: Recherche ist kein Umweg – sie ist der Weg

Ob in den Dünen von North Carolina, in den Straßen von Detroits Corktown, in einer kleinen Stadt am Rande des Ruhrgebiets oder zwischen Thymian und Lavendel im eigenen Garten: Recherche bedeutet, die Welt zu verstehen, bevor man sie neu erschafft. Sie ist das unsichtbare Fundament unter jeder Geschichte. Ohne sie wären meine Welten blass, meine Figuren leer, meine Dialoge hohl. Und das Schönste daran: Jede Recherche öffnet Türen – zu Orten, Menschen, Zeiten und neuen Ideen.  Am Ende ist sie vielleicht genau das: der Moment, in dem Wirklichkeit zu Geschichte wird. 
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Warum ich schreibe - Eine Liebeserklärung ans Geschichtenerzählen

10/10/2025

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Zwischen Deadlines, Plotlöchern, Marketingplänen, Familienmanagement, dem stinknormalen Alltag, Vereinsarbeit und dieser einen nagenden Frage, ob ich TikTok wirklich weitermachen soll, gerät manchmal das Wichtigste aus dem Blick: Warum ich eigentlich schreibe.
Wenn der Kopf voll ist mit To-do-Listen, Excel-Tabellen und Social-Media-Strategien, kann es passieren, dass das eigentliche Herzstück meines Autorinnenlebens leise in die zweite Reihe rutscht – das Erzählen selbst. Und genau deshalb nehme ich mir hin und wieder ganz bewusst ein paar Minuten, um mir selbst auf die Schulter zu tippen und zu fragen: Warum mache ich das hier eigentlich alles?
Also: Vorhang auf für meinen kleinen monatlichen Erinnerungsmoment, den ich heute hier mit euch teilen möchte.

Weil Geschichten mein Zuhause sind

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​Schon als Kind habe ich Bücher verschlungen – und ja, ich war die  mit der Taschenlampe unter der Bettdecke. Während sich andere um Mitternacht vor Monstern fürchteten, war ich längst auf Drachenjagd oder im verbotenen Schlossflügel unterwegs. Geschichten waren schon immer Rückzugsort, Abenteuerspielplatz, Trostspender und Türöffner zu Welten, die größer waren als mein eigenes Zimmer. Irgendwann kam der Punkt, an dem Lesen allein nicht mehr gereicht hat. Die Figuren in meinem Kopf wurden lauter, wollten ihre eigenen Geschichten erzählen. Und ich? Ich wurde zu ihrer Übersetzerin.

Weil Figuren zu Freunden werden

​Manchmal habe ich das Gefühl, ich verbringe mehr Zeit mit meinen Protagonist*innen als mit echten Menschen. (Meine Familie kann davon ein Lied singen, glaubt mir …) Diese Figuren schleichen sich aber auch jedes Mal einfach so in mein Herz. Ich weine mit ihnen, lache über sie, fluche wegen ihnen – und beim Schreiben entstehen plötzlich echte Beziehungen: zu Anna und Alex, zu Aaron, Laura, Cat und Sam. Zu Lilly und Jonah. Aber auch zu all den stilleren, noch nicht ganz fertigen Figuren, die irgendwo in meinem Notizbuch darauf warten, dass ich endlich Zeit für sie habe. Und wenn eine Geschichte endet, ist das oft wie ein kleiner Abschied. Oder ein großer. Je nachdem, wie sehr sie sich vorher in mein Leben gedrängelt haben.

Weil Geschichten Brücken bauen

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​Ich lebe seit vielen Jahren in den USA, schreibe aber auf Deutsch für den deutschen Buchmarkt. Das allein ist schon ein Abenteuer. Aber genau darin liegt auch eine meiner größten Motivationen: Geschichten kennen keine Grenzen. Keine Zeitzonen. Keine Barrieren. Sie überbrücken Entfernungen, Sprachen und kulturelle Eigenheiten.
Wenn eine Leserin mir schreibt, dass sie sich in einer Figur wiedergefunden hat, obwohl unsere Leben völlig unterschiedlich sind – dann weiß ich, dafür mache ich das. Worte können Verbindungen schaffen, wo im echten Leben manchmal ganze Ozeane dazwischenliegen. Geschichten sind Brücken. Und mal ehrlich: Davon können wir gerade heute ein paar mehr brauchen.

Weil Schreiben mich verändert

Jede Geschichte, die ich schreibe, verändert auch mich. Sie zwingt mich, mich mit Themen auseinanderzusetzen, die ich vielleicht sonst vermieden hätte. Sie bringt mich an meine Grenzen, lässt mich mutiger werden, verletzlicher, ehrlicher. Und manchmal schenkt sie mir Antworten auf Fragen, die ich mir noch gar nicht bewusst gestellt hatte.
Schreiben ist für mich kein Monolog. Es ist ein lebendiges Gespräch – zwischen mir und der Geschichte, zwischen mir und meinen Figuren, zwischen mir und den Menschen, die diese Geschichten irgendwann lesen werden.

Wenn Schreiben zur Magie wird

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​Es gibt diese magischen Momente, in denen plötzlich alles klickt. Die Finger fliegen über die Tastatur, die Szene läuft wie ein Film vor meinem inneren Auge, und ich bin mittendrin. Kein Scrollen, kein Grübeln, kein Zweifeln – nur Worte, die fließen. (Okay, außer das Telefon klingelt. Oder Sunny beschließt, dass jetzt der perfekte Moment für einen Spaziergang ist.)
Dieser Flow ist für mich wie eine Mischung aus Magie und Meditation. Und auch wenn er nicht jeden Tag da ist (manchmal kommt er erst nach drei Tassen Kaffee und fünf Stunden Plotbastelei), ist es genau dieses Gefühl, das mich immer wieder zurück an den Schreibtisch holt.

Weil ich gar nicht anders kann

​Vielleicht ist das die ehrlichste Antwort auf die Frage „Warum ich schreibe“: Weil ich es nicht lassen kann. Selbst in Phasen, in denen alles schwerfällt, in denen ich mit mir und meinen Geschichten ringe – das Bedürfnis, zu erzählen, bleibt. Es ist wie ein innerer Kompass, der immer wieder Richtung Tastatur zeigt. Schreiben ist nicht einfach ein Job. Es ist ein Teil meines Lebensrhythmus. Und wenn ich mal ein paar Wochen (oder Tage!) nicht schreibe, wird es unruhig in mir. Sehr.

Warum ich das alles aufschreibe

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​Weil ich glaube, dass wir als Autor*innen manchmal so sehr im Hamsterrad des Alltags stecken, dass wir vergessen, warum wir angefangen haben. Und weil es unglaublich gut tut, sich selbst daran zu erinnern.
Also hier ist meine Erinnerung – an mich, an dich, an uns:
Wir schreiben, weil Geschichten wichtig sind.
Weil sie Brücken bauen.
Weil sie uns verändern.
Weil sie uns verbinden.
Weil sie uns lebendig fühlen lassen.
Und meistens einfach, weil wir gar nicht anders können.

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Von Wölfen, Rollschuhen & Roadtrips – mein Weg nach Michigan

9/2/2025

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​Seit Mai schreibe ich hier munter drauflos – ohne mich jemals richtig vorgestellt zu haben. Höchste Zeit, das nachzuholen. Wer mir auf Instagram oder Facebook folgt, weiß wahrscheinlich schon einiges … aber für alle anderen (und für diejenigen, die vielleicht gern ein paar Hintergrundgeschichten hören wollen): Hier kommt mein persönlicher „Über mich“-Beitrag.
Diesmal geht es nicht um mein aktuelles Leben in Michigan, sondern vor allem um meine Zeit vor Amerika – um all das, was mich geprägt, herumgewirbelt und an genau den Punkt gebracht hat, an dem ich heute bin.
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Hätte mir jemand mit 18 gesagt, dass ich irgendwann in Michigan lande, verheiratet, mit Familie, Hund und Bücherregalen, die vom Boden bis zur Decke reichen und in denen über zehn eigene Veröffentlichungen stehen, ich hätte mir ein Grinsen garantiert nicht verkneifen können. Damals wollte ich nach Australien auswandern. Oder Lehrerin werden. Oder Schauspielerin.
Stattdessen wurde es: ein abgebrochenes Studium, eine Banklehre (größter Fehlstart ever!), Fremdsprachen, ein Nebenjob, bei dem ich gelernt habe, wie schnell man in einem Musical Kostüme wechseln kann, ein halbes Jahr Backpacking durch Australien … und schließlich Carlo. Ob ich das Chaos, die tausend Umwege bereue? Nicht einen davon. Denn sonst wäre ich nicht da, wo ich heute bin: Zuhause.
Aber zurück zum Anfang …

Sauerlandkind mit Büchersucht

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​Ich bin in Iserlohn geboren und in Hagen aufgewachsen – also irgendwo zwischen Sauerland und Ruhrpott. Zur Schule gegangen bin ich auf ein reines Mädchengymnasium (ja, das war so speziell, wie es klingt!). Das Beste daran: Ich treffe mich bis heute – wann immer ich in Deutschland bin – mit einigen meiner alten Klassenkameradinnen. Manche Verbindungen überstehen eben Jahrzehnte und Kontinente.
Wenn ich an diese Zeit denke, erinnere ich mich nicht nur an Freundschaften und Schule – sondern auch daran, wie sehr Bücher schon damals mein Leben bestimmt haben. Schon als Kind habe ich alles gelesen, was mir in die Finger fiel: Jugendbücher, Märchen, Comics oder später auch alte Romane meiner Eltern. Das erste Buch, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist, stammt aus meiner Pre‑Teen-Zeit: Wölfe ums Schloss von Joan Aiken. Die spannende Geschichte um Bonnie und Sylvia, die sich gegen die böse Gouvernante behaupten müssen, hat mich so gepackt, dass ich damals nicht nur mit einem Kassettenrekorder ein eigenes Hörspiel aufgenommen, sondern sogar eine Fortsetzung geschrieben habe (lange bevor man dafür das Wort Fanfiction erfunden hat).

Von 100 Metern, Bratschen und Prioritäten

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Im Teenageralter kamen dann noch Sport und Musik dazu. Ich bin die 100 Meter in 12,5 Sekunden gelaufen und durfte im NRW-Kader in Dortmund trainieren. Gleichzeitig habe ich Geige und Bratsche gespielt – und natürlich gab es Tage, an denen diese Welten kollidierten. Zum Beispiel, als ich mich mit meiner 4x100-Meter-Vereinsstaffel für die Deutschen Schülermeisterschaften qualifizierte. Dummerweise fiel der Termin genau auf das große Schulkonzert. Meine Orchesterleiterin wollte mich nicht fahren lassen, weil ich die einzige Bratschistin war, die an diesem Abend zehn entscheidende Töne zu spielen hatte. Ich habe mich für die Meisterschaft entschieden und beim Konzert unentschuldigt gefehlt. Prioritäten …

Studium, Umwege & ein neuer Anfang

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Nach dem Abi habe ich in Bonn Germanistik und Sportwissenschaft studiert. Total naheliegend, wenn man einen Menglisch-Leistungskurs-Abschluss hat – Englisch (habe ich geliebt) und Mathe (eher überlebt). Mein Plan: Lehrerin werden. Die Realität: irgendwann festgestellt, dass es nicht das Richtige war. Also Richtungswechsel. Eine Banklehre (größter Fehlstart und die längsten Jahre meines Lebens ever, aber gut, aus erster Hand weiß ich jetzt, wie man in einem Beruf komplett fehl am Platz sein kann).
​Danach kam das, was wirklich gepasst hat: eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin in Englisch und Spanisch. Eigentlich hätte ich mir all die Umwege sparen können – mein Englisch-Leistungskurs hatte mir schließlich schon gezeigt, wo meine Stärken (und meine Freude) lagen. Diese Ausbildung habe ich jedenfalls in vollen Zügen genossen, inklusive eines unvergesslichen Monats an einer Sprachschule in Dublin.

Starlight Express: Rollschuhe, Kostüme & Nächte ohne Schlaf

​Nebenbei hatte ich den coolsten Nebenjob überhaupt: Als Dresserin bei Starlight Express in Bochum habe ich Kostüme geschnürt, schnelle Wechsel begleitet und hinter den Kulissen erlebt, wie aufregend und chaotisch so ein Musicalbetrieb wirklich ist. Wie ich das damals eigentlich geschafft habe, frage ich mich heute noch: tagsüber Sprachschule in Dortmund, dann im Eiltempo zurück in die WG nach Bochum, kochen, essen, einkaufen, lernen – und abends weiter zum Starlight Express. Kein Abend vor Mitternacht zu Hause – wenige Stunden später war die Nacht zu Ende. Schlaf? Definitiv überbewertet.

Mein Belgien-Kapitel: Leben & Arbeiten in Brügge

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Und weil ich mein frisch erlerntes Wissen sofort nutzen wollte, verschlug es mich nach Belgien, wo ich in einem Hotel in Brügge arbeitete. Ausgerechnet Brügge – wo man natürlich ständig Englisch oder Spanisch spricht ... Aber warum geradeaus gehen, wenn es auch zickzack geht? Es war trotzdem genau richtig, denn heute denke ich total gerne an diese Zeit zurück – und finde, Brügge ist immer noch eine der schönsten Städte, die ich kenne. Und das Einzimmerapartment, in dem ich dort gewohnt habe, war wahrscheinlich das coolste überhaupt: mitten in der Innenstadt, direkt unter dem Dach, mit einem Aufzug, bei dem man nie sicher sein konnte, ob er wirklich oben ankam.
PS: Nach der Spätschicht im Hotel führte mein Weg oft an der ein oder anderen urigen Kneipe vorbei – und ganz ehrlich, einfach vorbeizugehen wäre ja unhöflich gewesen 😉. Ich glaube, aus dieser Zeit stammt auch meine Schwäche für ein gutes Bier. Selbst heute kann ich mir ein breites Grinsen nicht verkneifen, wenn ich in Michigan ein belgisches Importbier im Regal entdecke.

Backpacking in Australien: Rucksack, Ostküste & Shiatsu-Kurs

Doch lange stillhalten konnte ich nie. Also habe ich nach einem Jahr alles verkauft, was ich besaß (viel war es nicht), meinen Rucksack gepackt und bin nach Australien aufgebrochen. Ein halbes Jahr Backpacking an der wunderschönen Ostküste, inklusive eines dreimonatigen Shiatsu-Massage-Kurses in Sydney. (Ja, das kann ich heute noch!)
Meine Highlights? Ganz klar die tägliche Fähre vom Circular Quay nach Manly – wo ich anfangs bei Bekannten von Bekannten von Bekannten aus Brügge gewohnt habe. Oder der Sandwich-Verkauf mit anschließendem Kaffeetrinken am Sydney Opera House mit Brigitte. Der Glebe Fleamarket, die Strände von Cape Tribulation, Wanderungen durch den Daintree Rainforest und Reitausflüge in den Blue Mountains … eine bunte Mischung aus Alltag und Abenteuer, die sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt hat. Danach stand für mich fest: zurück nach Deutschland, den Rest organisieren – und dann endgültig nach Australien auswandern. Damals war ich überzeugt, dass dort mein neues Zuhause sein würde.

Als Zuhause plötzlich ein Mensch war

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Aber das Leben hatte andere Pläne. Denn bevor es endgültig nach Australien zurückgehen sollte, hieß es erst einmal zurück nach Hagen, Auswandern vorbereiten, Arbeiten und Geld verdienen. Genau dort traf ich Carlo – und plötzlich hatte ich es gar nicht mehr so eilig mit dem Auswandern …  Bis dahin war ich ständig unterwegs gewesen: Australien, Brügge, Dublin, Cambridge – stets mit dem Gefühl, dass die nächste Station vielleicht die richtige sein könnte.  Mit Carlo habe ich gelernt, dass Zuhause nicht unbedingt ein Ort sein muss, sondern auch eine Person sein kann. Genau das war der Grund, warum Australien für mich nur noch ein Reiseziel blieb. Und was soll ich sagen … wir haben nach ein paar Monaten geheiratet, eine Familie gegründet und eine Weile im wunderschönen Spessart gelebt. Ein paar Jahre später bin ich dann doch ausgewandert. Aber nicht allein, sondern mit Mann und zwei Töchtern. Nur eben nicht nach Australien, sondern nach Michigan.

Zum Schluss noch ein paar Fun Facts

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  • Mein Lieblingsessen ist alles, was Carlo kocht. Dazu passt meistens … Überraschung: ein Bier.
  • Meine Lieblingsfarbe? Sonnenuntergänge.
  • Nach fast jeder Veröffentlichung gibt es ein neues Tattoo – immer etwas, das mit der jeweiligen Geschichte zu tun hat.
  • Wir reisen immer noch gern, und am liebsten gemeinsam im Camper. Dorthin, wo es uns gerade besonders gut gefällt. Bald geht es wieder in die Outer Banks – dazu gibt es hier bald noch einen extra Blogartikel.

Was bleibt

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​Wenn ich eins gelernt habe, dann das: Das Leben hält sich selten an Pläne – und das ist vielleicht auch ganz gut so. Meine Umwege haben mich nicht nur nach Michigan geführt, sondern auch dahin, wo ich heute bin - mit einer Familie, einem Hund, zu vielen Büchern, einem Kopf voller Geschichten und diesem Abenteuer zwischen zwei Welten. Und jetzt, wo ihr meine Vorgeschichte kennt, können wir uns hier im Blog wieder den Dingen widmen, die mich heute bewegen: dem Schreiben, den Büchern und diesem manchmal verrückten Leben in den USA.
​Willkommen auf meiner kleinen Ecke Internet. Schön, dass ihr da seid. Ich freue mich, wenn ihr bleibt.

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Big, bigger… echt jetzt? – Amerikanische Klischees im Realitätscheck

8/17/2025

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​Wer einmal in den USA war, weiß: „groß“ ist hier keine bloße Beschreibung – es ist ein Lebensgefühl. Riesige Einkaufsläden, in denen man sich verlaufen kann. Kühlschränke, in die locker ein deutscher Wochenmarkt passt. Autos, bei denen man eine Leiter zum Einsteigen bräuchte. Gallonenweise Milch und Wein. Supermärkte mit Gängen so breit wie deutsche Landstraßen. XXL-Packungen Chips, groß genug, um eine Fußballmannschaft satt zu kriegen. Portionen in Restaurants, die eher nach Familienfest aussehen als nach Abendessen (kein Problem, denn den Rest wandert sowieso in die berühmte To-go-Box).
Und dann ist da noch das Land selbst: endlose Highways, die sich wie Lineale in die Ferne ziehen, und der Superbowl, bei dem nicht nur der Ball, sondern auch der Hype gigantisch ist.
Aber ist alles wirklich big, bigger, Amerika? Sind die Amerikaner wirklich so freundlich – und oberflächlich, wie behauptet wird? Und gehen sie wirklich mit Schuhen ins Bett? In diesem Beitrag nehme ich ein paar der bekanntesten amerikanischen Klischees und Mythen unter die Lupe – und schaue, welche sich bewahrheitet haben und welche eher ins Reich der Hollywood-Fantasie gehören. Ganz wichtig: Das hier ist keine wissenschaftliche – und ganz sicher keine politische - Abhandlung, sondern meine ganz persönliche Michigan-Perspektive - eine Sammlung von Eindrücken aus dem Land, in dem selbst der kleinste Kaffee „Tall“ heißt.

Alles ist größer – na klar. Aber…

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Das Klischee stimmt. Meistens. Und ehrlich gesagt: Genau das macht einen Teil des Lebens hier aus. Diese Weite, die endlosen Straßen, das Gefühl von Freiheit – es steckt im Asphalt, in den riesigen Trucks, in Supermärkten, die rund um die Uhr offen haben und im tiefen Blau des Himmels, der irgendwie weiter zu sein scheint. (Ohne Witz, das war das Erste, was mir aufgefallen ist, als wir 1999 hier angekommen sind).
Aber dann gibt es diese kleinen Juwelen, die das Bild bunter machen: winzige Buchläden, in denen ich als Autorin stundenlang stöbern könnte (auch wenn ich zugebe, dass ich ab und zu gern im großen Barnes & Noble abtauche). Farmers Markets mit handbeschrifteten Schildern und frischen Tomaten. Kleine Verkaufsstände am Straßenrand, bei denen das Geld einfach in eine Kasse aus Blech geworfen wird. Diners und Cafés, in die nur ein paar Tische passen – wie das Tea Haus in Ann Arbor, wo man froh ist, wenn man überhaupt einen Platz bekommt, und das Warten gern in Kauf nimmt. Food Trucks mit handgemalten Menüs. Vintage Shops und Thrift Stores, vollgestopft mit Schätzen und Kuriositäten.
Und genau diese Mischung aus XXL und Mini macht für mich den Alltag in Michigan aus - ein Leben zwischen Weite und Nähe, zwischen großem Spektakel und kleinen Momenten.

Schuhe anlassen – wirklich überall?

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​Das Klischee hält sich hartnäckig: Amerikaner ziehen nie ihre Schuhe aus. Nicht einmal im Bett, heißt es. Und tatsächlich – viele laufen ganz selbstverständlich mit Straßenschuhen durchs Haus, als wären Teppiche, Sofas und Küchenböden unverwüstlich. Für deutsche Gäste wirkt das manchmal wie ein kleiner Kulturschock: Man selbst scharrt noch verlegen an der Fußmatte, während der Gastgeber schon mit Sneakers quer über den Teppich marschiert.
Aber: Ganz so schwarz-weiß ist es nicht. Die jüngere Generation scheint das lockerer – oder vielleicht auch hygienischer – zu sehen. Immer öfter hört man beim Betreten eines Hauses ein freundliches „Shoes off, please“, und plötzlich sitzen alle in Socken oder bunten Hausschuhen im Wohnzimmer. Offenbar ist es auch hier nicht mehr so angesagt, den halben Vorgarten ins Haus zu tragen.
Am Ende bleibt es also ein Mischbild: Oma Esther fühlt sich ohne Schuhe nicht komplett angezogen, Enkelin Harper macht gleich an der Tür klar, dass drinnen „sock mode“ gilt.
PS: Meine amerikanischen Protagonisten gehen nie – absolut nie – mit Schuhen ins Bett.

Freundlich, herzlich - oberflächlich?

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​Dieses Klischee begegnet mir ständig, und ehrlich gesagt stolpere ich bei diesem Vorurteil immer ein bisschen. Klar, ein gewisses Dauerlächeln gehört hier fast schon zum guten Ton – manchmal fühlt man sich, als hätte man einen unsichtbaren Vertrag unterschrieben: ‚Smile, you’re in America‘. Und ja, Amerikaner sind in der Regel offen, herzlich, und man wird auch als Fremde*r oft einfach angesprochen. An der Supermarktkasse, auf der Straße, beim Spaziergang kommt schnell ein „How are you?“. Aber Überraschung: Niemand wird hier gezwungen zurückzulächeln.  Und ob das Gespräch oberflächlich bleibt, liegt dann auch ganz an dir. Antwortest du nur knapp mit „I’m fine, thanks“, ist es eben auch nicht mehr als eine Floskel. Aber öffnest du dich ein kleines Stück, ergibt sich oft ein echtes, freundliches Gespräch – selbst zwischen zwei Packungen Milch oder unterwegs mit Sunny an der Leine.
Und manchmal geht’s sogar noch weiter: Aus einem harmlosen Smalltalk über das Wetter wird plötzlich ein Geheimtipp fürs beste Café in der Stadt. Oder jemand erzählt dir in der Schlange vor dem Postschalter, warum er eigentlich aus Texas nach Michigan gezogen ist. Keine tiefenpsychologischen Enthüllungen – aber eben auch alles andere als oberflächlich.
Es stimmt schon irgendwie: „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es hinaus.“ Ein freundlicher Ton ist hier wie ein Startknopf: Drückt man ihn, läuft das Gespräch plötzlich von allein. Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass man auf diese Weise sogar richtige Freundschaften knüpfen kann. Ein Lächeln im Vorübergehen, ein bisschen Offenheit im ersten Moment – schon wird eine Begegnung leichter. Und mal ehrlich: Ein freundliches Gesicht ist doch immer schöner als ein Knurren oder völlige Ignoranz. 

Fast Food, Fake Food – und teuer ist es obendrein?

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​Das Bild vom amerikanischen Essen ist schnell gezeichnet: künstlich, fettig, frittiert und in XXL. Und ja, das Klischee stimmt – zumindest auf den ersten Blick. Es gibt Supermarktregale, die wirken wie eine Chemieausstellung: neonbunte Cerealien, Joghurts, die mehr Zucker als Milch enthalten, und Chips in Geschmacksrichtungen, von denen man nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt. Fast Food ist allgegenwärtig, und günstige Fertigprodukte gibt es an jeder Ecke.
Aber auch hier sehe ich – wie schon beim Thema „Schuhe im Haus“ – einen klaren Unterschied zwischen den Generationen. Gerade viele junge Eltern achten heute sehr bewusst auf gesunde Ernährung. Es gibt Apps, mit denen man Lebensmittel im Supermarkt scannen kann, die in Sekundenschnelle alle fragwürdigen Zusatzstoffe ausspucken. Bio-Produkte sind zwar oft teurer – müssen es aber nicht sein. Wer saisonal einkauft, auf dem Farmers Market zuschlägt oder einfach die Sonderangebote nutzt, bekommt auch hier frisches Gemüse zu vernünftigen Preisen. Mehr und mehr Familien setzen außerdem auf Selbstversorgung: eigene kleine Gemüsegärten hinterm Haus sind längst keine Seltenheit mehr, und nicht wenige halten sogar ein paar Hühner für frische Eier.
Und die Preise schwanken stark: In Metropolen wie New York oder Chicago zahlt man für denselben Korb Lebensmittel oft deutlich mehr als in kleineren Städten oder ländlichen Gegenden. 
Und ja: Auch in den USA gibt es Aldi. Dort findet man erstaunlich viele organische Produkte, die deutlich günstiger sind als in anderen Supermärkten. Aber auch die haben längst gemerkt, dass der Griff zum „gesunden Essen“ immer häufiger wird – und ziehen nach, um konkurrenzfähig zu bleiben.
Trotzdem bleibt ein bitterer Beigeschmack: Ungesundes, hochverarbeitetes Essen ist nach wie vor billiger und leichter verfügbar. Traurig, aber wahr – und leider kein ausschließlich amerikanisches Phänomen.

Nur Englisch – und sonst nichts?

​Ein weiteres Klischee: Amerikaner sprechen keine Fremdsprachen und haben von Geografie oder Geschichte außerhalb der eigenen Grenzen keine Ahnung. (Noch einmal der Hinweis: Das ist nur meine persönliche Beobachtung – keine wissenschaftliche Studie.) Und ja – da steckt ein Körnchen Wahrheit drin. Viele Amerikaner kommen tatsächlich mit Englisch allein durchs Leben, einfach weil sie es können. Die USA sind riesig, und egal ob man nach Florida, Kalifornien oder Alaska reist – man kommt überall mit derselben Sprache durch. Fremdsprachenunterricht gibt es zwar an Schulen, aber oft später und weniger intensiv als in Deutschland zum Beispiel. Das Ergebnis: ein paar Brocken Spanisch, Französisch oder Deutsch – aber selten so, dass man wirklich ins Plaudern kommt.
Doch auch hier ist das Bild differenzierter, als das Klischee vermuten lässt. Gerade in Städten und an der mexikanischen Grenze sprechen viele Menschen fließend Spanisch. Und: Spanisch ist nach Englisch die zweite große Alltagssprache im Land. Dazu kommen Millionen Immigrant*innen, die ihre ursprüngliche Sprache neben Englisch beibehalten – von Polnisch über Arabisch bis Chinesisch hört man in Michigan (und eigentlich überall in Amerika) eine ganze Menge.
Und was die angeblich „fehlenden“ Geografie- und Geschichtskenntnisse betrifft: Klar, viele Amerikaner haben weniger Überblick über Europa, weil das Schulsystem den Fokus stark auf die eigene Geschichte legt. Dafür kennt man hier die Präsidenten-Reihenfolge manchmal im Schlaf – während ich gestehen muss, dass ich beim Durchzählen der deutschen Bundeskanzler schon mal hängenbleibe. Und Hand aufs Herz: Wie viele Deutsche wüssten auf Anhieb, wo Michigan liegt?

Fazit: Das schnelle Bild – aber nicht immer die ganze Wahrheit

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​Wenn ich eins in all den Jahren hier gelernt habe, dann das: Klischees haben immer einen wahren Kern – sonst würden sie nicht so hartnäckig überleben. Aber sie sind eben nur der schnelle Schnappschuss, nie das ganze Bild. Die USA sind groß, widersprüchlich, bunt, zu laut und zu leise zugleich. Manches ist tatsächlich so überzogen, dass man lachen muss, anderes wiederum überraschend wahr. Am Ende zeigen Klischees eben doch nur, wie wir gesehen werden – und nicht unbedingt, wie wir wirklich sind.
PS: Und ja – natürlich gibt es noch eine ganze Menge weiterer Mythen, die hier keinen Platz gefunden haben. Irgendwann gibt’s also bestimmt einen zweiten Teil.

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Die Sache mit den Neuauflagen

8/6/2025

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​Du denkst, du bist fertig. Das Buch ist draußen, die Geschichte erzählt, der Punkt gesetzt. Und dann – landet es wieder bei dir. Plötzlich sitzt du da, roter Stift in der Hand, bereit, dein eigenes Werk auseinanderzunehmen.
Oder?
Bist du wirklich bereit, noch einmal tief in die Geschichte einzutauchen? Ehrlich zu dir zu sein, wenn du denkst: Himmel, was habe ich da eigentlich geschrieben?
Das Thema ist für mich gerade ganz aktuell, denn am 12. August erscheint die stark überarbeitete Neuauflage eines "alten" Verlagstitels. 

Warum überhaupt eine Neuauflage?

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​Weil Geschichten mit uns wachsen.
Weil wir als Autor*innen nicht dieselben bleiben, die wir beim Schreiben der ersten Version waren. Und weil Bücher, die wir vor Jahren veröffentlicht haben, oft nicht mehr ganz das sind, was wir heute erzählen würden.
Manchmal geht es dabei nur um ein neues Cover, ein frischeres Lektorat oder eine technische Anpassung. Aber manchmal geht es um mehr. Nicht nur um Stil. Sondern um Haltung. Ton. Tiefe.
Ob Selfpublisher*in oder Verlagsautor*in: Irgendwann steht man vor der Entscheidung, ein älteres Werk noch einmal in die Hand zu nehmen. Für Selfpublisher*innen ist das oft eine freiwillige kreative Entscheidung. Für Verlagsautor*innen beginnt es meist mit der Rückgabe der Rechte. (Kleiner Exkurs zur Vertragsdauer: Unterschreibe niemals – wirklich niemals – einen Vertrag, der bis zum Ende des gesetzlichen Urheberrechtsschutzes läuft. Der endet nämlich 70 Jahre nach dem Tod der Autor*in. Diesen Fehler habe ich bei meinem Debüt gemacht. Und wie viele Kolleg*innen habe ich lange kämpfen müssen, die Rechte an meinem Buch zurückzubekommen, nachdem der Verlag seine Autor*innen schlicht geghostet hat.)
Zum Glück war es dieses Mal nicht so. Als die Rechte an meinem früheren Thienemann-Verlagstitel Shine – Das Licht zwischen den Welten an mich zurückfielen, dachte ich zuerst: einmal drüberlesen, neues Cover, Selfpublishing – fertig.
Tja, falsch gedacht.
Denn aus einer schnellen Überarbeitung wurde ein echter Kraftakt. Weil ich gemerkt habe, dass ich heute anders schreibe. Dass ich anders über meine Figuren denke. Und dass die Geschichte es verdient hat, so erzählt zu werden, wie ich sie heute schreiben würde – ohne ihre Essenz zu verlieren. Ich habe fast einen Monat überarbeitet. Gestrichen, geschärft, neu geschrieben (und war beim Gegenlesen ehrlich gesagt ein bisschen erschrocken, was damals einfach so "durchgewunken" wurde). Rund 80 % des ursprünglichen Textes stehen noch. Der Rest ist gegangen. Oder hat sich verwandelt. Genau wie ich.

Zwei Wege – Verlag oder Selfpublishing?

​Wenn ein Buch zu dir zurückkommt, stehst du als Autor*in vor einer spannenden Entscheidung: Wohin jetzt damit? Grundsätzlich gibt es zwei Wege:
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Ein neuer (kleiner) Verlag
Ein kleiner Verlag kann eine gute Wahl sein, wenn du dich nicht um alles selbst kümmern willst – und eventuell ein wenig mehr Mitspracherecht als bei einem klassischen Publikumsverlag suchst. Viele dieser Verlage haben sich auf bestimmte Genres spezialisiert, arbeiten mit Herzblut und geben alten Titeln gern eine zweite Chance.

​Vorteile:
  • Du bekommst ein neues Lektorat und ein frisches Cover
  • Du profitierst von der Sichtbarkeit des Verlagsprogramms
  • Du musst dich nicht selbst um Technik, Vertrieb oder Marketing kümmern (auch wenn du es oft trotzdem tust ...)
  • Du trittst finanziell nicht in Vorkasse – die Kosten für Lektorat, Satz und Cover übernimmt der Verlag
  • Deine Backlist bekommt neues Leben – im besten Fall mit Leser*innen, die den Verlag bereits kennen und schätzen
Nachteile:
  • Die Vertragsbedingungen können sehr unterschiedlich sein – unbedingt genau lesen!
  • Du gibst wieder Rechte ab – und damit einen Teil der Kontrolle
  • Es dauert meist deutlich länger, bis das Buch erscheint
  • Das Honorar liegt oft unter dem, was im Selfpublishing möglich wäre

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​ Selfpublishing
Selbst verlegen heißt: Du bist dein eigener Verlag.
Du bestimmst nicht nur über Inhalt, Cover und Preis – sondern auch über den Zeitpunkt der Veröffentlichung, das Marketing und alles dazwischen.



​Vorteile:
  • Maximale Freiheit und Kontrolle
  • Höhere Tantiemen (vor allem bei E-Books)
  • Du kannst den Text jederzeit anpassen oder überarbeiten
  • Schnellere Veröffentlichung möglich
Nachteile:
  • Du bist für alles verantwortlich: Lektorat, Korrektorat, Cover, Formatierung, Technik, Buchhaltung, Werbung …
  • Es erfordert Zeit, Wissen (und Budget) – und ein gutes Netzwerk
  • Sichtbarkeit musst du dir selbst erarbeiten
Ich habe mich bei Willow ganz bewusst für den Selfpublishing-Weg entschieden. Nicht, weil ich denke, dass das „besser“ ist – sondern weil ich Lust hatte, dieses Projekt ganz in meine eigenen Hände zu nehmen. Es fühlt sich an wie ein Neustart – aber mit einem Fundament, das schon existiert.


Was kann (und darf) sich ändern?

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Wenn du eine Neuauflage in Angriff nimmst, stellt sich schnell die Frage: Was genau soll eigentlich anders werden?
Und noch wichtiger: Wie machst du transparent, dass es sich nicht um ein komplett neues Buch handelt – sondern um eine überarbeitete Version eines bereits veröffentlichten Titels?
Gerade dieser letzte Punkt ist essenziell. Leser*innen verdienen Klarheit.
Ob im Klappentext, im Impressum oder direkt auf der Produktseite – es sollte offen kommuniziert werden, wenn ein Buch unter einem neuen Titel (und vielleicht mit neuem Cover) noch einmal erscheint.
Nicht alle kennen das Prinzip der „relaunchten Backlist“ – und niemand möchte ein Buch kaufen, das man versehentlich doppelt im Regal stehen hat. Es sei denn, man ist neugierig – und will wissen, wie sich die alte Geschichte in ihrem neuen Kleid macht.

Stil & Sprache
Dein Schreibstil verändert sich mit jedem Buch.
Was sich früher gut angefühlt hat, klingt heute vielleicht zu steif, zu blumig oder einfach nicht mehr wie du. Bei Willow war genau das der Ausgangspunkt: Ich habe Formulierungen gestrafft, Szenen flüssiger gemacht, Monologe gekürzt oder ganz gestrichen – und meinen Figuren einfach mehr Luft gelassen.

Zeitliche Bezüge & Aktualität
Wenn dein Buch in der Gegenwart spielt, aber vor zehn Jahren geschrieben wurde – dann ist die Gegenwart heute eine andere. TikTok war noch Zukunftsmusik, Airbnbs hießen noch „Pensionen“, und wer jemanden mochte, schickte eine SMS – mit T9-Tastatur. Solche Dinge wirken heute schnell angestaubt oder aus der Zeit gefallen. Du musst nicht alles modernisieren – aber es lohnt sich, bewusst hinzuschauen: Passt das noch? Oder ist es nur aus Gewohnheit da?

Dialoge & Figurenentwicklung
Der Ton macht die Musik – und gerade bei Dialogen hat sich bei mir viel verändert. Was früher cool oder witzig klang, fühlt sich heute manchmal aufgesetzt an. Oder zu brav. Manche Figuren wollten mehr Kante, andere mehr Tiefe. Auch die Art, wie sie miteinander sprechen – wie sie streiten, flirten, sich öffnen – hat sich mit der Überarbeitung verändert. Bei Willow habe ich an genau diesen Stellen angesetzt.​
Und so liest sich das, wenn eine Szene ein zweites Leben bekommt. 

Vorher: 
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​Jonah fehlte mir! Jetzt schon. Ein paar Stunden ohne ihn, und es tat weh, nur an ihn zu denken … Genau das war der Grund, warum ich mich bis jetzt so erfolgreich gegen dieses Gefühl gewehrt hatte. Ich hatte mein Herz so prima zugemauert. Und jetzt tat es weh. Die Ecke, in die Jonah sich gestern einfach so eingeschlichen hatte, war leer. Eine Leere, die ich ganz genau spürte. Eine Leere, die mir mehr zu schaffen machte, als die verletzte Schulter.
Nachher:
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​Er fehlte mir! Jetzt schon. Ein paar Stunden ohne ihn, und es tat weh, nur an ihn zu denken. Genau deshalb hatte ich so lange dichtgemacht. Herz zu, Gefühl aus. Hatte wunderbar funktioniert. Bis gestern Abend. Jetzt war die Ecke dieses dämlichen Organs, in die Jonah sich gestern einfach so eingeschlichen hatte, leer. Und diese Leere zog mehr an mir als die Narbe an meiner Schulter. Sie pochte. Und sie ließ sich nicht ignorieren.
Es war der Kuss gewesen. Natürlich war es der Kuss gewesen. Und ich hatte ihn zugelassen. Nicht aus Versehen – ich hatte ihn gewollt. Und Hölle, Jonah küsste, wie jemand, der wusste, was er tat. Wie jemand, der schon viel zu lange gewartet hatte.
In dem Moment war alles gefallen. Alle Ausreden. Alle Lügen, die ich mir mein halbes Leben lang erzählt hatte. Dass da nichts war. Weil ich es nicht wollte. Weil ich ganz genau wusste, wie es aussieht, wenn ein Herz auseinanderbricht. Ich hatte es gesehen – jeden Tag, wenn meine Mutter versuchte, nicht an Dads Krankenbett zu zerbrechen. Ich hatte Angst gehabt, dass mir das auch passieren könnte. Dass ich mich in jemanden verlieben … und ihn wieder verlieren würde. Also hatte ich dicht gemacht.
Vielleicht brauchte es solche Extremsituationen, damit man endlich spürte, was da eigentlich los war im eigenen Herzen. Und vielleicht wäre es später sowieso passiert.
Er hätte gewartet. Weitergemacht. Immer wieder angeklopft, bis ich den verdammten Schlüssel gefunden hätte.

Was ich aus der Überarbeitung mitgenommen habe

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​So anstrengend der Prozess manchmal war – ich bin dankbar, dass ich ihn gegangen bin. Weil ich gesehen habe, wie sehr ich mich als Autorin entwickelt habe. Weil ich heute klarer schreibe, bewusster erzähle, mutiger kürze. Und weil ich gemerkt habe: Es lohnt sich, durchzuhalten – auch wenn Überarbeiten manchmal wehtut. Gerade dann.
Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, sich Zeit zu lassen – beim Schreiben, beim Überarbeiten, aber auch bei allem Drumherum.
Zum Beispiel beim Cover. Gerade bei einer Neuauflage kommt dem Design eine besondere Bedeutung zu – es trägt nicht nur den neuen Titel, sondern auch das neue Gefühl, das im Text mitschwingt. Deshalb bin ich umso dankbarer, dass ich mit einer Designerin zusammenarbeiten durfte, die nicht nur Talent, sondern auch ein Gespür für Stimmung, Ton und Geschichte mitgebracht hat. Wenn alles zusammenpasst – Titel, Bild, Farbwelt, Schrift – dann spürt man: Ja. Genau so fühlt sich dieses Buch jetzt an.
Ich habe auch gemerkt, wie wichtig klare Kommunikation ist. Nicht nur gegenüber Leser*innen, wenn es um Neuauflagen geht – sondern auch im Austausch mit Dienstleister*innen, mit Testleser*innen, mit mir selbst.
​Und vielleicht ist das der größte Punkt:

Veröffentlichungen sind nicht nur ein Produkt. Sie sind ein Prozess. Man wächst mit jeder davon.
​Und manchmal entdeckt man eine Geschichte noch einmal ganz neu – obwohl man sie selbst geschrieben hat.

Und jetzt?

​Jetzt ist Willow – Und in mir dein Licht bereit, noch einmal in die Welt zu gehen. Diesmal mit einer Stimme, die mehr nach mir klingt. Mit einem neuen Gewand. Und einem überarbeiteten Kern, der trotzdem dieselbe Geschichte trägt.
Vielleicht kennst du Shine noch von früher. Vielleicht nicht. Vielleicht wirst du beim Lesen Passagen wiedererkennen. Oder überrascht sein, wie anders sich alles anfühlt. Beides ist richtig. Denn Geschichten dürfen wachsen. Genau wie wir. Und manchmal ist eine Neuauflage keine Wiederholung – sondern ein neuer Anfang.
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PS: Im nächsten Artikel nehme ich euch dann wieder mit in meinen Alltag in Michigan - zwischen Schreibchaos, Farmers Market und Goldendoodle-Spaziergängen. 
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10 Dinge, die ich gerne früher übers Schreiben gewusst hätte

7/22/2025

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​Manchmal frage ich mich, wie viel Frust, Selbstzweifel und Nerven ich mir hätte sparen können, wenn mir jemand rechtzeitig ein paar Dinge übers Schreiben gesagt hätte. Nicht nur übers Schreiben selbst, sondern über das Ganze drumherum: Verlagswelt, Selfpublishing, Social Media, kreative Routinen – und wie sich das alles anfühlt, wenn man 7.000 Kilometer vom eigentlichen Buchmarkt entfernt lebt.
Hier sind 10 Dinge, die ich heute weiß – und die meinem früheren Ich einiges an Kopfzerbrechen, Grübeln und Koffein erspart hätten.

1. Schreiben ist kein einsamer Job – es sei denn, du machst ihn dazu

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​In meinem Kopf war Schreiben immer ein Soloakt – du, die Tastatur und sonst nichts. Heute weiß ich: Der Austausch mit anderen Schreibenden ist nicht Luxus, sondern Überlebensstrategie – besonders, wenn man wie ich in Michigan sitzt, während die eigentliche Buchwelt in Leipzig, Hamburg oder München tobt.
Ich bin inzwischen Mitglied bei zwei wunderbaren Autor*innenvereinigungen – DELIA (Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautorinnen und -autoren) und dem Selfpublisher Verband – und möchte beides nicht mehr missen. Dazu kommen einige wenige enge Kontakte zu befreundeten Autor*innen, mit denen ich brainstorme, jammere, jubiliere und ganz nebenbei den schönsten Beruf der Welt ein bisschen weniger frustrierend mache.
Natürlich begegnet man unterwegs auch Neid, Missgunst oder Ellenbogenmentalität – das bleibt leider nicht aus. Aber das Schöne ist: Man kann sich aussuchen, mit wem man sich umgibt. Und wenn man die richtigen Menschen gefunden hat, fühlt sich Schreiben plötzlich gar nicht mehr so einsam an – sondern wie Teil einer ziemlich schrägen Schreibfamilie.

2. Ohne Social Media geht gar nichts – vor allem nicht für den deutschen Markt

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​Ich geb’s zu: Ich habe Social Media lange als lästige Pflicht betrachtet. Muss ich wirklich ein Reel drehen, wenn ich doch eigentlich nur ein Buch schreiben will? Die Antwort ist: Jein. Schreiben und Marketing sind zwei Paar Schuhe – aber wenn du willst, dass dein Buch Leser*innen erreicht, musst du beide anziehen.
Gerade auf dem deutschsprachigen Markt läuft viel über sichtbare Präsenz, persönliche Nähe und Community. Instagram ist oft dein Schaufenster, dein Messestand und dein Wohnzimmer in einem. Für jemanden wie mich, die 7.000 Kilometer entfernt lebt, ist Social Media deshalb mehr als Marketing – es ist meine Verbindung zur Buchwelt, meine Bühne und mein Kaffeetisch mit Leser*innen zugleich. Und wisst ihr was? Inzwischen macht es mir sogar Spaß. Echt jetzt. (Also meistens. Also… sagen wir, oft genug, um es überzeugend zu behaupten. Fake it till you make it, oder?)
Tipp am Rande: Such dir ein kleines, feines Team aus Buchblogger*innen, bei denen die Chemie stimmt – Menschen, die zu dir und deinen Geschichten passen. Gemeinsam wird die Reise nicht nur leichter, sondern auch schöner. Denn was gibt es Besseres, als die Buchwelt nicht allein zu erkunden, sondern mit Menschen, die deine Worte lieben? Und wer weiß – vielleicht entsteht daraus mehr als nur Reichweite. Vielleicht sogar echte Freundschaft.


3. Lektorate tun weh – und genau deshalb sind sie Gold wert

Ich erinnere mich noch an mein erstes professionelles Lektorat. Es fühlte sich an wie ein Seelenstriptease mit Rotstift. Heute weiß ich: Eine gute Lektorin sieht nicht nur, was du schreibst, sondern was du eigentlich sagen willst – und hilft dir dabei, genau dorthin zu kommen.
Manchmal tut es weh, aber in 99 % der Fälle wird das Manuskript danach so viel besser, dass man sich fragt, warum man überhaupt an der Rohfassung hing.

4. Deine Schreibstimme entwickelt sich. Und das ist kein Makel, sondern Magie

​Mein erstes Buch klingt anders als mein drittes. Und das wiederum anders als mein jetziges. Ich dachte lange, ich müsse „meine Stimme“ finden und dann auf ewig beibehalten. Heute weiß ich: Stimme ist ein lebendiger Prozess. Sie wächst mit jedem Text, mit jeder Lebensphase, mit jeder Erfahrung.
Wenn sich mein Stil verändert, dann, weil ich wachse – nicht weil ich mich verliere.

​5. „Nur was sich verkauft, wird verlegt“ – klingt hart, stimmt aber oft

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​Ich hätte gerne früher gewusst, wie viel Marktorientierung auch in kreativen Entscheidungen steckt. Gerade im klassischen Verlagswesen. Wenn dein Buch nicht ins Programm passt – sei es wegen Thema, Genre oder Timing – (oder du nicht zum Genre ... ja, gibt's leider auch) dann wird es trotz toller Idee vielleicht abgelehnt. Nicht, weil es schlecht ist. Sondern weil es sich (vermutlich) nicht verkauft.
Das gilt besonders für Verlagsautor*innen, wo Verkaufszahlen, Zielgruppenlogik und Genregrenzen eine große Rolle spielen. Als Selfpublisher*in hast du da deutlich mehr Freiheiten – niemand redet dir rein, niemand zwingt dich in ein Coverkonzept oder einen Trend. Aber: Wenn du auch nur ein bisschen Geld damit verdienen willst (und nicht nur für die eigene Schublade schreibst), hilft es trotzdem, den Markt zu kennen. Zu wissen, was Leser*innen gerade anspricht. Und dann zu entscheiden, was davon zu dir passt – und was nicht.

6. Nicht jedes Buch wird ein Bestseller – und das ist völlig okay

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Eines der Dinge, die ich wirklich gerne früher gewusst hätte: Erwarte nicht zu viel auf einmal. Nicht jeder Roman zündet sofort. Nicht jede Veröffentlichung bringt den großen Durchbruch. Und das bedeutet nicht, dass du gescheitert bist. Im Gegenteil – je realistischer die Erwartungen, desto leichter kannst du kleine Erfolge überhaupt als solche wahrnehmen.
Ein gutes erstes Feedback. Ein Leser, der sich meldet. Ein Verkaufsrang, der sich kurz hebt. All das ist mehr wert, wenn du es nicht permanent mit einer idealisierten Erfolgsversion vergleichst.
Und wenn etwas wirklich nicht funktioniert? Dann ist ein radikaler Neuanfang kein Makel, sondern eine bewusste Entscheidung. Ob du ein Buch überarbeitest, ein neues Pseudonym wählst oder dich mit einem kompletten Rebranding neu erfindest – es ist kein Rückschritt, sondern ein neuer Schritt nach vorn.Erfolg ist nicht linear – und schon gar nicht endgültig. Du darfst loslassen. Und nochmal anfangen. So oft wie nötig.

​7. Nicht alles, was du schreibst, muss veröffentlicht werden

​Manche Texte sind einfach für dich. Für deine Entwicklung, deine Verarbeitung, deine Neugier. Ich habe halbe Romane in der Schublade, die nie jemand lesen wird – und das ist gut so. Sie haben mich dahin gebracht, wo ich heute bin.
Nicht jedes Projekt muss „raus“. Manche sind einfach Übung. Und genau das macht sie wertvoll.

8. Selfpublishing ist kein Plan B – sondern eine bewusste Entscheidung

​Früher klang Selfpublishing für mich nach „nicht gut genug für einen Verlag“. Heute weiß ich: Es ist unternehmerisch, kreativ frei und verdammt viel Arbeit – aber auch eine der besten Entscheidungen, die ich treffen konnte. Vor allem, wenn man auf zwei Kontinenten lebt.
Du entscheidest über Cover, Marketing, Veröffentlichungstermin – und ja, auch über die Verantwortung, dass alles wirklich gut ist. Das ist herausfordernd, aber auch unglaublich befriedigend.

9. Es wird nie „fertig“ sein

Man lernt nie aus. Jeder Roman, jedes Projekt bringt neue Herausforderungen - aber je drahtseiliger deine Nerven werden, desto gelassener nimmst du all das hin. Denn Schreiben ist kein Ziel. Schreiben ist eine Beziehung – und wie jede gute Beziehung darf sie sich verändern, wachsen, manchmal auch nerven. Aber genau das macht sie lebendig

10. Du darfst dabei du selbst sein

​Ob du im Pyjama schreibst oder in der Sonne auf der Terrasse, ob du deutsch träumst oder auf Englisch fluchst, ob du Fantasy, Romcom oder Gedichte liebst – du darfst deinen eigenen Weg gehen. Es gibt kein „richtig“ oder "falsch", nur das, was sich für dich echt anfühlt.Und je authentischer du bist, desto mehr wird das auch in deinen Texten spürbar.

​Fazit:

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​Wenn ich meinem früheren Ich heute etwas mitgeben könnte, dann vielleicht das: Erwarte weniger – und bleib trotzdem mutig. Schraub die Erwartungen nicht zu hoch. Nicht an dich, nicht an dein erstes Buch, nicht an die Reaktionen da draußen. Denn je höher die Latte liegt, desto leichter fühlt sich ein Erfolg wie ein Misserfolg an – selbst wenn er das gar nicht ist.
Schreiben ist keine Gerade, sondern ein Weg mit Kurven, Abzweigungen, Haltestellen – und manchmal auch mit Schleifen zurück. Und das ist völlig okay. Du darfst wachsen. Du darfst scheitern. Du darfst wieder anfangen.
Was zählt, ist nicht, wie viele Bücher du verkauft hast oder wie oft dein Post geliked wurde. Sondern dass du dranbleibst. Dass du erzählst. Dass du dich selbst immer wieder daran erinnerst, warum du das hier tust: Weil du Geschichten liebst. Und weil du etwas zu sagen hast.

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Sommer in Michigan – Zwischen Hitzewelle, Zikaden und Zucchini

7/1/2025

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Dies ist ausnahmsweise mal kein Beitrag übers Schreiben.
Okay – fast. Denn während ich diesen Text tippe, sitze ich an mehreren Projekten gleichzeitig: Ich stecke gerade mitten in der Überarbeitung eines Young Adult Romantasy-Romans, dessen Rechte ich kürzlich zurückbekommen habe. Im Juli wird er neu erscheinen – gründlich überarbeitet, mit frischem Satz und einem Hammer-Cover, das ich euch ganz bald zeige (Instagram-Cover-Flashmob: Freitag!). Parallel dazu wächst im Hintergrund der Plot für den zweiten Teil meiner noch geheimen Fantasy-Trilogie, die ich Stück für Stück aufbaue.
Aber heute geht’s nicht um Magie, Schlüssel oder Kapitel 27. Heute geht es um das, was diesen Teil des Jahres hier besonders macht.  Um Zikaden, Tornadowarnungen, drei Monaten Sommerferien - und das Gefühl, dass der Frühling einfach übersprungen wird. Um  Tage, die sich anfühlen, als würde die Luft kleben und um Nächte, in denen plötzlich Waschbären – oder Skunks - auf der Terrasse Partys feiern. 

Sommerstart, Pools und das große Draußen

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Seit ich 1999 nach Michigan gezogen bin, habe ich keinen kompletten Sommer mehr in Deutschland verbracht. Natürlich erinnere ich mich noch an die Freibäder, an Pommes rot-weiß und sonnenwarme Kopfsteinpflaster, aber mein Sommer – der, den ich heute lebe – spielt sich hier ab. In Michigan.
Der Sommer in Michigan beginnt inoffiziell Ende May mit Memorial Day und endet genauso inoffiziell Anfang September mit Labor Day – oder, wenn man einen Hund hat, mit dem Tag, an dem man ihn abends lieber nicht mehr allein in den Garten lässt. Denn dann sind sie zurück: Skunks, Raccoons und Opossums. Charmant. Nachtaktiv. Und völlig desinteressiert an den Regeln eines (mehr oder weniger) gepflegten Vorstadtgartens – oder an einem Vierbeiner mit ausgeprägtem Jagdinstinkt und sehr selektivem Gehorsam.

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Gefühlt hat hier jede zweite Familie einen Pool – bei uns dauerbeansprucht von Sunny, der jedes Gewässer für sein persönliches Biotop hält. Und weil er ungern allein draußen planscht, folgen wir ihm meistens freiwillig. Und so verlagert sich - zumindest bei uns Grecos - das Leben im Sommer, wann immer es geht, komplett nach draußen: auf die Terrasse, in Parks, an die Seen.
In den State Parks gibt es hier übrigens überall praktische Picknicktische, Grills, kleine Strände, Bootsverleihe. Überhaupt scheint Picknicken hier fest in der DNA eines Michiganders verankert zu sein -  mit Kühlbox, Burgern, Hot Dogs, Chips in Familiengröße und mindestens einer selbstgemachten Limonade im Gepäck. ​

Mücken, Seen und andere Sommerwahrheiten

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Manchmal erinnere ich mich noch an deutsche Freibäder – Chlor, Badekappenpflicht, Schwimmabzeichen zum Aufnähen, und die nassen Umkleiden, in denen nie genug Haken für Handtücher waren.
Hier gibt es stattdessen: Natur. Seen. Und Mücken. Das Erste, was man im Michigan-Sommer lernt? Mücken sind keine Kleinigkeit. Und sie kommen immer im Rudel. Sie lieben die schwüle Hitze genauso wie offene Fenster, nackte Knöchel und Menschen, die sich zu früh über einen gemütlichen Sommerabend freuen. Und sie übertragen fiese Krankheiten – zumindest an die vierbeinigen Familienmitglieder. Fragt mal Sunny. Herzwurm ist real.
Und trotzdem sind die Sommer an den Seen wunderschön. Wenn dann abends das Summen der Zikaden einsetzt – wie das leise Vibrieren eines Strommasts irgendwo in der Ferne – weiß ich, dass ich genau hier bin, wo ich gerade sein soll: im Sommer in Michigan.

Wenn der Sommer nach Rauch und Schokolade riecht

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Und wo wir gerade bei gemütlichen Sommerabenden sind: Ein Sommerabend in Michigan riecht nicht nach Würstchen und Kräuterbutter, sondern nach Lagerfeuer, Maiskolben, Burgern – und S’mores. Diese klebrig-süße Kombination aus Marshmallows, Schokolade und Graham Crackers wird traditionell am Lagerfeuer zubereitet und sieht am Ende meistens genauso aus, wie man es sich vorstellt – eine Sauerei mit Ansage. Es hat ein bisschen gedauert, bis ich mich mit diesem „Dessert“ angefreundet habe – und heute gibt’s bei uns manchmal sogar Indoor-S’mores. Frisch aus der Mikrowelle, wenn die Mücken draußen mal wieder zu aufdringlich sind.
Und trotzdem: Ich vermisse Johannisbeeren. Stachelbeeren. Kaltschale. Und von einem richtig kalten deutschen Bier will ich gar nicht erst anfangen.

Himmelblau & Gartenglück

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Das Erste, was mir hier damals im Sommer aufgefallen ist, war der Himmel. Dieses intensive, klare Dunkelblau, das man in Deutschland so nicht kennt. Im Sommer wirkt er noch größer. Noch lauter. Noch mehr. Und ich glaube, genau das ist es, was ich heute am stärksten mit dem Sommer in Michigan verbinde: Freiheit. Auch wenn die Sommer hier heißer und schwüler sind, die Luftfeuchtigkeit gnadenlos ist und der Frühling oft einfach ausfällt – ich möchte trotzdem nirgendwo anders sein. Nicht im Sommer. Über den Winter schreibe ich dann ein andermal. Und mein Garten macht ohnehin alles wett – sogar die endlosen, bitterkalten Monate. Ich liebe meinen kleinen Gemüse- und Kräutergarten: voller Tomaten, Zucchini, Mangold und unzähliger Kräuter. Und wenn ich morgens feststelle, dass aus der kleinen Zucchini über Nacht ein Baseballschläger geworden ist, gibt es „Zucchini Bread“ – morgens, mittags, abends. Wobei: In Deutschland würde man es wohl eher als Rührkuchen bezeichnen. (Mein halbwegs gesundes Lieblingsrezept folgt weiter unten.)

Wenn der Himmel grün wird

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Was man in Michigan im Sommer auch kennenlernt: Unwetter. Keine dramatischen Hollywood-Stürme – aber reale, bedrohliche Naturgewalt.
Ich erinnere mich noch gut an meine erste Tornadowarnung. Wir sind mit Taschenlampe und Decken in den Keller gegangen, die Luft grünlich, der Himmel unheimlich still. Ich hatte wirklich Angst.
Heute ist das fast Routine. Sobald das Handy losheult, läuft alles automatisch ab: Fenster zu, Handy laden, Sunny an die Leine, ab nach unten. Meist passiert nichts. Manchmal kracht es ordentlich. Und oft endet das Ganze mit umgekippten Gartenstühlen und einem halb gefluteten Rasen.
Sidenote: Bei einem Schulausflug mit meiner Jüngsten vor ein paar Jahren hat uns ein Tornado mitten auf dem Land überrascht. Wir landeten mit einer Gruppe leicht nervöser Erstklässler im Keller eines ausgesprochen gelassenen Farmers, der die Situation deutlich entspannter nahm als wir. Aber ja – wir haben die Funnelcloud tatsächlich gesehen. Nicht weit entfernt, deutlich erkennbar: ein schmaler, rotierender Trichter am Himmel – faszinierend und leicht beunruhigend. Seitdem weiß ich: Wenn das Handy piept und der Himmel grünlich wird, ist es definitiv Zeit, in den Keller zu gehen – und nicht erst, wenn der Trichter schon winkt.

Garage Sales & Lemonade Stands – amerikanischer geht’s kaum

Irgendwann zwischen Juni und August tauchen sie überall auf: handgemalte Schilder an Straßenecken, Pfeile auf Pappe, und dann – ein Vorgarten voller Möbel, Bücher, Deko, Geschirr und Klamotten.
Man schlendert, stöbert, feilscht ein bisschen – und findet am Ende etwas, das man nie gesucht hat – aber jetzt behalten will.
Und dann natürlich: die Lemonade Stands.
Ich erinnere mich noch genau, wie meine Töchter zum ersten Mal einen veranstaltet haben. Mit aufgeregtem Kichern, handgemalten Schildern, Eiswürfeln in Plastikbechern und unbändigem Stolz, wenn jemand wirklich anhielt.
Auch diese kleinen Dinge gehören hier zum Sommer. Und sie machen ihn besonders.

Drei Monate Ferien, zehn Tage Urlaub

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Ja, die Sommerferien …
Fast drei Monate lang. Von Anfang Juni bis Labor Day. Die Kinder haben frei – die Eltern eher nicht. Was für ein Kulturschock, als Carlo damals genau zehn Urlaubstage im Jahr hatte. Zehn! Keine Betriebsferien, keine Brückentage, keine sechs Wochen Sommerpause.
Heute sind es zum Glück mehr – Gott sei Dank.
Trotzdem haben wir es bis heute nie geschafft, mal länger als zwei Wochen am Stück wegzufahren. Irgendwas ist immer -  und ganz ehrlich? Manchmal will man das auch gar nicht. Lieber im Garten bleiben. Mit Sunny im Pool planschen. Die Füße ins Wasser hängen und so tun, als gäbe es keinen Kalender. Nur Sonne. Mücken. Und Zeit.

Was mir manchmal fehlt: ein Eiscafé mit Sonnenschirm

So sehr ich den Sommer hier liebe – es gibt da diese Kleinigkeit, die ich vermisse. Dieses ganz normale „Mal eben in die Stadt und ein Eis holen“-Gefühl. In Deutschland bedeutete das: Schuhe an, ab in die Innenstadt, Spaghettieis oder Stracciatella, ganz egal – Hauptsache draußen, Kopfsteinpflaster unter den Füßen, vielleicht noch ein kurzer Plausch mit jemandem, den man zufällig trifft.
Hier, wo ich lebe, gibt es keine klassische Innenstadt. Kein Zentrum zum Durchbummeln. Kein Eiscafé mit buntem Sonnenschirm. Eis gibt’s im Drive-through oder in der Tiefkühltruhe. Im Becher. To go.
Es ist nichts Weltbewegendes. Aber manchmal fehlt’s eben doch – genau wie Freibadpommes. Und Spontaneität ohne Parkplatzsuche.

Zwischen Alltag und Dankbarkeit – mein Michigan-Sommer

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​Manchmal ist der Sommer hier laut, grell und überwältigend. Manchmal tut er so, als wäre er gar nicht da. Nur Hitze. Und dieser seltsame, flirrende Stillstand vor dem nächsten Unwetter. Und manchmal, ganz manchmal, vergesse ich, dass er nicht selbstverständlich ist.
Ich ernte Zucchini.
Ich schreibe auf der Terrasse, bis mein Laptop überhitzt.
Ich schwimme mit Sunny im Pool, wenn es zu heiß wird.
Ich warte auf das nächste Gewitter – und lächle, wenn die Zikaden den Takt vorgeben.
Der Sommer hier ist nicht besser als damals in Deutschland. Nicht schlechter.
Er ist einfach: meiner.
Er gehört zu einem Leben, das irgendwo zwischen Alltag und Abenteuer tanzt. Zwischen Routinen, die sich eingeschliffen haben – und Momenten, die sich wie Neuanfänge anfühlen. Und vor allem gehört er zu diesem Gefühl, das ich immer wieder in mir trage, wenn ich barfuß durchs Gras gehe und der Wind mir durchs Haar fährt: Freiheit.

Das erste Kapitel aus „Willow – Und in mir dein Licht“ – dem Young Adult Fantasybuch, das ich gerade überarbeite – beginnt übrigens mit diesen Zeilen:
„Freiheit! In diesem Moment schmeckte sie süßer als Moms Brownies, duftete intensiver als das sündhaft teure Parfum, das Jonah mir letztes Jahr zum Geburtstag geschenkt hatte. Sie klang besser als jede Zeile aus einem Nirvana-Song – und fühlte sich an wie der Sommerwind, der mir gerade durchs Haar fuhr: wild, lebendig, voller neuer Möglichkeiten.“

Mehr zum Buch – und zum neuen Cover – gibt’s ganz bald auf meinem Instagram-Kanal. Bis dahin: Sommerwind atmen. Zucchini ernten. Weiterschreiben.


Mein Lieblingsrezept: Zucchinibrot für heiße Tage (Oder: ein richtig saftiger Rührkuchen)

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Zutaten:
  • 2 Tassen grob oder mittelgrob geraspelte Zucchini
  • 1 großes Ei
  • 1/2 Tasse ungesüßtes Apfelmus
  • 3/4 Tasse Honig oder Ahornsirup
  • 1 TL Vanilleextrakt
  • 2 TL Zimt
  • 1 TL Natron
  • 1 TL Backpulver
  • 1/2 TL Salz
  • 2 Tassen Vollkornmehl oder Dinkelmehl
  • Optional: 1/2 Tasse grob gehackte Walnüsse
Zubereitung:
  1. Backofen auf 175 °C (Ober-/Unterhitze) vorheizen.
    Eine Kastenform leicht einfetten.
  2. In einer großen Schüssel Ei, Apfelmus, Honig, Vanille, Zimt, Natron, Backpulver und Salz gut verquirlen.
  3. Die Zucchini unterheben.
  4. Das Mehl hinzufügen und vorsichtig unterheben, bis alles gerade so vermengt ist – nicht zu viel rühren.
  5. Den Teig in die vorbereitete Form füllen und 50–60 Minuten backen, bis ein Zahnstocher in der Mitte sauber herauskommt.
  6. Aus dem Ofen nehmen und 10 Minuten erst in der Form auskühlen lassen, dann auf einem Gitter komplett abkühlen lassen (mindestens 30 Minuten).
  7. Mit einem scharfen, gezackten Messer in Scheiben schneiden und genießen!

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    Kirsten Greco

    ​Fantasyautorin aus Michigan. Schreibt Magie, trinkt Kaffee, löscht Plotbrände.

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